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Von 244 auf 11.327: Wie Jugend forscht seit 1966 junge Forschende findet
1966 machten 244 Jungen und Mädchen bei der ersten Runde von Jugend forscht mit. Für 2026 meldeten sich 11.327 junge Forschende an, 41 Prozent davon Mädchen. Ein Blick auf sechs Jahrzehnte, in denen aus Neugier eigene Projekte wurden.
Von Tobias ·
Am Anfang stand ein Aufruf in einer Zeitschrift. Im Dezember 1965 bat Henri Nannen, damals Chefredakteur des stern, junge Leute in Heft 51 seines Magazins, sich an einem neuen Wettbewerb zu beteiligen. Das Motto: „Wir suchen die Forscher von morgen!“
Die Antwort fiel zunächst bescheiden aus. 244 Jungen und Mädchen aus allen damals elf Bundesländern machten 1966 bei der ersten Runde mit. Das Finale fand im April in Hamburg statt. Ausgezeichnet wurden ein weiblicher und ein männlicher Sieger sowie die beste Arbeit einer Gruppe.
Sechs Jahrzehnte später sieht das anders aus: Für die 61. Runde 2026 meldeten sich 11.327 Kinder und Jugendliche an, mit zusammen 6.302 Forschungsprojekten. Und wer jetzt eine eigene Idee hat, kann noch einsteigen – die Anmeldung für die nächste Runde läuft bis zum 30. November 2026.
Vom Zeitschriftenaufruf zur festen Einrichtung Schon in den ersten Jahren wuchs der Wettbewerb in die Breite. Ab 1967 wurden die Arbeiten nach Fachgebieten bewertet, zunächst Biologie, Chemie, Mathematik und Physik. Technik kam 1968 dazu, Geo- und Raumwissenschaften 1969, Arbeitswelt 1975. Ebenfalls 1969 entstand mit „Schüler experimentieren“ eine eigene Sparte für Jüngere.
1975 wurde aus der Aktion einer Zeitschrift eine feste Einrichtung: Die Stiftung Jugend forscht wurde ein gemeinnütziger eingetragener Verein, und die Bundesregierung übernahm die Grundfinanzierung der Geschäftsstelle in Hamburg. Seit 1977 ist der Bundespräsident Schirmherr.
Manche Stationen klingen bis heute nach Abenteuer: Im Juni 1983 flogen fünf Jugend-forscht-Experimente mit der siebten Space-Shuttle-Mission ins All. 1991 fanden Wettbewerbe erstmals auch in allen neuen Bundesländern statt, im Mai folgte in Würzburg das erste gesamtdeutsche Bundesfinale.
Mehr als 350.000 junge Menschen Über die Jahrzehnte sind die Zahlen deutlich gewachsen. 2002 wurde die Marke von insgesamt 100.000 Anmeldungen seit Gründung überschritten. 2008 meldeten sich zum ersten Mal mehr als 10.000 junge Leute in einer einzigen Runde an. Inzwischen haben sich laut Stiftung mehr als 350.000 junge Menschen an Jugend forscht beteiligt.
Ehrlich gehört dazu: Der Weg verlief nicht nur nach oben. Den bisherigen Höchststand gab es 2014 mit 12.298 Anmeldungen. In der Corona-Zeit ging die Beteiligung 2021 und 2022 zurück. Danach ging es wieder aufwärts, mit einem leichten Minus von 1,4 Prozent im Jubiläumsjahr 2025. Für 2026 stiegen die Anmeldungen dann um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in elf Bundesländern gab es Zuwächse.
Gut vier von zehn sind Mädchen Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Jungforscherinnen. 2020 lag der Mädchenanteil erstmals seit Gründung über 40 Prozent, bei 40,3 Prozent. Zur Runde 2023 übersprang er zum ersten Mal die 41-Prozent-Marke. 2026 waren es 41,0 Prozent – laut Stiftung der zweithöchste Wert in der Geschichte des Wettbewerbs.
In absoluten Zahlen heißt das: 4.639 der 2026 angemeldeten Teilnehmenden sind Mädchen. Am beliebtesten waren in dieser Runde die Fachgebiete Biologie, Technik und Chemie.
Was aus den jungen Forschenden wird Ob ein Wettbewerb Lebenswege prägt, lässt sich schwer messen. Einen Hinweis gibt eine Auswertung, über die wissenschaft.de 2009 berichtete: Von den damals 445 Bundessiegerinnen und Bundessiegern hatten sich knapp 90 Prozent für ein mathematisches, natur- oder ingenieurwissenschaftliches Fach entschieden. Eine von ihnen ist die Physikerin Gisela Anton. Sie gewann 1975 den Bundeswettbewerb im Fach Physik und wurde später mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet.
Möglich machen das viele Ehrenamtliche. Mehr als 5.000 Lehrerinnen und Lehrer betreuen Projekte oder leiten Wettbewerbe, über 3.000 Fachleute aus Schulen, Hochschulen und Wirtschaft bewerten die Arbeiten ehrenamtlich. In jeder Runde finden bundesweit mehr als 130 Wettbewerbe statt.
So läuft es heute Mitmachen können Kinder und Jugendliche ab der 4. Klasse bis zum Alter von 21 Jahren, allein oder im Team zu zweit oder zu dritt. Das Thema suchen sie sich selbst aus, es muss nur zu einem der sieben Fachgebiete passen. Wer bis 14 Jahre alt ist, startet bei „Jugend forscht junior“, ab 15 Jahren in der Sparte „Jugend forscht“.
Nach der Anmeldung folgt bis Januar eine schriftliche Arbeit. Ab Februar stellen die Teilnehmenden ihre Projekte bei Regionalwettbewerben vor, danach geht es auf Landesebene weiter. Das Bundesfinale der nächsten Runde ist für Ende Mai 2027 geplant. Die Runde steht unter dem Motto „Wozu Zukunft? Finde deine Antwort.“
Was der Wettbewerb sucht, fasst die Stiftung knapp zusammen: Wer die Zukunft gestalten wolle, brauche junge Menschen mit Innovationsgeist und Problemlösungskompetenz. „Genau diese jungen Menschen findet und fördert unser Wettbewerb“, sagt Dr. Jessica Bönsch, Geschäftsführende Vorständin der Stiftung Jugend forscht. Aus 244 sind so über die Jahrzehnte Hunderttausende geworden.
Themen: Jugend forscht, Nachwuchsförderung, Wissenschaftswettbewerb, MINT-Förderung, Innovation, Schüler experimentieren
Von 244 auf 11.327: Wie Jugend forscht seit 1966 junge Forschende findet