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Wildschweine sind sauschlau: Wie sie lernen, kommunizieren und im Familienverband leben
Sie grunzen, lernen und halten zusammen: Was die Forschung über das erstaunlich kluge Leben der Wildschweine zeigt.
Von Michael Beier ·
Sauschlau und sozial: Das überraschende Leben der Wildschweine Im Unterholz knackt ein Zweig. Eine borstige Schnauze schiebt sich durch das Laub, dahinter wuseln gestreifte Frischlinge. Was wie ein zufälliger Waldspaziergang aussieht, ist ein eingespielter Familienverband. Wildschweine sind nicht nur anpassungsfähig – sie lernen, verständigen sich und pflegen erstaunlich enge Beziehungen.
Die Nase als Navigationsgerät Für Wildschweine beginnt die Welt häufig mit einem Geruch. Mit ihrem kräftigen Rüssel spüren sie Wurzeln, Insektenlarven und andere Leckerbissen im Boden auf. Eicheln und Bucheckern stehen ebenso auf dem Speiseplan wie Pilze und kleine Tiere. Diese Vielseitigkeit hilft ihnen, in unterschiedlichen Lebensräumen zurechtzukommen.
Doch der Erfolg beruht nicht allein auf Instinkt. In Verhaltensexperimenten mit Wild- und Hausschweinen untersuchten Forschende, wie die Tiere Hinweise auf verstecktes Futter nutzen. Ihr Ergebnis: Entscheidend ist auch, welche Erfahrungen die Schweine zuvor gesammelt haben. Sie können lernen, bestimmte Signale richtig einzuordnen.
In der Rotte zählt Zusammenhalt Wildschweine leben häufig in Familiengruppen, den sogenannten Rotten. Bachen ziehen mit ihrem Nachwuchs umher; oft gibt eine erfahrene Leitbache die Richtung vor. Erwachsene Keiler sind dagegen meist allein unterwegs.
Wie fest diese sozialen Bande sein können, zeigte eine Untersuchung im polnischen Białowieża-Wald: Forschende kombinierten Ortungsdaten mit genetischen Analysen. Weibliche Wildschweine hielten über längere Zeit bevorzugt Kontakt zu Verwandten. Die Rotte ist also mehr als eine zufällige Ansammlung hungriger Schnauzen.
Auch für den Nachwuchs ist gesorgt. Vor der Geburt richtet die Bache einen geschützten, mit Pflanzenmaterial ausgepolsterten Kessel ein. Dort verbringen die Frischlinge ihre ersten Lebenstage.
Grunzen mit erstaunlicher Vielfalt Wer nur ein einziges Schweinegrunzen kennt, verpasst einiges. Eine wissenschaftliche Untersuchung wertete 616 Lautäußerungen von Wildschweinen aus und unterschied vier akustische Grundtypen: Grunzen, Mischlaute aus Grunzen und Quieken, Quieken sowie trompetenartige Laute.
Das bedeutet nicht, dass Forschende bereits eine vollständige Wildschweinsprache übersetzen könnten. Aber die Tiere besitzen ein differenziertes Lautrepertoire, mit dem sie unter anderem Kontakt halten und auf Situationen reagieren.
Warum ein Schlammbad sinnvoll ist Ein Wildschwein im Schlamm wirkt wenig elegant, hat aber gute Gründe für sein Bad. Das Suhlen kühlt den Körper und hilft, lästige Parasiten loszuwerden. Anschließend wird die getrocknete Schlammschicht an Baumstämmen abgestreift.
Beim Wühlen verändern Wildschweine außerdem den Waldboden. So können neue Keimstellen für Pflanzen entstehen. Allerdings kann zu intensives Wühlen auch Vegetation schädigen. Wie so oft in der Natur kommt es auf das Maß an.
Und noch etwas macht die Tiere erfolgreich: Sie entdecken Nahrung auch dort, wo Menschen leben. Deshalb sollten Abfälle unzugänglich bleiben. Bei Begegnungen gilt: Abstand halten, besonders bei Bachen mit Frischlingen.
Vielleicht ist das größte Talent der Wildschweine ihre Fähigkeit, sich immer wieder auf Veränderungen einzustellen.
Wildschweine sind sauschlau: Wie sie lernen, kommunizieren und im Familienverband leben