Hamburg · Klima | Natur
Wildrosen im Gewerbegebiet: Hamburger Tischlerei begrünt Gelände und erhält Natursiegel
In Stellingen ist aus Firmengelände ein Stück Stadtnatur geworden: Was sich dort verändert hat und wer mit anpackte.
Von Michael Beier ·
Tischler kennen sich mit Holz aus. Das Totholz auf dem Gelände eines Stellinger Betriebs hat allerdings nichts mit der Werkstatt zu tun: Die Elbtischler, eine Hamburger Tischlerei mit Schwerpunkt auf Schulen und Kitas, haben ihr Außengelände am Jacobsenweg in Teilen naturnah umgebaut. Dafür hat ihnen die Loki Schmidt Stiftung am 30. Oktober das Siegel „Kooperation NATUR“ überreicht, es gilt von 2026 bis 2029.
Was sich auf 230 Quadratmetern verändert hat Groß ist die Fläche nicht, und gerade das macht sie interessant. Rund 220 Quadratmeter wurden nach einem Konzept der Stiftung umgestaltet und teilweise entsiegelt, weitere zehn Quadratmeter entlang der Produktionshalle von ihrer Versiegelung befreit und mit Rankpflanzen versehen. Nach Angaben der Stiftung kamen rund 200 Pflanzenarten neu hinzu, darunter Weißdorn, Wildrosen, Frühblüher und der Große Wiesenknopf. Heimische Gewächse, die schon da waren, durften bleiben. Steine und Totholz sollen Insekten, Spinnen und Amphibien Unterschlupf bieten.
Auch der Mensch soll etwas davon haben. Die Außenflächen, auf denen die Beschäftigten ihre Pausen verbringen, sind Teil des Konzepts. Die Hamburger Umweltbehörde weist darauf hin, dass auf unversiegeltem Boden Wasser einsickern kann und sich die Umgebung bei Hitze weniger aufheizt. „Außerdem senkt die Bepflanzung die Außentemperatur“, sagte Geschäftsführer Boris Breiding zum Projektstart. Seinem Team stellte er damals auch Beeren und Obst vom eigenen Gelände für das Folgejahr in Aussicht.
Viele Hände, geteilte Kosten Den Spatenstich setzte im November 2025 Umweltsenatorin Katharina Fegebank, die dabei eine Weinrebe pflanzte, passenderweise der Sorte „Katharina“. Beim Einpflanzen packten die meisten Mitarbeitenden selbst an, auch ein Team der Haspa half und spendete eine Eberesche. Die Vermieterin des Geländes beteiligt sich laut Breiding an den Kosten und kommt auch künftig für die Pflege auf. Für die Finanzierung nutzten die Elbtischler über die Haspa außerdem Mittel aus dem KfW-Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz.
Ein Beispiel, das Schule machen soll Ein eigenes KfW-Modul für Unternehmen bot dafür je nach Betriebsgröße einen Tilgungszuschuss von 40 bis 60 Prozent, erläuterte Manfred Braasch, Leiter des Regionalbüros Natürlicher Klimaschutz in der Hamburger Umweltbehörde, zum Projektstart. Förderfähig waren etwa Biotope, Gebäudebegrünung und Entsiegelung. Wer jetzt nachziehen will, kann damit allerdings nicht mehr rechnen: Das Bundesumweltministerium hat diesen Zuschuss zum 31. Dezember 2025 eingestellt, bereits zugesagte Förderungen sind davon nicht betroffen.
Die Loki Schmidt Stiftung denkt über das einzelne Grundstück hinaus. „Wir hoffen, dass weitere Unternehmen dem Beispiel folgen“, sagte Projektleiterin Christine Stecker zum Projektstart. Ihr Ziel ist ein Netz von Biotopen, das wandernden Tieren hilft. Eine einzelne Grünfläche kann das nicht leisten, und wie sich die Tierwelt am Jacobsenweg entwickelt, wird sich erst zeigen. Die Stiftung selbst nennt den bisherigen Umbau eine erste große Maßnahme.
Themen: Hamburg, Stellingen, Entsiegelung, Biodiversität, Loki Schmidt Stiftung, Kooperation NATUR, Gewerbegebiet, Stadtnatur
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