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Warum Hände und Füße zuerst kalt werden – und was sie wärmt
Wenn es draußen frostig wird, frieren meist zuerst Finger und Zehen. Das ist kein Fehler, sondern Schutz: Der Körper hält seine Mitte warm und drosselt dafür die Durchblutung außen. Mit ein paar einfachen Kniffen kommt die Wärme zurück.
Von Ulrike ·
Anfang November ist es so weit: Die Tage werden kurz, die ersten Nächte frostig, und beim Warten auf den Bus oder beim Spaziergang im Nebel melden sich zuerst die Finger. Kurz darauf die Zehen. Der Rest des Körpers fühlt sich noch ganz behaglich an – nur die Enden nicht. Dahinter steckt keine Laune der Natur, sondern ein ziemlich kluges Notfallprogramm.
Der Körper heizt zuerst die Mitte Unser Körper hält seine Kerntemperatur bei rund 37 Grad, damit die Organe zuverlässig arbeiten können. Wird es kalt, setzt er Prioritäten: Gehirn, Herz und Lunge bekommen bevorzugt warmes Blut. Damit unterwegs möglichst wenig Wärme verloren geht, ziehen sich die Blutgefäße in der Haut und in Armen und Beinen zusammen. Das Blut fließt dort langsamer, Finger und Zehen werden schlechter versorgt als der Rumpf.
Hände und Füße sind ohnehin etwas kühler als der Rest des Körpers. Wenn die Durchblutung dort zusätzlich gedrosselt wird, merken wir das an diesen Stellen zuerst. Für den Körper ist das ein guter Tausch: lieber kalte Finger als eine auskühlende Körpermitte. Die Apotheken Umschau bringt es auf den Punkt: „Vorrang für den Körper hat es stets, das Zentrum zu schützen.“
Warum manche schneller frieren Wer häufiger kalte Hände und Füße hat, ist damit nicht allein – Frauen frieren an Händen und Füßen öfter als Männer. Ein Grund: Muskeln erzeugen Wärme und wirken im Körper wie eine Heizung, und Männer haben im Durchschnitt mehr davon. Außerdem haben Frauen im Verhältnis zur Körpermasse eine größere Oberfläche, über die Wärme verloren geht. Auch ein niedrigerer Blutdruck kann eine Rolle spielen. Ganz geklärt sind die Gründe allerdings nicht.
Zwei Dinge verstärken das Frösteln zusätzlich: Nässe und Enge. Feuchte Haut leitet Wärme nach außen ab, und die Verdunstungskälte lässt die Gefäße noch enger werden. Zu enge Schuhe drücken auf feine Blutgefäße und Nerven und bremsen so die Wärmezufuhr.
Fünf einfache Tricks gegen kalte Finger und Zehen Bewegen statt ausharren: Hände aneinanderreiben, Fäuste ballen, Handgelenke kreisen, Finger kneten. Für die Füße helfen Zehenspitzengang, Fersengang oder kleine Fußgymnastik. Spaziergänge und regelmäßiger Sport bringen die Durchblutung langfristig in Schwung. Trocken und locker bleiben: Wasserdichte Schuhe mit dicker Sohle, nasse Socken schnell wechseln, Füße gut abtrocknen. Schuhe, Handschuhe und Strümpfe sollten Platz lassen und nicht einschnüren – zu knappe Handschuhe kühlen eher aus. Warmes Fußbad mit Geduld: Mit etwa 35 Grad warmem Wasser beginnen und nach und nach wärmeres nachgießen, bis etwa 40 Grad erreicht sind. Nach rund 15 Minuten abtrocknen, warme Socken anziehen und eine halbe Stunde ruhen. Kleine Helfer nutzen: Wärmflasche, Kirschkernkissen, Wollsocken oder Einlagen aus Schafswolle helfen, wenn es draußen richtig kalt ist. Rauchfrei durch den Winter: Nikotin schadet der Durchblutung. Wer mit dem Rauchen aufhört, tut also auch seinen Händen und Füßen etwas Gutes. Wechselbäder fördern zwar die Durchblutung. Wer aber Diabetes, chronisch kalte Füße oder eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beine hat, sollte sich vorher ärztlich beraten lassen, welche Anwendung geeignet ist.
Wann ein Blick vom Arzt sinnvoll ist Kalte Hände und Füße im Winter sind in aller Regel harmlos und eine normale Reaktion auf die Kälte. Anders sieht es aus, wenn sie häufig auch bei milden oder warmen Temperaturen auftreten. Dann ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle – besonders, wenn Schmerzen, Krämpfe, Kribbeln, Schwellungen oder Hautveränderungen dazukommen. Dahinter können zum Beispiel Durchblutungsstörungen, eine Schilddrüsenunterfunktion oder das Raynaud-Syndrom stecken, bei dem die Finger anfallsartig weiß und später bläulich werden.
Wird ein Fuß oder Bein plötzlich kalt, schmerzt heftig und verfärbt sich blass oder bläulich, ist das ein Notfall: Dann sofort ärztliche Hilfe holen.
Für alle anderen gilt an den ersten frostigen Novembertagen: Die kalten Finger sind ein Zeichen, dass der Körper gut auf uns aufpasst. Ein bisschen Bewegung, trockene Socken und ein warmes Fußbad am Abend – und die Wärme findet ihren Weg zurück bis in die Zehenspitzen.
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