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Warum gute Freundschaften offenbar Körper und Psyche stärken
Eine globale Studie zeigt: Wer mit seinen Beziehungen zufrieden ist, berichtet auch von besserer Gesundheit.
Von Denise ·
Freundschaften stärken offenbar Körper und Psyche Es gibt Termine, die wir gewissenhaft in den Kalender schreiben: Sport, Vorsorge, vielleicht noch die jährliche Zahnkontrolle. Ein Kaffee mit einem guten Freund läuft dagegen gern unter „wenn Zeit ist“.
Dabei könnte genau diese Zeit erstaunlich wertvoll sein.
Eine neue internationale Untersuchung mit mehr als 200.000 Erwachsenen zeigt: Menschen, die mit ihren Freundschaften und sozialen Beziehungen besonders zufrieden sind, bewerten auch ihre psychische und körperliche Gesundheit besser. Der Zusammenhang zeigte sich über sehr unterschiedliche Länder und Kulturen hinweg.
Mehr als 200.000 Menschen, 22 Länder Für die Untersuchung wertete der Gesundheitswissenschaftler Veli Durmuş von der Kütahya Health Sciences University in der Türkei Daten von 204.907 Erwachsenen aus 22 Ländern aus – darunter Deutschland, Großbritannien, die USA, Brasilien, Indien, Japan, Australien, Ägypten, Nigeria und Südafrika.
Die Daten stammen aus der Global Flourishing Study , einem internationalen Langzeitprojekt, das untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen ein gesundes und erfülltes Leben führen. Insgesamt begleitet die Studie mehr als 200.000 Menschen auf allen bewohnten Kontinenten.
Die Teilnehmenden wurden unter anderem gefragt, wie zufrieden sie mit ihren Freundschaften und Beziehungen sind und wie sie ihre eigene körperliche sowie psychische Gesundheit einschätzen.
Das Ergebnis war auffällig konsistent: Je zufriedener Menschen mit ihren sozialen Beziehungen waren, desto besser bewerteten sie im Durchschnitt auch ihre Gesundheit.
Freundschaften können im Erwachsenenleben besonders wichtig werden Interessant ist dabei der Blick zurück in die Kindheit.
Auch Menschen, die ihre damalige Beziehung zu Mutter und Vater positiv beschrieben, berichteten später häufiger von besserer Gesundheit. Dieser Zusammenhang war jedoch schwächer als jener zwischen aktuellen Beziehungen und Gesundheit.
Das ist eine durchaus ermutigende Botschaft.
Unsere sozialen Karten sind nicht bereits in der Kindheit vollständig ausgeteilt. Freundschaften, Partnerschaften und andere enge Beziehungen können sich über Jahrzehnte verändern, neu entstehen oder an Bedeutung gewinnen.
Eine schwierige Kindheit bedeutet also nicht automatisch, dass soziale Nähe im Erwachsenenleben kaum noch möglich wäre. Die aktuelle Untersuchung zeigt vielmehr, dass die Beziehungen, die Menschen heute führen, eng mit ihrem gegenwärtigen Wohlbefinden verbunden sind.
Warum soziale Nähe dem Körper guttun könnte Dass Beziehungen und Gesundheit zusammenhängen, ist keine völlig neue Erkenntnis. Zahlreiche frühere Untersuchungen weisen darauf hin, dass soziale Verbundenheit mit psychischem Wohlbefinden, geringerem Stress und einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Sterblichkeit zusammenhängt. Eine große Meta-Analyse von 148 Studien fand bereits einen deutlichen Zusammenhang zwischen stärkeren sozialen Beziehungen und besseren Überlebenschancen.
Auch die Weltgesundheitsorganisation betrachtet soziale Verbundenheit inzwischen ausdrücklich als Gesundheitsfaktor. Ihr Bericht zur sozialen Verbindung kommt zu dem Schluss, dass gute soziale Beziehungen mit besserer Gesundheit und einer höheren Lebenserwartung verbunden sind, während Einsamkeit und soziale Isolation unter anderem mit Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kognitivem Abbau und vorzeitigem Tod zusammenhängen.
Wie genau dieser Effekt entsteht, dürfte mehrere Gründe haben.
Freunde können emotional unterstützen, in schwierigen Situationen Stress abfedern und uns dabei helfen, Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Gemeinsame Aktivitäten wiederum bringen Bewegung, Struktur und Abwechslung in den Alltag. Und manchmal genügt offenbar schon das Gefühl, mit Sorgen nicht allein zu sein.
Kurz gesagt: Ein gutes Gespräch ersetzt keine Medizin. Aber soziale Nähe gehört möglicherweise stärker zu einem gesunden Leben, als wir sie im Alltag behandeln.
Nicht die Zahl der Kontakte entscheidet allein Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass jeder möglichst viele Freunde sammeln sollte.
Die aktuelle Studie untersuchte vor allem, wie zufrieden Menschen mit ihren Freundschaften und Beziehungen waren. Damit geht es weniger um einen Wettbewerb um möglichst große Kontaktlisten als um die Qualität und persönliche Bedeutung sozialer Verbindungen.
Das dürfte manchem entgegenkommen, dessen Freundeskreis eher an einen kleinen Küchentisch als an einen Veranstaltungssaal passt.
Entscheidend scheint zu sein, ob Beziehungen als unterstützend, verlässlich und erfüllend erlebt werden.
Die Studie zeigt Zusammenhang – keinen Beweis für Ursache Bei aller positiven Aussagekraft gibt es eine wichtige wissenschaftliche Einschränkung.
Die aktuelle Untersuchung basiert auf Selbstauskünften und wertet zunächst Daten aus der ersten Erhebungswelle der Global Flourishing Study aus. Deshalb lässt sich nicht eindeutig sagen, in welche Richtung der Effekt verläuft.
Gute Beziehungen könnten die Gesundheit fördern. Ebenso könnten gesündere und psychisch stabilere Menschen leichter Beziehungen pflegen. Wahrscheinlich beeinflussen sich beide Seiten teilweise gegenseitig.
Gerade weil die Global Flourishing Study dieselben Menschen über mehrere Jahre erneut befragt, könnten kommende Auswertungen hier deutlich mehr Klarheit liefern.
Warum gute Freundschaften offenbar Körper und Psyche stärken