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Vögel im Winter füttern: Was hilft und worauf du achten solltest
Ein Futterplatz vor dem Fenster bringt Meisen, Spatzen und Amseln ganz nah heran. Naturschutz- und Tierschutzverbände sagen klar, worauf es ankommt: saubere Futterstellen, passendes Futter ohne Salz und Brot – und ein Garten, der auch ohne Futterhaus Nahrung bietet.
Von Andre ·
Die Tage werden kürzer, morgens hängt Nebel über den Gärten, und die Nächte werden kälter. Jetzt wollen viele Menschen den Vögeln vor ihrer Haustür helfen und holen das Futterhaus hervor. Mehr als 20 Millionen Euro geben Vogelfreunde nach Angaben der Nürnberger Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) jedes Jahr für Vogelfutter aus. Die gute Nachricht: Wer ein paar einfache Regeln beachtet, tut den Vögeln damit nichts Schlechtes – und sich selbst etwas Gutes.
Wem das Futterhaus hilft – und wem nicht Ehrlich gesagt: Artenschutz ist die Winterfütterung kaum. Am Futterplatz tauchen vor allem Arten auf, die ohnehin häufig sind. Bei der Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ landen laut Landesbund für Vogelschutz (LBV) über die Jahre hinweg Kohlmeise, Feldsperling, Haussperling, Amsel und Blaumeise ganz vorne. Bedrohte Arten sind dagegen vor allem Insektenfresser und Langstreckenzieher, die ein Futterhaus nur in Ausnahmefällen erreicht. Seltene Vögel wie das Rebhuhn kommen in der Regel gar nicht erst in den Garten, betont der BN. „Nur Füttern hilft wenig“, sagt Wolfgang Dötsch, Biologe der BN-Kreisgruppe Nürnberg.
Trotzdem spricht nichts gegen eine sachgemäße Fütterung. Der LBV verweist auf eine Studie (Wilcoxen und Kollegen, 2015), nach der Vögel an Futterstellen unter anderem weniger Stresshormone, ein besseres Immunsystem und schnelleren Federwuchs zeigten. Ob ganze Bestände davon profitieren, ist dagegen schwer nachzuweisen; die Studien dazu kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen. Und es gibt einen Nutzen auf unserer Seite: Am Futterplatz lassen sich Vögel aus nächster Nähe beobachten. Das Umweltamt der Stadt Koblenz hebt hervor, dass gerade Kinder so Natur hautnah erleben und Arten kennenlernen.
Wann füttern? Auch darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Deutsche Tierschutzbund hält das Zufüttern vor allem bei Frost und Schnee für wichtig, wenn die Nahrungssuche schwer wird. Der LBV sieht auch eine Fütterung über das ganze Jahr als unbedenklich an, solange Hygiene und Futter stimmen – eine wissenschaftlich belegte Empfehlung dazu gebe es aber nicht. Gut zu wissen: Laut LBV ist das natürliche Nahrungsangebot im Spätsommer und Herbst am größten und gegen Ende des Winters am knappsten.
Was ins Futterhaus gehört Vögel haben unterschiedliche Vorlieben. Körnerfresser wie Finken und Spatzen mögen Sonnenblumenkerne, Hanf und andere Sämereien. Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Amsel und Zaunkönig nehmen lieber Haferflocken, Fett-Körner-Mischungen, Rosinen oder Obst. Meisen, Spechte und Kleiber greifen gern bei Fettfutter zu. Äpfel und Birnen bietest du am besten als ganze Frucht an, rät der Tierschutzbund – zerschnittenes Obst verdirbt schneller. Auch der LBV empfiehlt, Äpfel nicht in Stücken auszulegen. Wer verschiedene Futtersorten anbietet, lockt mehr Arten an.
Tabu ist alles Salzige. Brot sowie Wurst-, Schinken-, Speck- und Käsereste sind laut LBV ungeeignet, weil Salz den Organismus der Vögel durcheinanderbringt. Auch reines Fett wie Butter oder Margarine gehört nicht ins Futterhaus. Der Tierschutzbund nennt Brot, gewürzte Speisen und Essensreste „völlig ungeeignet“. Beim gekauften Futter lohnt ein genauer Blick: Billigmischungen enthalten oft Füllstoffe, die Vögel liegen lassen, und sehr günstige Meisenknödel laut BN auch Abfallfette und Backbrösel. Achte außerdem darauf, dass das Futter frei von Ambrosia-Samen ist – die allergieauslösende Pflanze wird über Vogelfutter verbreitet.
Meisenknödel gehören nicht ins Netz: Darin können sich Vögel verfangen, warnt der Tierschutzbund. Besser sind Knödel ohne Netz in einem Halter.
Sauberkeit ist das Wichtigste Wo viele Vögel zusammenkommen, können sich Krankheiten schneller ausbreiten. Der LBV nennt die Hygiene am Futterplatz deshalb den wichtigsten Punkt. Diese Regeln empfehlen die Verbände:
Futtersäulen statt offener Häuschen: Die Vögel sitzen dort nicht im Futter und verschmutzen es nicht mit Kot. Ein klassisches Futterhaus täglich ausfegen und regelmäßig mit heißem Wasser reinigen, ohne scharfe Putzmittel. Der Tierschutzbund rät zu mindestens einmal pro Woche. Lieber mehrere kleine Futterstellen als eine große. Nur so viel Futter auslegen, wie bis zur Dämmerung gefressen wird, und das Futter trocken halten. Die Futterstelle frei aufstellen, laut LBV am besten drei bis vier Meter von Gebüsch oder Bäumen entfernt – so können sich Katzen schlecht anschleichen. Findest du tote Vögel am Futterplatz, stellst du die Fütterung laut LBV sofort ein, reinigst und desinfizierst die Stelle und fasst tote Tiere nur mit Gummihandschuhen an. Zur Vogelgrippe gibt der LBV Entwarnung für den Garten: Nach seiner Einschätzung betrifft die Krankheit vor allem Wasser- und Hühnervögel, Singvögel spielen als Überträger keine Rolle. Einschränkungen bei der Gartenfütterung hält der Verband deshalb nicht für nötig.
Der beste Futterplatz ist ein lebendiger Garten Ganz gleich, ob mit oder ohne Futterhaus: Noch wichtiger ist nach Ansicht des BN ein naturnaher Garten mit dichten Hecken, Streuobst, naturnahen Stauden und Kräutern. Wer Karden, Disteln oder Sonnenblumen über den Winter stehen lässt, kann mit etwas Glück Stieglitze – auch Distelfinken genannt – beim Picken beobachten. In Stängeln, Blütenresten und Fruchtständen mit Samen finden Vögel laut Tierschutzbund im Winter Nahrung, in abgestorbenen Pflanzenteilen und Reisighaufen überwintern Insekten. Und eine flache Schale mit frischem Wasser nehmen Vögel auch im Winter gern an.
Wer seine Beobachtungen teilen möchte: Die nächste „Stunde der Wintervögel“ von NABU und LBV findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt. Eine Stunde lang zählen, melden – und dabei vielleicht entdecken, wie viel Leben im eigenen Garten steckt.
Themen: Vögel füttern, Winterfütterung, Vogelfutter, Futterhaus, Naturgarten, Tierschutz, Vogelbeobachtung
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