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Zehn Jahre Mentorinnen-Programm: Mehr als 800 Tandems helfen Migrantinnen beim Jobeinstieg
Ehrenamtliche Mentorinnen begleiten Migrantinnen in Baden-Württemberg in den Beruf. Im Jubiläumsjahrgang hatten rund 61 Prozent der Mentees am Ende eine Stelle oder eine Weiterbildung.
Von Max ·
Fast 100 Bewerbungen hat Nicole Maria Pinto geschrieben, bevor es klappte. Die gelernte Physiotherapeutin hatte einen MBA in International Healthcare Management gemacht und wollte ins Management wechseln. Im März 2024 stieg sie in das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen ein. Als ihr Jahrgang endete, hatte sie noch keine Stelle. Doch die Kontakte blieben. Ihre fünf Vorstellungsgespräche kamen nach eigener Schilderung „alle über Kontakte“ zustande. Seit März 2025 arbeitet sie als Projektmanagerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.
Geschichten wie ihre gibt es inzwischen viele. Am 6. November ging im Haus der Wirtschaft in Stuttgart der zehnte Jahrgang des Programms zu Ende. Seit dem Start im Jahr 2017 haben laut Wirtschaftsministerium des Landes mehr als 800 Tandems das Programm abgeschlossen.
So funktioniert ein Tandem Die Idee ist einfach: Eine berufserfahrene Frau begleitet eine Migrantin oder geflüchtete Frau ehrenamtlich auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt, je nach Standort sechs bis neun Monate lang. Gemeinsam feilen die beiden an Bewerbungsunterlagen, üben Vorstellungsgespräche, knüpfen Kontakte zu Arbeitgebern und sprechen darüber, wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen. Dazu gehört auch, dass die Mentorin ihr Wissen und ihre Kontakte teilt.
Mitmachen können Frauen mit beruflicher Qualifikation, Zugang zum Arbeitsmarkt und guten Deutschkenntnissen. Landesweit ist mindestens das Sprachniveau B1 gefordert, in Stuttgart B2. Mentorinnen brauchen mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in Deutschland, idealerweise haben sie selbst eine Migrationsgeschichte. Begleitend gibt es Webinare, Mentorinnen erhalten zudem ein Kompetenztraining. In Stuttgart ist die Teilnahme für Mentees kostenfrei, dort kommen Seminare und Netzwerkveranstaltungen hinzu.
Organisiert wird das Ganze von den Kontaktstellen Frau und Beruf, die es an zehn Standorten im Land gibt, von Freiburg über Heilbronn bis Ravensburg. In Stuttgart ist der Verein BeFF zuständig. Das Land fördert das Programm. Seit 2018 ist es von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zertifiziert.
Was der Jubiläumsjahrgang erreicht hat Im Jubiläumsjahrgang 2026 fanden landesweit 105 Tandems zusammen, die Teilnehmerinnen kommen aus mehr als 30 Ländern. Rund 61 Prozent der Mentees aus diesem Jahrgang hatten bis zum Ende des Programms eine Arbeitsstelle gefunden oder steckten in einer Weiterbildung. Die Quote gilt für diesen Jahrgang, nicht für alle zehn.
Gebraucht wird die Unterstützung: Frauen mit Migrationsgeschichte sind in Baden-Württemberg nach Angaben des Landes deutlich seltener erwerbstätig als Frauen ohne Migrationserfahrung. Bei der Abschlussfeier kamen die Beteiligten selbst zu Wort: In einer Talkrunde erzählten Mentees, Mentorinnen und Koordinatorinnen von ihren Erfahrungen, auf einem „Markt der Möglichkeiten“ konnten die Teilnehmerinnen neue Kontakte knüpfen.
Auch Betriebe können helfen Die IHK Region Stuttgart wirbt bei Unternehmen für das Programm. Betriebe können Mentorinnen und Mentees aus ihrem Umfeld empfehlen, Firmenbesuche ermöglichen oder das Angebot in ihren Netzwerken bekannt machen. Nach Einschätzung der IHK hilft die Unterstützung zugewanderter Frauen Betrieben auch dabei, motivierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen zu gewinnen.
Wer als Mentee oder Mentorin dabei sein möchte, meldet sich bei der Kontaktstelle Frau und Beruf in der eigenen Region. In Stuttgart beginnt der nächste Jahrgang im März 2027, die Plätze sind begrenzt. Und wer zwischendurch an sich zweifelt, dem gibt Nicole Maria Pinto einen Satz aus ihren Gesprächen mit Mentorinnen mit: „Der richtige Job hat dich nur noch nicht gefunden.“
Themen: Mentoring, Migrantinnen, Berufseinstieg, Ehrenamt, Fachkräfte, Integration, Baden-Württemberg, Kontaktstellen Frau und Beruf
Zehn Jahre Mentorinnen-Programm: Mehr als 800 Tandems helfen Migrantinnen beim Jobeinstieg