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Weniger gießen, mehr Licht: So kommen Zimmerpflanzen gut durch den Winter
Kurze Tage und trockene Heizungsluft setzen Monstera, Efeutute und Co. zu. Die gute Nachricht: Viele Pflanzen legen jetzt ohnehin eine Pause ein. Wer weniger gießt, Dünger weglässt und für Licht sorgt, bringt sie entspannt bis zum Frühjahr.
Von Tobias ·
Die Heizung läuft, gegen fünf wird es draußen dunkel, und auf der Fensterbank rollt der Gummibaum die Blätter ein? Für Zimmerpflanzen beginnt im November eine anspruchsvolle Zeit. Sie lässt sich aber erstaunlich gut meistern – und zwar oft mit weniger Aufwand statt mit mehr.
Der Grund: Viele unserer Zimmerpflanzen stammen aus tropischen und subtropischen Regionen. Seit der Tagundnachtgleiche im September wird das Licht weniger, und damit wachsen auch Grünpflanzen langsamer. Fachleute raten deshalb, den Pflanzen eine Ruhephase zu gönnen. Weniger Licht heißt: Sie brauchen auch weniger Wasser und weniger Wärme.
Licht ist jetzt das knappste Gut Wie groß der Unterschied ist, zeigt schon der Kalender: Zur Wintersonnenwende ist es selbst in München nur gut acht Stunden hell, im Norden Deutschlands noch deutlich kürzer. Dazu kommt die geringere Lichtstärke. Laut einem Pflegemerkblatt der Klostergärtnerei Maria Laach, das die Gartenakademie Rheinland-Pfalz bereitstellt, werden im Sommer bei strahlendem Sonnenschein 60.000 Lux und mehr gemessen, im Winter selbst unter besten Bedingungen höchstens ein Drittel davon. Verliert eine Pflanze deshalb einen Teil ihrer Blätter, ist das laut dem Merkblatt ganz normal.
Unser Auge täuscht dabei. Wir halten eine Zimmerecke oft noch für hell, obwohl sie für Pflanzen längst zu dunkel ist, erklärt das Pflanzenschutzamt Berlin – mit jedem Meter Abstand zum Fenster sinkt die Helligkeit deutlich. Nach Angaben der Stiftung Warentest reicht das Licht an trüben Tagen schon einen Meter hinter der Scheibe nicht mehr aus. Ein typisches Warnsignal sind lange, hellgrüne Triebe.
Was hilft:
Pflanzen näher ans Fenster rücken und Vorhänge tagsüber zur Seite ziehen. Wo das nicht reicht: spezielle Pflanzenleuchten statt gewöhnlicher Lampen. Blätter regelmäßig vom Staub befreien. Das Berliner Pflanzenschutzamt vergleicht die Staubschicht mit einer unerwünschten Sonnencreme, die gerade im Winter wertvolles Licht abschirmt. Kalte Zugluft meiden und Pflanzen nicht direkt neben die Heizung stellen – dort ist es zu warm und zu trocken. Gießen: Weniger ist mehr Der häufigste Winterfehler ist gut gemeint. Wer sieht, wie trocken die Heizungsluft ist, greift gern öfter zur Gießkanne. Doch die trockene Luft lässt sich nicht mit mehr Gießwasser ausgleichen, heißt es im Merkblatt aus Maria Laach – im Gegenteil: Weil die Fotosynthese stark gedrosselt ist, sinkt der Wasserbedarf merklich. Der Wurzelballen sollte gut abtrocknen können, sonst drohen Wurzelschäden. Auch das Berliner Pflanzenschutzamt warnt vor Wurzelfäule durch ein Zuviel an Wasser.
Als Faustregel nennt die Stiftung Warentest: erst gießen, wenn die obere Erdschicht trocken ist, und Wasser im Untersetzer oder Übertopf immer weggießen, damit sich keine Staunässe bildet. Ausgenommen von der Sparregel sind laut Stiftung Warentest Winterblüher wie Azaleen, Alpen- und Usambaraveilchen oder der Weihnachtsstern.
Und der Dünger? Darf Pause machen. Gedüngt wird nach Angaben des Pflanzenschutzamts Berlin nur in der Wachstumszeit von März bis September. Auch Umtopfen hat Zeit bis zum Frühjahr, wenn die Pflanzen wieder durchstarten.
Ein kühleres Zimmer kann ein Gewinn sein Ideal wäre für Zimmerpflanzen im Winter ein Wintergarten mit 12 bis 18 Grad, höchstens 20 Grad, so das Merkblatt. Die nächstbeste Lösung ist ein eher kühles Zimmer, etwa ein Gäste- oder Schlafzimmer oder ein heller Kellerraum. Im normal geheizten Wohnzimmer geht es auch – dann lohnt es sich, etwas gegen die trockene Luft zu tun.
Denn trockene Heizungsluft zeigt sich an den Blättern: Sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent, reagieren Pflanzen laut Stiftung Warentest mit eingerollten Blättern oder braunen Blattspitzen. Besprühen mit weichem, nicht zu kaltem Wasser hilft – aber nicht bei behaarten Blättern wie bei Begonien, Usambaraveilchen oder Zimmeraralien, die sonst faulen könnten. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nennt außerdem Verdunstungsschalen als Möglichkeit, die Luftfeuchte zu erhöhen.
Ein Blick auf die Blattunterseite lohnt sich Trockene Wärme mögen leider auch Schädlinge. Vor allem Spinnmilben, Schild- und Wollläuse treten bei trockener Heizungsluft vermehrt auf. Die Gemeine Spinnmilbe sitzt auf der Blattunterseite; ein Befall verrät sich durch feine, gelbliche Sprenkel auf den Blättern, später manchmal durch zarte Gespinste, beschreibt das Pflanzenschutzamt Berlin. Je früher man Schädlinge entdeckt, desto besser lassen sie sich in den Griff bekommen.
Bei Spinnmilben empfiehlt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter anderem, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, die Pflanzen abzuduschen und die Blätter mit einem weichen Schwamm zu reinigen. In geschlossenen Räumen können auch Nützlinge wie Raubmilben helfen. Befallene Pflanzen stellt man am besten erst einmal von den anderen weg.
Für alle ohne grünen Daumen Wer es sich ganz leicht machen will: Bogenhanf und Glücksfeder gelten laut Pflanzenschutzamt Berlin als besonders robust und begnügen sich mit sehr wenig Wasser, Licht und Dünger. Für Plätze mit weniger Licht nennt das Amt zum Beispiel Efeutute, Farne, Baumfreund, Einblatt und Kolbenfaden. Ein Tipp für den Pflanzenkauf in der kalten Jahreszeit: Kälteempfindliche Arten wie Glücksfeder, Orchideen, Weihnachtsstern oder Monstera sollten bei Außentemperaturen weit unter 10 Grad vor allem auf längeren Heimwegen gut eingepackt werden, etwa in mehrere Lagen Zeitungs- oder Packpapier.
Das Schöne an der Winterpflege ist also: Sie besteht vor allem aus Beobachten und Zurückhaltung. Wer seinen Pflanzen jetzt Ruhe, Licht und eine Gießpause gönnt, sieht im Frühjahr, wie sie wieder austreiben. Und wer unsicher ist, was einer Pflanze fehlt, findet Rat bei den Gartenakademien, Pflanzenschutzämtern und Landwirtschaftskammern der Länder.
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Weniger gießen, mehr Licht: So kommen Zimmerpflanzen gut durch den Winter