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Warum macht uns Angst Spaß? Die erstaunliche Psychologie des Gruselns an Halloween
Warum lieben manche Horrorfilme, während andere wegschauen? Forschende zeigen, wann uns Angst Spaß macht – und warum.
Von Madalina ·
Halloween und Horrorfilme: Warum manche Menschen das Gruseln lieben – und andere nicht Ein verdächtiges Geräusch, eine knarrende Tür, plötzlich ein Schatten: Für manche ist das beste Unterhaltung, für andere der Moment zum Abschalten. Warum wir Angst so unterschiedlich erleben und was das Gruseln mit unserer Psyche macht, erklären spannende wissenschaftliche Untersuchungen.
Ein dunkler Flur, unheimliche Musik und die Gewissheit, dass gleich etwas passieren wird. Während sich die eine Person begeistert tiefer ins Sofa kuschelt, greift die andere bereits zur Fernbedienung. Gerade rund um Halloween zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen auf Grusel reagieren. Doch dahinter steckt mehr als persönlicher Filmgeschmack. Unser Gehirn kann Angst unter bestimmten Umständen sogar als Vergnügen erleben.
Wenn Angst genau die richtige Stärke hat Forschende der Universität Aarhus in Dänemark beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, warum Menschen freiwillig Situationen aufsuchen, die ihnen einen Schrecken einjagen. In einer Untersuchung statteten sie 110 Besucher einer Gruselattraktion mit Herzfrequenzmessgeräten aus.
Das bemerkenswerte Ergebnis: Am meisten Spaß hatten die Teilnehmer nicht bei möglichst großer Angst, sondern bei einem mittleren Maß an Schrecken. War die Erfahrung zu harmlos, fehlte die Spannung. Wurde sie zu intensiv, nahm das Vergnügen wieder ab.
Diesen Zusammenhang beschreiben Wissenschaftler als umgekehrt U-förmige Kurve. Entscheidend ist die persönliche Wohlfühlgrenze. Was für jemanden bereits ein Nervenkitzel ist, kann für andere noch völlig unspektakulär wirken.
Warum unser Kopf das Unheimliche unterschiedlich bewertet Auch unsere Einstellung gegenüber dem Unbekannten spielt eine wichtige Rolle. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung mit 1.029 Besuchern einer Horrorattraktion zeigte: Menschen, die Unsicherheit schwerer ertragen, erwarteten mehr unangenehme Gefühle und erlebten tatsächlich weniger Freude.
Interessanterweise überschätzten sie zugleich, wie stark bestimmte negative Gefühle ausfallen würden. Unsere Vorstellung davon, wie schlimm etwas werden könnte, stimmt also nicht immer mit dem späteren Erlebnis überein.
Eine weitere Studie mit 278 Teilnehmern zeigte, dass mehrdeutige Bilder besonders unheimlich wirken können, wenn Menschen Schwierigkeiten haben, unklare Situationen auszuhalten.
Manchmal genügt deshalb bereits eine halb geöffnete Tür, um uns mehr zu beunruhigen als ein sichtbar verkleidetes Monster. Die Fantasie übernimmt gewissermaßen die Regie.
Drei Arten von Gruselfans – welcher Typ bist du? Nicht einmal Menschen, die Horror lieben, tun das aus denselben Gründen. Forschende identifizierten in zwei Untersuchungen mit insgesamt 514 Teilnehmern drei charakteristische Gruppen.
Die sogenannten Adrenalin-Junkies genießen vor allem den unmittelbaren Nervenkitzel und die Aufregung. White Knucklers empfinden Angst nicht unbedingt als angenehm, schätzen aber die Herausforderung und das Gefühl, sie bewältigt zu haben. Die Dark Copers verbinden beides: Sie genießen den Schrecken und nehmen daraus nach eigener Einschätzung etwas für ihre persönliche Entwicklung mit.
Auch Neugier spielt eine Rolle. Eine Untersuchung mit 558 Menschen aus dem Jahr 2024 ergab, dass ein ausgeprägtes Interesse an ungewöhnlichen und bedrohlichen Themen mit größerer Freude an Horrorszenen zusammenhing.
Gemeinsam erschrecken verbindet – zumindest im Gefühl Gruseln ist außerdem häufig ein Gemeinschaftserlebnis. Eine 2026 veröffentlichte Studie mit 347 Besuchern einer Horrorattraktion untersuchte, was passiert, wenn Menschen gemeinsam Angst erleben.
Dabei zeigte sich, dass sich ihre Herzrhythmen während des Erlebnisses zeitweise synchronisierten. Besonders ausgeprägt war dies bei Personen, die einander bereits nahestanden.
Ob gemeinsames Gruseln Freundschaften tatsächlich stärkt, ist damit noch nicht bewiesen. Dass ein schauriger Abend Gesprächsstoff liefert, dürfte allerdings vielen bekannt vorkommen.
Die schönste Erkenntnis: Jeder darf sich anders gruseln Freiwillig erlebte Angst kann ein spannendes Spiel mit unseren Gefühlen sein. Wir erleben Nervenkitzel, obwohl wir wissen, dass uns hinter dem Bildschirm oder in einer inszenierten Geisterbahn keine wirkliche Gefahr droht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Horrorfilme grundsätzlich gesund sind oder jeder seine Angst überwinden muss. Entscheidend bleiben die eigenen Grenzen und das persönliche Wohlbefinden.
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz von Halloween: Die einen genießen schaurige Geschichten und Gänsehaut, andere lieber Kürbissuppe, Kerzenschein und einen gemütlichen Film. Und beide können einen wunderbaren Abend verbringen.
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Warum macht uns Angst Spaß? Die erstaunliche Psychologie des Gruselns an Halloween