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Vergessene Nüsse, neue Bäume: Wie Eichhörnchen Wälder mitpflanzen
Gerade jetzt vergraben Eichhörnchen ihre Wintervorräte. Nicht jedes Versteck holen sie sich zurück – und aus den liegen gebliebenen Samen können im Frühjahr neue Bäume keimen. Was Studien dazu zeigen und wie Gärten den Tieren helfen.
Von Silvia ·
Wer in diesen Herbsttagen durch einen Park, einen Garten oder einen Wald geht, kennt die Szene: Ein Eichhörnchen flitzt über den Boden, scharrt kurz, drückt etwas in die Erde, klopft drüber und ist schon wieder weg. Es ist Vorratszeit. Laut Deutscher Wildtier Stiftung vergraben die Tiere im Herbst an vielen verschiedenen Stellen Samen, Nüsse oder Pilze. Eine Speisekammer im Kobel, ihrem kugeligen Nest, legen sie dagegen nicht an.
Der Grund für den Fleiß: Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Anders als andere Nager fressen sie sich auch keinen Winterspeck an, schreibt die Stiftung. Stattdessen nutzen sie im Winter eine kurze Aktivitätsphase von ein bis zwei Stunden, um Futter aus einem ihrer Verstecke zu holen.
Viele kleine Depots statt einer großen Vorratskammer Wie viele Verstecke ein einzelnes Tier anlegt, lässt sich schwer zählen. Der Naturschutzbund Österreich spricht von bis zu 10.000 Depots pro Winter. Klar ist das Prinzip: Die Tiere verteilen ihre Vorräte. In einer Studie in den italienischen Alpen enthielten die meisten Verstecke im Fichtenwald nur zwei bis sechs Samen. Am liebsten vergruben die Eichhörnchen sie in Laub und Moos.
Zum Wiederfinden setzen Eichhörnchen laut Deutscher Wildtier Stiftung auf ihre Nase und ihren Orientierungssinn. Sie merken sich nicht jedes einzelne Depot, wohl aber das Gebiet und ihr Versteckmuster. Trotzdem finden sie oft nicht alle Vorräte wieder.
Wie viel bleibt im Boden? Eine feste Zahl dafür gibt es nicht, und genau das ist spannend. Ein Forschungsteam untersuchte 2009 und 2010 zwei Bergwälder in den italienischen Alpen und veröffentlichte die Ergebnisse 2014 in der Fachzeitschrift „Hystrix“. Im Fichtenwald holten sich die Eichhörnchen 62 Prozent ihrer versteckten Zirbelkiefersamen zurück, im Zirbenwald nur 21 Prozent. Den Unterschied erklären die Forschenden vor allem damit, dass die Bäume im Zirbenwald mehr Zapfen trugen. Vereinfacht gesagt: Wo es reichlich Futter gab, blieb mehr im Boden liegen.
Diese Werte stammen aus zwei Wäldern und zwei Jahren. Auf jeden Stadtpark in Deutschland lassen sie sich nicht einfach übertragen. Sie zeigen aber, dass ungenutzte Vorräte kein seltener Ausrutscher sind, sondern je nach Lage einen großen Teil ausmachen können.
Eine zweite Studie aus einem Kiefernwald im Nordosten Chinas, 2013 in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ erschienen, beobachtete Eurasische Eichhörnchen über fünf Jahre. Ein Ergebnis: In schlechten Samenjahren verteilten die Tiere die Samen über größere Strecken, auch über den ursprünglichen Waldbestand hinaus.
Aus dem Versteck wird ein Baum Was im Boden bleibt, kann im Frühjahr keimen. Die Deutsche Wildtier Stiftung schreibt den Eichhörnchen deshalb eine wichtige ökologische Rolle beim Aufbau von Wäldern zu. Nicht aus jedem Samen wird ein Baum, und einen großen Teil ihrer Vorräte fressen die Tiere natürlich selbst. Doch weil sie ihre Verstecke über eine große Fläche verteilen, landen Samen auch abseits der Bäume, von denen sie stammen.
Die Beziehung funktioniert in beide Richtungen. Eichhörnchen brauchen alte Bäume, denn Bäume tragen erst ab einem gewissen Alter Samen: Waldkiefern nach etwa 10 bis 15 Jahren, Fichten nach etwa 30 bis 50 Jahren, so die Deutsche Wildtier Stiftung. In Jahren, in denen Fichte oder Buche viele Samen tragen, steigt auch die Zahl der Eichhörnchen deutlich an.
Gartentier des Jahres 2026 Auch in Deutschland sind die Kletterer beliebt: Bei der Abstimmung der Heinz Sielmann Stiftung wurde das Eichhörnchen zum Gartentier des Jahres 2026 gewählt, mit 4.435 von 13.055 Stimmen, knapp 34 Prozent. Nach 2011 ist es bereits das zweite Mal.
Wer den Tieren im eigenen Garten helfen will, kann laut Sielmann Stiftung einiges tun:
Nuss-, Eichen- und Haselbäume pflanzen, sie liefern im Herbst Futter alte Bäume mit Höhlen und dichtes Laubgehölz stehen lassen, als Unterschlupf Laubhaufen und Totholz liegen lassen, als Deckung vor Greifvögeln und Katzen auf Pestizide verzichten, denn sie dezimieren Insekten, die den Tieren als Eiweißquelle dienen Ein naturnaher Garten hilft dabei nicht nur dem Eichhörnchen. Er biete auch „vielen weiteren Tierarten wertvollen Lebensraum“, sagt Hannes Petrischak, Bereichsleiter Naturschutz und Naturerlebnis bei der Heinz Sielmann Stiftung. Und wer weiß: Vielleicht wächst aus einer vergessenen Haselnuss im Beet in ein paar Jahren ein neuer Strauch.
Themen: Eichhörnchen, Waldaufforstung, Bäume pflanzen, Naturschutz, Gartentier, Ökologie
Vergessene Nüsse, neue Bäume: Wie Eichhörnchen Wälder mitpflanzen