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Was wäre, wenn wir alle nach unserer inneren Uhr schlafen dürften? Ein Gedankenspiel
Eulen, Lerchen und der soziale Jetlag: Warum ein Leben im eigenen Takt guttun könnte – und wo es hakt.
Von Ulrike ·
Der Wecker klingelt, draußen ist es noch dunkel, und der Körper protestiert. Für viele Menschen ist das Alltag – vor allem für jene, deren innere Uhr einfach später tickt. Was aber wäre, wenn wir alle so schlafen dürften, wie es unser Körper eigentlich möchte? Ein Gedankenspiel mit erstaunlich realen Hintergründen. Lerchen und Eulen Die Einteilung in Lerchen und Eulen gibt es nach Angaben der Universität Tübingen schon seit über 100 Jahren. Lerchen werden früh wach und abends früh müde, Eulen kommen morgens schwer aus dem Bett, sind dafür aber abends und nachts lange fit. Für die meisten Menschen liegt die natürliche Schlafenszeit laut dem Wissensmagazin Quarks irgendwo zwischen 22 und 1 Uhr, bei sieben bis acht Stunden Schlaf – nur wenige schlafen früher oder später. Besonders spannend ist die Pubertät: Etwa ab zwölf, 13 Jahren werden Jugendliche den Tübinger Angaben zufolge rasant zu Abendtypen. Rund 20 Prozent gelten dann als ausgeprägte Eulen, weitere 20 bis 30 Prozent als deutliche Spättypen. Der wichtigste äußere Taktgeber bleibt dabei das Sonnenlicht – künstliches Licht und Bildschirme schieben die innere Uhr dagegen nach hinten. Der soziale Jetlag Weil Schule und Arbeit meist früh beginnen, leben viele Menschen gegen ihren eigenen Rhythmus. Am Wochenende holen sie dann Schlaf nach und gehen später ins Bett – Fachleute sprechen vom sozialen Jetlag. Schon bei Vorschulkindern beträgt der Unterschied zwischen Werktag und Wochenende nach Tübinger Angaben etwa 45 Minuten. Auch in der Schule zeigen sich Unterschiede: Laut der Universität Tübingen ergab eine Studie zum Abitur in Baden-Württemberg zwischen Eulen und Lerchen einen Unterschied von etwa einer halben Note. Das Gedankenspiel: Schlaf nach Wunsch Quarks hat genau dieses Szenario durchgespielt: Man stelle sich vor, eine neue EU-Vorgabe schaffe ein Recht auf selbstbestimmten Schlaf. Schulen böten unterschiedliche Startzeiten an, Beschäftigte könnten ihre Arbeitszeiten selbst wählen. Im besten Fall könnten sich Kinder und Jugendliche besser konzentrieren und bessere Noten erreichen, und Jung und Alt litten seltener unter Depressionen, Angststörungen oder körperlichen Erkrankungen. Jugendliche müssten wichtige Prüfungen nicht mehr zu einer Uhrzeit schreiben, zu der ihr Gehirn noch nicht voll leistungsfähig ist. Doch das Gedankenspiel hat auch Haken. Wenn jeder zu anderen Zeiten schläft und arbeitet, wird gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden schwieriger. Und manche Arbeit muss schlicht nachts erledigt werden: In Pflege, Rettungsdienst oder Feuerwehr braucht es weiterhin Menschen rund um die Uhr. Wie viele Menschen in Deutschland nachts arbeiten, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts: 2024 waren knapp 4,0 Millionen Erwerbstätige zumindest gelegentlich zwischen 23 und 6 Uhr im Einsatz – fast jeder zehnte (9,3 Prozent). Mehr Zeit im Bett heißt nicht automatisch guter Schlaf Auch wer schlafen darf, wann er will, schläft nicht zwangsläufig gut. Sorgen, Grübeln, Ein- und Durchschlafprobleme oder Atembeschwerden können die Nachtruhe trotzdem stören. Die innere Uhr ist ein wichtiger Baustein – aber eben nur einer. Was wir schon heute tun können Die gute Nachricht: Ein Stück Rücksicht auf den eigenen Rhythmus ist auch ohne neue Regeln möglich. Wer weiß, ob er eher Lerche oder Eule ist, kann seinen Alltag ein Stück weit danach ausrichten. Weil Sonnenlicht der stärkste Taktgeber der inneren Uhr ist und Bildschirme sie nach hinten verschieben, kann es helfen, morgens ans Tageslicht zu gehen und abends Handy und Tablet früher wegzulegen. Frühaufsteher, die mittags müde werden, können sich laut Quarks ein kurzes Nickerchen gönnen. Die eigene innere Uhr zu kennen, ist ein guter erster Schritt.
Themen: innere Uhr, Schlafrhythmus, selbstbestimmter Schlaf, Lerchen Eulen, sozialer Jetlag, Schlafqualität, Wohlbefinden
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