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Warum wir über Fischers Fritz stolpern: Ähnliche Laute konkurrieren im Kopf
Fischers Fritz bringt uns ins Stolpern, weil Laute beim Sprechen um denselben Platz konkurrieren, so eine bekannte Erklärung. Verhaspeln geht sogar lautlos im Kopf, wie Studien zeigen. Zum Tag der Zungenbrecher am Sonntag: was dabei passiert und warum es Spaß macht.
Von Silvia ·
Fünf Wörter, und schon wird es eng im Mund: „Fischers Fritz fischt frische Fische.“ Wer das ein paarmal schnell hintereinander sagt, landet früher oder später im Kauderwelsch. Dabei liegt es nicht nur an der Zunge. Das Stolpern beginnt oft schon in der Planung davor.
Passend dazu ist am Sonntag, dem 8. November, der Internationale Tag der Zungenbrecher. Ein kurioser Aktionstag, dessen Urheber nicht einmal die Sammler solcher Feiertage ausfindig machen konnten. Für einen langen Novemberabend ist er trotzdem ein guter Anlass.
Erst das Wort, dann der Plan, dann die Zunge Bevor wir etwas sagen, läuft nach den meisten Theorien eine Art Dreischritt ab: Ein Wort wird ausgewählt, seine Lautfolge wird geplant, und dann wird diese Folge in Bewegungen übersetzt, etwa von Zunge und Stimmlippen.
Eine bekannte Erklärung für das Stolpern stammt vom Sprachforscher Gary Dell aus den 1980er-Jahren. In seinem Modell sind Laute Knoten in einem Netzwerk, durch das sich Aktivierung ausbreitet. Ausgewählt wird, was am stärksten aktiviert ist. Laute, die in der Silbe an derselben Stelle stehen, konkurrieren dabei miteinander, Anfang gegen Anfang, Ende gegen Ende. Zungenbrecher setzen genau hier an. Bei Fischers Fritz ist das gut zu hören: Alle Wörter beginnen mit F, mal folgt ein i, mal ein r, dazu zischt es immer wieder „sch“. Untersucht wurde dieser Satz in den folgenden Versuchen allerdings nicht, sie liefen auf Englisch.
Stolpern geht auch ohne Zunge Dass das Problem nicht erst an der Zunge entsteht, legt ein Versuch von Gary Oppenheim und Gary Dell mit 48 Teilnehmenden nahe. Sie wiederholten kurze Zungenbrecher aus vier Wörtern, entweder laut oder nur im Kopf, und meldeten ihre Versprecher. Auch beim stillen Sprechen verhaspelten sie sich. In beiden Fällen entstanden häufiger echte Wörter als Fantasiewörter. Einen Unterschied gab es in diesem Versuch: Dass einander ähnliche Laute öfter miteinander verwechselt werden, zeigte sich nur beim lauten Sprechen. Eine Studie von 2011 fand diesen Effekt allerdings auch beim stillen Sprechen, über die Deutung wurde danach fachlich gestritten.
Beim Sprechen selbst lässt sich der Fehler sogar messen. Matthew Goldrick und Sheila Blumstein fanden in Tonaufnahmen von fünf Sprechern akustische Spuren des eigentlich geplanten Lauts: Wer statt eines k ein g sprach, erzeugte ein g, das sich messbar von einem korrekt gesprochenen unterschied. Der gewollte Laut schwingt also offenbar mit.
Eine Wortfolge, an der manche aufgaben Auch die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität war beteiligt, als ein Team um die MIT-Psychologin Stefanie Shattuck-Hufnagel 2013 auf einer Akustik-Fachtagung seine Versuche vorstellte. Freiwillige sprachen einfache Wortlisten wie „top cop“ und Sätze wie „the top cop saw a cop top“. Bei Wortlisten kamen t und k im Fehlerfall oft fast gleichzeitig, bei Sätzen eher mit einer kleinen Lücke dazwischen. Vielleicht liegt das am regelmäßigeren Rhythmus der Listen, sicher geklärt war das damals nicht.
Besonders hart traf es die Testpersonen bei „pad kid poured curd pulled cod“: Einige hörten einfach auf zu sprechen. Wer das zehnmal schnell schaffe, bekomme einen Preis, sagte die Forscherin. Der Aufwand hat einen ernsten Kern, denn Versprecher verraten, wie unsere Sprachplanung arbeitet.
Warum wir es trotzdem immer wieder versuchen Der Spaß hat laut der Aussprachetrainerin Maria Hasbolat handfeste Gründe: unsinnige, oft gereimte Sätze wiederholen wir gern, und wenn es endlich klappt, ist das ein schneller Erfolg. Nebenbei wird ein Laut geübt, ohne dass es sich nach Üben anfühlt. Eingesetzt werden Zungenbrecher ihr zufolge auch in der Logopädie und im Deutschunterricht. Ihr Rat: erst jeden Laut sauber sprechen, dann das Tempo steigern, und das regelmäßig.
Ein Sprachspiel ersetzt allerdings keine Behandlung. Wer sich um die eigene Aussprache oder die eines Kindes sorgt, lässt das am besten ärztlich oder logopädisch abklären. Für alle anderen gilt am Sonntag: Warmsprechen mit „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“, dann ist Fritz dran.
Themen: Zungenbrecher, Sprachwissenschaft, Versprecher, Sprachfehler, Gehirn, Logopädie, Tag der Zungenbrecher
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