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Windenergie in Deutschland wächst: 423 neue Anlagen und Rekord bei Genehmigungen
Deutschlands Windenergie gewinnt an Tempo: 423 neue Anlagen gingen im ersten Halbjahr 2026 ans Netz, während die Genehmigungen einen historischen Höchststand erreichten. Noch fehlen Netze und Planungssicherheit – doch die gut gefüllte Projektpipeline zeigt, wie viel Potenzial bereits startbereit ist.
Von Max ·
Windkraft nimmt Fahrt auf: Rekord bei Genehmigungen macht Hoffnung für Deutschlands Energiewende Während sich die Rotorblätter neuer Windenergieanlagen über Feldern, Wäldern und Industrieflächen zu drehen beginnen, wächst im Hintergrund eine noch größere Ausbauwelle heran. Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 nicht nur mehr Windkraftleistung installiert als ein Jahr zuvor. Noch bedeutender ist der Blick auf die Projekte, die bereits genehmigt sind und in den kommenden Jahren umgesetzt werden könnten.
Von Januar bis Juni gingen bundesweit 423 neue Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von 2.363 Megawatt in Betrieb. Der leistungsbezogene Bruttozubau stieg damit gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um sieben Prozent. Es war nach 2017 der zweitstärkste Windkraftzubau, der jemals in einer ersten Jahreshälfte erreicht wurde.
Das ist mehr als eine gute Zwischenbilanz. Die Zahlen zeigen, dass sich der jahrelang stockende Ausbau wieder bewegt – und dass moderne Anlagen mit immer höherer Leistung einen wachsenden Beitrag zur Stromversorgung leisten können.
Neue Windräder werden deutlich leistungsfähiger Rein rechnerisch bringt jede der neu errichteten Anlagen eine Leistung von durchschnittlich rund 5,6 Megawatt mit. Dass die installierte Leistung schneller wächst als die Zahl der Windräder, ist ein wichtiger Teil der Entwicklung: Neue Anlagen sind meist größer, effizienter und können an geeigneten Standorten wesentlich mehr Strom erzeugen als ältere Modelle.
Gleichzeitig wurden im ersten Halbjahr 307 ältere Windenergieanlagen mit insgesamt 436 Megawatt stillgelegt. Unter dem Strich wuchs der deutsche Anlagenbestand deshalb um 116 Windräder und 1.927 Megawatt Leistung. Ende Juni waren damit 29.248 Onshore-Windenergieanlagen mit zusammen knapp 70 Gigawatt am Netz.
Die Differenz zeigt: Für die Energiewende ist nicht allein entscheidend, wie viele Windräder neu entstehen. Wichtiger ist, wie viel zusätzliche Leistung sie bereitstellen und wie ältere Anlagen ersetzt werden.
Ein Drittel der neuen Leistung entstand durch Repowering Besonders deutlich wird dies beim sogenannten Repowering. Dabei werden ältere Windenergieanlagen zurückgebaut und durch moderne, leistungsstärkere Modelle ersetzt.
135 der im ersten Halbjahr errichteten Anlagen waren Teil solcher Repowering-Projekte. Sie steuerten 770 Megawatt bei – nahezu ein Drittel der gesamten neu installierten Leistung. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Repowering-Anteil um vier Prozentpunkte.
Das kann mehrere Vorteile verbinden: Bereits genutzte Standorte verfügen häufig über Erfahrungen mit Windverhältnissen, Zufahrtswegen und Netzanbindungen. Gleichzeitig kann eine kleinere Zahl moderner Anlagen erheblich mehr Leistung bereitstellen als der zuvor vorhandene Bestand. Allerdings bleibt jedes Repowering-Projekt von den konkreten Genehmigungen, Flächenvorgaben und örtlichen Bedingungen abhängig.
Nordrhein-Westfalen führt beim Ausbau Die neue Leistung verteilt sich nicht gleichmäßig über Deutschland. Nordrhein-Westfalen lag im ersten Halbjahr mit 539 Megawatt an der Spitze, dicht gefolgt von Niedersachsen mit 516 Megawatt. Schleswig-Holstein erreichte mit 361 Megawatt den dritten Platz.
In Baden-Württemberg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Halbjahreszubau gegenüber dem Vorjahr jeweils mindestens verdreifacht – wenn auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau. Bayern verzeichnete ein Plus von 44 Prozent. In den drei Stadtstaaten kamen dagegen keine neuen Anlagen hinzu.
Die regionale Verteilung bleibt damit eine zentrale Aufgabe. Windstrom entsteht bisher vor allem im Norden und Westen, während im Süden zugleich große industrielle Verbrauchszentren liegen. Ein ausgewogener Ausbau kann deshalb helfen, Stromnetze zu entlasten und Erzeugung und Verbrauch näher zusammenzubringen.
Der eigentliche Hoffnungsschimmer steckt in den Genehmigungen Noch stärker als der aktuelle Zubau entwickelten sich die Genehmigungen. In den ersten sechs Monaten erhielten 1.419 geplante Windenergieanlagen mit zusammen 9.150 Megawatt grünes Licht. Das waren knapp 14 Prozent mehr genehmigte Leistung als im Vorjahreszeitraum – und so viel wie noch nie zuvor in einem ersten Halbjahr.
Niedersachsen führte die Genehmigungsstatistik mit 1.860 Megawatt an. Dahinter folgten Nordrhein-Westfalen mit 1.794 Megawatt und Brandenburg mit 1.131 Megawatt. Allein diese drei Länder vereinten damit mehr als die Hälfte der neu zugelassenen Leistung auf sich.
Noch eindrucksvoller ist die gesamte Projektpipeline: Zur Jahresmitte waren Windenergieanlagen mit rund 48,1 Gigawatt Leistung genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. Rund 28,7 Gigawatt davon verfügten bereits über einen gültigen Zuschlag aus einer Ausschreibung. Für etwa 19 Gigawatt stand ein solcher Zuschlag noch aus.
Genehmigt bedeutet allerdings nicht, dass ein Windrad sofort gebaut werden kann. Finanzierung, Ausschreibungszuschlag, Bestellung, Schwerlasttransport, Bau und Netzanschluss benötigen Zeit. Nach Angaben der Fachagentur dauert es im Durchschnitt fast zwei Jahre, bis eine bezuschlagte Leistung tatsächlich in Betrieb geht. Die Rekordgenehmigungen von heute sind daher vor allem ein positives Signal für die kommenden Jahre.
Starker Wettbewerb lässt Zuschlagswerte sinken Wie groß das Interesse an neuen Projekten geworden ist, zeigen auch die Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. In den beiden ersten Runden des Jahres wurden zusammen knapp 5,94 Gigawatt ausgeschrieben. Dafür gingen Gebote über mehr als 14,2 Gigawatt ein – deutlich mehr als doppelt so viel wie verfügbar war.
Dieser Wettbewerb wirkte sich auf die Zuschlagswerte aus. In der Mai-Ausschreibung sank der durchschnittliche mengengewichtete Wert auf 5,06 Cent je Kilowattstunde. In der vorherigen Runde waren es noch 5,54 Cent gewesen. Seit August 2024 ist dieser Wert über sieben Ausschreibungsrunden hinweg um mehr als zwei Cent gefallen.
Dabei handelt es sich nicht um den späteren Strompreis für Haushalte. Der Zuschlagswert bestimmt vielmehr den Förderrahmen eines Projekts. Sinkende Werte können jedoch darauf hindeuten, dass Projektentwickler stärker miteinander konkurrieren und neue Windparks unter günstigeren Bedingungen anbieten.
Windenergie lieferte rund 53 Milliarden Kilowattstunden Im ersten Halbjahr erzeugten die Windenergieanlagen an Land rund 53 Milliarden Kilowattstunden Strom. Je nach Datenstand und Berechnungsmethode lag ihr Anteil an der deutschen Stromerzeugung bei etwa einem Fünftel bis 23 Prozent. Damit blieb die Windkraft an Land eine der wichtigsten einzelnen Stromquellen des Landes.
Insgesamt deckten erneuerbare Energien in den ersten sechs Monaten nach vorläufigen Berechnungen 58 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. Das waren fast drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum und ein neuer Halbjahresrekord. Neben der Windenergie trugen auch Photovoltaik, Offshore-Windkraft, Biomasse und Wasserkraft dazu bei.
Das zeigt, dass der Ausbau nicht nur auf dem Papier stattfindet. Die neuen Anlagen erzeugen messbar mehr Strom und helfen dabei, fossile Energieträger im Stromsystem zurückzudrängen.
Trotz des Fortschritts bleibt eine deutliche Lücke Die positive Entwicklung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland noch nicht auf seinem gesetzlichen Ausbaupfad liegt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht für 2026 eine installierte Onshore-Leistung von 84 Gigawatt vor. Zur Jahresmitte waren es knapp 70 Gigawatt. Um das Ziel noch zu erreichen, müssten innerhalb von sechs Monaten netto etwa 14 Gigawatt hinzukommen – ein Wert, der nach heutigem Stand kaum erreichbar ist. Bis 2030 sind 115 Gigawatt vorgesehen.
Die Fachagentur hält einen Bruttozubau von bis zu acht Gigawatt im Gesamtjahr 2026 für sehr ambitioniert, aber nicht völlig ausgeschlossen. Der bisher realisierte Ausbau liegt jedoch fast ein Gigawatt hinter der dafür notwendigen Halbjahresgeschwindigkeit.
Entscheidend wird nun, wie schnell genehmigte Projekte tatsächlich ans Netz gelangen. Neben verlässlichen politischen Rahmenbedingungen braucht es verfügbare Netzanschlüsse, zügige Ausschreibungen, ausreichend Transportkapazitäten und leistungsfähige Verteilnetze. Auch die Beteiligung von Gemeinden und Menschen vor Ort kann dazu beitragen, dass Projekte nicht nur genehmigt, sondern langfristig akzeptiert und umgesetzt werden.
Aus einer Genehmigungswelle kann eine Bauwelle werden Die Halbjahresbilanz 2026 erzählt deshalb zwei Geschichten zugleich: Der aktuelle Ausbau ist stärker geworden, reicht aber noch nicht aus, um die gesetzlichen Ziele zu erfüllen. Zugleich war die Ausgangslage für die kommenden Jahre selten so günstig.
Fast 50 Gigawatt genehmigte Projekte bilden einen enormen Vorrat. Die Ausschreibungen sind deutlich überzeichnet. Moderne Anlagen liefern mehr Leistung, und Repowering nutzt bestehende Standorte effizienter. Werden Netzanschlüsse, Ausschreibungsvolumen und Investitionsbedingungen passend organisiert, kann aus dem heutigen Genehmigungsrekord schon bald eine deutlich größere Bauwelle entstehen.
Die Energiewende ist damit noch nicht am Ziel. Aber sie hat wieder spürbaren Rückenwind.
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