Umwelt | Natur | Klima | Tier
Wie die Atmosphäre unsere Erde formt – und sogar den Amazonas düngt
Luft ist weit mehr als Sauerstoff und Wind: Sie formt Landschaften, bewegt Wasser und transportiert Nährstoffe über ganze Ozeane. Selbst der Amazonas profitiert von einem erstaunlichen Geschenk aus der Sahara.
Von Ulrike ·
Die unsichtbare Kraft, die unsere Erde formt Wir sehen sie nicht – doch über unseren Köpfen arbeitet eine gigantische globale Transportmaschine. Luft bewegt Wasser, Sand, Mineralien und winzige Schwebteilchen über Kontinente hinweg. Dabei verändert sie Landschaften, beeinflusst Wolken und verbindet weit entfernte Ökosysteme miteinander.
Besonders sichtbar wird das, wenn Saharastaub den Himmel über Europa milchig färbt oder sich nach einem Regenschauer als rötlicher Film auf Autos und Fenstern absetzt. Der sogenannte „Blutregen“ ist kein mystisches Ereignis: Feine mineralische Partikel werden von kräftigen Luftströmungen aus Nordafrika herangetragen und anschließend vom Regen ausgewaschen.
Wind kann jedoch weit mehr. Er trägt lockeres Material ab, schleift Gestein und lagert Sand oder feinen Löss an anderer Stelle wieder ab. Auf diese Weise entstehen Dünen, fruchtbare Böden und charakteristische Wüstenlandschaften. Die Atmosphäre wirkt damit wie eine Landschaftsarchitektin, die niemals Feierabend macht.
Ihre vielleicht erstaunlichste Lieferung führt über den Atlantik. Aus NASA-Satellitendaten der Jahre 2007 bis 2013 errechneten Forschende, dass im Mittel rund 27,7 Millionen Tonnen afrikanischer Wüstenstaub pro Jahr im Amazonasbecken niedergingen. Darin steckten schätzungsweise 22.000 Tonnen Phosphor – ein lebenswichtiger Pflanzennährstoff. Diese Menge entsprach ungefähr dem Phosphorverlust, den das Gebiet durch Regen und Überschwemmungen erlitt.
Auch Wolken sind Teil dieses Zusammenspiels: Viele Aerosole dienen als winzige Kondensationskeime, an denen sich Wassertröpfchen bilden. Wie sie Niederschläge und Temperaturen beeinflussen, hängt jedoch von Art, Größe und Höhe der Partikel ab.
Wüstenstaub kann zugleich die Luftqualität verschlechtern und auf Schnee dessen Schmelze beschleunigen. Moderne Satelliten, Messnetze und Vorhersagemodelle helfen deshalb, Staubwolken frühzeitig zu erkennen. Sie zeigen uns vor allem eines: Die Atmosphäre ist keine leere Hülle, sondern ein empfindliches Netzwerk, das die Erde fortwährend gestaltet.
Wie die Atmosphäre unsere Erde formt – und sogar den Amazonas düngt