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Vincenzo Andronaco: Hamburger Feinkosthändler kam mit fünf Mark und ist jetzt Ritter der Arbeit
1983 verkaufte er Obst auf vier Quadratmetern am Bahnhof Barmbek. Jetzt hat ihn Italiens Präsident zum Ritter ernannt.
Von Michael Beier ·
Fünf Mark. Mehr hatte Vincenzo Andronaco nicht in der Tasche, als er am 18. Januar 1970 in Hamburg ankam, mitten im Winter, aus einem sizilianischen Dorf, in dem seine Eltern Zitrusfrüchte anbauten. Gut 56 Jahre später trägt er einen Titel, den Italien in diesem Jahr an genau 25 Unternehmerinnen und Unternehmer vergeben hat: Cavaliere del Lavoro, Ritter der Arbeit.
Staatspräsident Sergio Mattarella hat den Hamburger Feinkosthändler in diesem Jahr in den Kreis aufgenommen. Die Federazione Nazionale dei Cavalieri del Lavoro veröffentlichte die neuen Namen am 28. Mai in Rom. Andronaco, Jahrgang 1951, ist darin unter „Ausland (Deutschland)“ verzeichnet. Seine Insignien bekam der Jahrgang 2026 am 21. Oktober im Quirinalspalast überreicht, aus den Händen des Präsidenten. Laut t-online ist Andronaco erst der zweite Unternehmer, der für seine wirtschaftlichen Leistungen in Deutschland so geehrt wird.
Vom Bau an den Bahnhof Barmbek Andronaco stammt aus Alì bei Messina. Mit 18 ging er nach Deutschland. Unterkunft fand er zunächst bei einem Freund in Pinneberg, Arbeit für rund anderthalb Jahre in einer Aluminiumfabrik, danach auf dem Bau. „Ich wollte meine Eltern stolz machen“, sagt er über diese Zeit.
1983 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Am Bahnhof Barmbek eröffnete er einen Obst- und Gemüsestand, rund vier Quadratmeter groß. Vier Jahre später zog er auf den Hamburger Großmarkt, ab 1989 holte er Pasta, Wein und andere Spezialitäten direkt aus Italien. Im Jahr 2000 folgte ein eigener italienischer Großmarkt in Billbrook. Danach wurde es finanziell eng, doch Anfang 2002 stand das Unternehmen wieder stabil.
9.000 Produkte und 1.900 Weine Aus dem kleinen Stand ist ein Familienunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten geworden. Die Ritterschaft beschreibt die Gruppe Andronaco als Groß- und Einzelhändler für italienische Feinkost, der mehr als 9.000 Lebensmittel importiert, darunter rund 1.900 italienische Weine. In Deutschland betreibt sie demnach neun Verteilzentren mit zusammen 50.000 Quadratmetern Fläche sowie zehn Supermärkte und Bistros. Mit im Betrieb ist seit vielen Jahren Sohn Florian Andronaco, seit dem Frühjahr 2026 gehört außerdem Peter-Christian Brockelmann zur Geschäftsführung.
Ein Orden mit strengen Regeln Den Titel gibt es seit 1901. Vergeben wird er jedes Jahr zum Tag der Republik am 2. Juni, an Unternehmerinnen und Unternehmer aus Landwirtschaft, Industrie, Handel, Handwerk sowie Bank- und Versicherungswesen. Wer ihn bekommt, muss mindestens zwanzig Jahre lang eigenverantwortlich ein Unternehmen geführt und damit spürbar zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beigetragen haben. Auch der persönliche Lebenswandel zählt. Mit dem neuen Jahrgang gibt es laut Federazione derzeit 633 Cavalieri del Lavoro.
Im Jahrgang 2026 steht Andronaco neben Namen wie Gioconda Gritti, Gründerin des Drei-Sterne-Restaurants „Da Vittorio“ bei Bergamo.
Wo man Andronaco in Hamburg findet Wer sehen will, was aus dem Stand am Barmbeker Bahnhof geworden ist, muss nicht nach Italien fahren. In seiner Filialübersicht nennt das Unternehmen zwei Märkte in Hamburg, einen in Billbrook und einen in Bahrenfeld, beide mit Bistro. Weitere Filialen gibt es unter anderem in Lübeck, Hannover und Köln.
Themen: Vincenzo Andronaco, Cavaliere del Lavoro, Barmbek, Billbrook, Italienische Feinkost, Hamburger Unternehmer, Italien
Vincenzo Andronaco: Hamburger Feinkosthändler kam mit fünf Mark und ist jetzt Ritter der Arbeit