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Zehn Jahre malariafrei: Wie Sri Lanka die Malaria loswurde – und den Erfolg hält
Vor zehn Jahren hat die WHO Sri Lanka als malariafrei zertifiziert, einheimische Fälle gibt es dort seit 2012 nicht mehr. Der Weg dahin: Die Behörden nahmen nicht nur die Mücke ins Visier, sondern gezielt auch den Erreger im Menschen. Und sie lassen bis heute nicht locker.
Von Ulrike ·
Im September 2016 bekam Sri Lanka eine Nachricht, auf die das Land lange hingearbeitet hatte: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zertifizierte die Insel offiziell als malariafrei. In der WHO-Region Südostasien war Sri Lanka damit nach den Malediven erst das zweite Land, das die Krankheit eliminiert hatte. Der letzte einheimische Fall war im Oktober 2012 gemeldet worden.
Zehn Jahre später steht Sri Lanka immer noch auf der WHO-Liste der malariafreien Länder. Zum Welt-Malaria-Tag im April 2026 hat das WHO-Länderbüro in Sri Lanka das Jubiläum gewürdigt: zehn Jahre Zertifikat, 14 Jahre ohne einheimische Übertragung. Wie besonders das ist, zeigt der Blick auf die Welt. Für 2024 schätzt die WHO in ihrem Welt-Malaria-Bericht rund 282 Millionen Malariafälle in etwa 80 Ländern – rund neun Millionen mehr als im Jahr davor. Als malariafrei zertifiziert sind dagegen 47 Länder und ein Gebiet (Stand des Berichts: Dezember 2025).
Eine Insel mit langer Malaria-Geschichte Malaria gehörte in Sri Lanka lange zum Alltag. Von den Epidemien der Jahre 1934 und 1935 waren nach WHO-Angaben rund 1,5 Millionen Menschen betroffen, fast 80.000 starben. Eine eigene Anti-Malaria-Kampagne gibt es schon seit 1911.
Einmal war das Ziel bereits zum Greifen nah: 1963 zählte das Land nur noch 17 Fälle. Doch danach ließen Geld und politischer Wille nach, und die Krankheit kam zurück – die WHO nennt für 1967 bis 1969 ein Wiederaufflammen der Malaria. In den 1970er- und 1980er-Jahren stiegen die Fallzahlen stark an. Noch 1999 registrierte Sri Lanka 264.549 bestätigte Infektionen.
Den Erreger jagen, nicht nur die Mücke Die Wende brachte ein Strategiewechsel in den 1990er-Jahren. Die Anti-Malaria-Kampagne bekämpfte nicht mehr nur die Mücke, sondern nahm gezielt und intensiv auch den Parasiten im Menschen ins Visier. Die WHO beschreibt diesen Ansatz als unkonventionell, aber sehr wirksam. Die Idee dahinter: Wer Infizierte schnell findet und behandelt, nimmt den Mücken den Nachschub an Erregern.
Ab 1999 kamen mobile Malariakliniken in abgelegene ländliche Gegenden und zu Bevölkerungsgruppen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko. Ab 2002 gab es zudem langlebige, mit Insektizid behandelte Moskitonetze für Hochrisikogebiete, ab 2008 eine moderne Kombinationstherapie mit Artemisinin. 2002 erhielt die Kampagne auch ihre erste Förderung vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Risintha Premaratne, ehemals an der Spitze der Kampagne, brachte den Ansatz 2016 gegenüber der Zeitung Daily FT auf eine Formel: „What we were doing was eliminating malaria by not eliminating the mosquito.“ Sinngemäß: Man habe die Malaria beseitigt, ohne die Mücke zu beseitigen.
Die Zahlen gaben dem Team recht. Ab 1999 sanken die Fälle stetig, zwischen 2002 und 2003 etwa um drei Viertel. 2006 waren es weniger als 1.000 Fälle im Jahr, 2011 noch 124 einheimische. Im Oktober 2012 folgte der letzte.
Mitten im Bürgerkrieg Bemerkenswert ist, unter welchen Bedingungen das gelang. Von 1983 bis 2009 herrschte in Sri Lanka Bürgerkrieg, und gerade der Norden und Osten, wo gekämpft wurde, gehörten zu den Malariagebieten. Die Maßnahmen liefen dort trotzdem weiter: Fachleute berichten, dass die Kampagnenleitung und die Rebellen der LTTE vor allem während der Waffenruhe verstärkt miteinander in Kontakt standen, dass Material über die einzige Straße in den Nordosten und per Schiff geliefert wurde und dass Organisationen wie das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen bei Diagnose und Behandlung halfen. Die Kampagne setzte ihre Strategie zuerst in den Landesteilen ohne Kampfhandlungen um, danach im Osten und zuletzt im Norden. Der damalige WHO-Vertreter in Sri Lanka, Jacob Kumaresan, betonte 2016, das Land habe sein Ziel ohne die Mittel eines Industrielands erreicht.
Wie Sri Lanka den Erfolg hält Malariafrei heißt nicht mückenfrei. Überträgermücken gibt es weiterhin, und mit Reisenden kommt der Erreger immer wieder ins Land. Von 2013 bis Ende 2022 wurden in Sri Lanka 470 Malariafälle gemeldet, fast alle bei Menschen, die sich im Ausland angesteckt hatten – 212 in Afrika, 152 in Indien. Nur zwei Ausnahmen gab es: 2018 steckte sich ein Mensch im Land an einem eingeschleppten Erreger an, 2021 wurde Malaria über eine Bluttransfusion übertragen.
Damit daraus kein neuer Ausbruch wird, arbeitet die Anti-Malaria-Kampagne mit festen Fristen, wie ihr Fachteam 2019 in einer Fachzeitschrift beschrieb: Ein bestätigter Fall wird innerhalb von 24 Stunden gemeldet, innerhalb von 48 Stunden beginnt die Untersuchung. Teams suchen im Umkreis von rund einem Kilometer nach weiteren Infektionen und prüfen, welche Mücken dort vorkommen. Wer in Malariagebiete reist, bekommt von der Kampagne kostenlos vorbeugende Medikamente. Gezielt getestet werden Gruppen, die häufig aus solchen Gebieten zurückkehren, etwa Sicherheitskräfte nach UN-Friedensmissionen oder Fischer, die aus Afrika heimkommen. Die WHO nennt außerdem die Überwachung der Mücken und die Zusammenarbeit mit den Bereichen Tourismus, Verteidigung und Arbeit.
Ganz ohne Rückschläge ging es nicht. Im April 2023 starb ein 37-jähriger Mann an einer importierten Malaria, angesteckt vermutlich in Tansania – der erste Malaria-Todesfall seit der Elimination. Er hatte drei Ärzte aufgesucht, ohne dass jemand auf Malaria testete. Genau davor warnt auch die WHO: Wo die Krankheit verschwunden ist, schwindet auch die Erfahrung, sie zu erkennen. Dazu kommen Klimawandel, Resistenzen und die Gefahr, nachlässig zu werden. Sri Lankas eigene Geschichte aus den 1960er-Jahren zeigt, wie schnell ein Erfolg wieder verloren gehen kann – und warum das Land wachsam bleibt.
Was das für Reisende aus Deutschland heißt Wer von Deutschland nach Sri Lanka reist, profitiert direkt. In der Ländertabelle der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) zur Malariavorbeugung, Stand Juni 2026, taucht Sri Lanka nicht auf. Für nicht aufgeführte Länder gilt dort: kein Malariarisiko bekannt oder gemeldet, Einzelfälle können vorkommen.
Mückenschutz bleibt trotzdem sinnvoll, darauf weist auch die DTG hin, denn andere Erreger sind nicht verschwunden: Bis Ende September 2026 meldete das Gesundheitsministerium in Sri Lanka für dieses Jahr mehr als 100.000 Fälle von Denguefieber und 77 Todesfälle. Die Malaria aber hat das Land seit über einem Jahrzehnt im Griff – mit Ausdauer, klugen Ideen und viel Kleinarbeit.
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Zehn Jahre malariafrei: Wie Sri Lanka die Malaria loswurde – und den Erfolg hält