Lifestyle | Ratgeber | Gesellschaft
Zuversicht lernen: Wie wir unsere Gedanken beeinflussen und gelassener durchs Leben gehen
Zuversicht ist kein angeborenes Talent: Wie wir Bewertungen verändern und damit Stimmung und Handeln beeinflussen.
Von Madalina ·
Zuversicht lässt sich trainieren: Wie wir lernen, anders mit unseren Gedanken umzugehen Es gibt Tage, an denen unser Kopf erstaunlich zuverlässig zum Katastrophenradio wird. Ein Problem im Job wird zum drohenden Desaster, ein unfreundlicher Satz zum Beweis dafür, dass „alles schiefläuft“. Die gute Nachricht: Wir müssen nicht jeden Gedanken für bare Münze nehmen.
Genau hier setzt der Diplom-Psychologe Jens Corssen an. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Selbstführung und der Frage, wie Menschen ihre innere Haltung verändern können. Sein Ansatz: Statt sich dauerhaft als Spielball äußerer Umstände zu erleben, lohnt es sich, die eigenen automatischen Bewertungen genauer zu beobachten.
Nicht das Ereignis allein bestimmt unsere Stimmung Der verspätete Zug bleibt verspätet. Das schwierige Gespräch bleibt schwierig. Doch zwischen einem Ereignis und unserem Erleben liegt ein entscheidender Zwischenschritt: die Interpretation.
In der Psychologie wird ein verwandter Mechanismus als kognitive Neubewertung bezeichnet. Dabei wird eine Situation bewusst aus einer anderen Perspektive betrachtet. Aus „Das wird eine Katastrophe“ könnte beispielsweise werden: „Das wird unangenehm, aber ich kann mich darauf vorbereiten.“
Das klingt zunächst nach einem kleinen sprachlichen Unterschied. Tatsächlich zeigt die Forschung jedoch, dass solche Strategien der Emotionsregulation mit psychischem Wohlbefinden zusammenhängen. Eine große internationale Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit Daten aus 249 Studien und mehr als 150.000 Menschen bestätigt, dass kognitive Neubewertung vielfach mit besserer psychischer Anpassung verbunden ist – wobei kulturelle und persönliche Unterschiede eine Rolle spielen.
„Positiv denken“ reicht nicht Damit ist allerdings nicht gemeint, Schwierigkeiten schönzureden. Wer krank ist, Liebeskummer hat oder finanzielle Sorgen erlebt, kann diese Realität nicht einfach wegdenken.
Zuversicht bedeutet vielmehr: Das Problem anerkennen, ohne ihm automatisch die gesamte Zukunft zu überlassen.
Auch die aktuelle Forschung zur Förderung des Wohlbefindens spricht dafür, dass psychologische Fähigkeiten trainierbar sind. Eine 2026 veröffentlichte Analyse von 183 randomisierten Studien mit mehr als 22.000 Erwachsenen fand positive Effekte unter anderem für Achtsamkeit, Mitgefühl, Bewegung und Methoden der positiven Psychologie. Die Wirkungen waren meist klein bis moderat – also hilfreich, aber keine Wunderwaffe.
Unser Kopf ist kein Diktator Corssens Bild vom „Boss der eigenen Gedanken“ funktioniert deshalb am besten als Metapher. Niemand entscheidet vollständig darüber, welcher Gedanke als Nächstes auftaucht. Automatische Sorgen, Erinnerungen oder Befürchtungen gehören zum menschlichen Denken.
Was wir jedoch beeinflussen können, ist die zweite Runde: Muss ich diesem Gedanken glauben? Wie bewerte ich ihn? Und was tue ich anschließend?
Schon ältere Meta-Analysen zeigen zudem einen Zusammenhang zwischen Optimismus und verschiedenen Gesundheitsindikatoren. Dabei sind die Effekte keineswegs riesig und besonders bei subjektiv wahrgenommenem Wohlbefinden stärker – trotzdem deutet die Forschung darauf hin, dass unsere innere Haltung mehr als bloße Nebensache ist.
Vielleicht beginnt Zuversicht deshalb nicht mit dem Satz „Alles wird gut“.
Sondern mit einem bescheideneren Gedanken:
„Ich weiß noch nicht, wie es ausgeht. Aber ich kann beeinflussen, wie ich damit umgehe.“
Zuversicht lernen: Wie wir unsere Gedanken beeinflussen und gelassener durchs Leben gehen