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Zweites Leben für E-Scooter-Akkus: Freiburger Start-up baut daraus Stromspeicher für Firmen
112 ausgediente Scooter-Akkus, ein 70-kWh-Speicher: Wie aus vermeintlichem Elektroschrott ein Stromspeicher für Betriebe wird.
Von Firas ·
Hat der Akku eines E-Scooters oder E-Bikes für den Alltag ausgedient, landet er oft zu früh im Müll – obwohl er meist noch einen großen Teil seiner Kapazität hat. Allein in Deutschland trifft das nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE jedes Jahr rund eine Million Akkus, die eigentlich noch leistungsfähig wären. Ein junges Unternehmen aus Freiburg will das ändern: EDENenergy baut aus solchen ausrangierten Batterien stationäre Stromspeicher für Betriebe. Mitte Oktober ist der erste davon beim Kunden angekommen.
112 Scooter-Akkus in einem Speicher Der erste Speicher fasst 70 Kilowattstunden und besteht aus 112 gebrauchten E-Scooter-Akkus, die das Team vorher in einem Eingangstest geprüft hat. Neue stationäre Speicher sind teuer und verbrauchen in der Herstellung viele Rohstoffe – genau hier setzt die Idee an, vorhandene Akkus weiterzunutzen.
Gegründet haben EDENenergy Florian Bierwirth, Daniel Seeger und Hannes Kurzmann. Alle drei kommen aus der Abteilung Leistungselektronik des Fraunhofer ISE, das Unternehmen ist eine Ausgründung des Instituts. Inzwischen arbeiten neben den Gründern drei Teilzeitkräfte mit.
Besser in Form als gedacht Eine angenehme Überraschung brachten die Tests: Das Team war davon ausgegangen, dass die gebrauchten Akkus noch etwa 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität haben. Bei den ersten 350 geprüften Akkus lag dieser Wert, Fachleute sprechen vom „State of Health“, teilweise deutlich über 90 Prozent. Für den Roller mag so ein Akku ausgedient haben – für einen Speicher, der einfach nur an Ort und Stelle steht, kann er noch gute Dienste leisten.
Der Trick steckt in der Elektronik Das Kernstück ist eine am Fraunhofer ISE entwickelte Leistungselektronik. Sie kann unterschiedliche Batterien zu einem Speicher zusammenschalten, ohne dass die Akkus dafür auseinandergebaut werden müssen. Die Batterien bleiben also so, wie sie aus dem Roller kommen.
Dazu kommt ein Wartungskonzept: EDENenergy überwacht die Batteriemodule aus der Ferne. Schwächelt eines, lässt es sich im laufenden Betrieb austauschen. Ausgediente Akkus gehen an Partnerfirmen zum Recycling. So soll der Speicher auch nach zehn Jahren noch seine vollen 70 Kilowattstunden bieten. Bei herkömmlichen Speichern garantieren Hersteller nach zehn Jahren laut Mitteilung standardmäßig nur noch 80 Prozent.
Für wen sich das lohnt Im Blick hat das Start-up zunächst mittelständische Unternehmen in der Region, die bereits eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben, aber keinen Speicher. Auch Stadtwerke kommen infrage: Sie könnten solche Speicher etwa nutzen, um mehr selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen, Lastspitzen zu kappen oder Strom zu handeln. Gewerbebetriebe, die als Pilotkunden einsteigen, können über das bewilligte Landesprogramm „Mittelstand trifft Start-ups“ eine Förderung von 50 Prozent erhalten. Unterstützt wurde das Gründungsteam zudem unter anderem vom Leistungszentrum Nachhaltigkeit in Freiburg und vom Landesprogramm „BW Pre-Seed“.
Noch viel Kleinarbeit Ganz einfach ist das Geschäft nicht. Jeder neue Akkutyp bringt eigene Stecker, ein eigenes Batteriemanagementsystem und eine eigene Art der Kommunikation mit – all das muss angepasst werden. Deshalb arbeitet das Team zum Start nur mit einem einzigen Scooter-Akkutyp. „Gerade bei den E-Bikes gibt es eine große Bandbreite“, sagt Mitgründer Florian Bierwirth. Langfristig wünscht sich das Unternehmen deshalb einheitliche Kommunikationsstandards und Regeln, die die Zweitnutzung mobiler Akkus in festen Speichern gesetzlich ordnen.
Noch ist es ein einzelner Speicher bei einem einzelnen Kunden, ob sich das Modell im großen Stil durchsetzt, ist offen. Die nächsten Schritte sind aber geplant: Die Speicher sollen auf bis zu 300 Kilowattstunden wachsen, weitere Pilotkunden werden gesucht, und künftig sollen auch verschiedene Akkutypen in einem System zusammenarbeiten. Aus dem, was bisher Abfall war, könnte so ein Baustein für die Energiewende werden.
Themen: E-Scooter-Akkus, Stromspeicher, Zweitnutzung, Kreislaufwirtschaft, Start-up, Freiburg, Energiewende
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