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Uni Hamburg: Zehn Prozent weniger Treibhausgase – und noch viel zu tun
Die Universität Hamburg hat 2024 rund zehn Prozent weniger Treibhausgase verursacht als im Vorjahr. Ihr neuer Nachhaltigkeitsbericht zeigt Fortschritte – und benennt offen die Baustellen.
Von Tobias ·
Eine Universität mit Tausenden Beschäftigten, Hörsälen, Laboren und Rechenzentren hinterlässt einen spürbaren ökologischen Fußabdruck. Wie groß er bei der Universität Hamburg ist und wie er sich entwickelt, legt die Hochschule in ihrem neuen Nachhaltigkeitsbericht offen, den sie am 19. Oktober 2026 vorgestellt hat. Die wichtigste Zahl darin ist eine gute Nachricht: 2024 hat die Universität rund zehn Prozent weniger Treibhausgase verursacht als im Jahr davor.
Konkret sanken die marktbasierten Emissionen, bei denen der eingekaufte Ökostrom als emissionsfrei zählt, um 5.491 auf 51.354 Tonnen CO₂-Äquivalente. Rechnet man stattdessen mit dem deutschen Strommix, ergibt sich ein Minus von sieben Prozent. Der rund 90 Seiten starke Bericht umfasst die Jahre 2019 bis 2024. Gesetzlich verpflichtet ist die Universität zu einem solchen Bericht nicht. Sie orientiert sich trotzdem freiwillig an den europäischen Standards für Nachhaltigkeitsberichte, den sogenannten ESRS.
Woher der Rückgang kommt Als Gründe nennt die Universität vor allem drei Bereiche. Eingekaufte Waren und Dienstleistungen verursachten 13 Prozent weniger Treibhausgase als 2023. Beim Pendeln von Beschäftigten und Studierenden ging der Wert sogar um 22 Prozent zurück. Die Emissionen aus der Fernwärme sanken um neun Prozent – laut Bericht allerdings maßgeblich deshalb, weil die gelieferte Fernwärme pro Kilowattstunde klimafreundlicher geworden ist. Der gesamte Energieverbrauch stieg 2024 sogar leicht, um rund ein Prozent. Gegenüber 2019 liegt er etwa vier Prozent niedriger.
Beim Strom ist die Uni schon weit: Er stammt über einen Liefervertrag der Stadt vollständig aus erneuerbaren Quellen, 2024 zu 77 Prozent aus Windkraft an Land und zu 23 Prozent aus Wasserkraft.
Solardach, Abwärme und rund 750 Radstellplätze Hinter den Zahlen stehen viele einzelne Schritte. Auf dem Dach des Center for Hybrid Nanostructures in der Science City Hamburg-Bahrenfeld ging 2024 eine Photovoltaikanlage mit rund 750 Quadratmetern Fläche und knapp 160 Kilowatt Spitzenleistung in Betrieb. Die Dächer von 56 Uni-Gebäuden wurden auf ihre Eignung für Solarstrom geprüft, im Auftrag der Wissenschaftsbehörde und finanziert aus Mitteln des Hamburger Klimaplans.
Schon seit 2019 nutzt die Universität die Abwärme des Großrechners des Deutschen Klimarechenzentrums, um damit die Lüftung zweier Chemie-Gebäude vorzuwärmen. Das spart nach Angaben der Uni rund 4.000 Megawattstunden Fernwärme im Jahr. Für Radfahrende kamen 2024 Bügel für etwa 750 Stellplätze hinzu, vor allem an der Bundesstraße, am Martin-Luther-King-Platz und am Von-Melle-Park, dazu zwei Reparaturstationen.
Blühwiesen und Wildstauden auf dem Campus Der Bericht blickt nicht nur aufs Klima. Die Artenvielfalt auf dem Campus ist zu einem eigenen Arbeitsfeld geworden, seit 2023 gibt es dafür eine Biodiversitätsmanagerin. Eine 2024 von Studierenden ehrenamtlich gegründete Arbeitsgruppe hat gemeinsam mit ihr Blühwiesen angelegt und am Von-Melle-Park eine Trockenmauer gebaut. Am Campus Sportpark wurde eine Fläche entsiegelt und in ein Beet mit Wildstauden verwandelt. Bei einem Workshop auf dem Uni-Sommerfest 2024 entstanden gemeinsam mit der Loki-Schmidt-Stiftung 150 Vogelkästen.
Auch in Forschung und Lehre ist das Thema angekommen. 2024 hatten 35 Prozent aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen und 69 Prozent der Studiengänge einen Bezug zur Nachhaltigkeit. Der Anteil der Professorinnen stieg auf 38,1 Prozent, nach 36,9 Prozent im Vorjahr.
Der Weg bleibt lang Die Universität selbst nennt ihre Klimaziele ambitioniert. Bis 2030 will sie bei ihren direkten Emissionen und bei der eingekauften Energie auf null kommen, ausdrücklich ohne Ausgleichszahlungen. 2024 lagen diese beiden Bereiche zusammen noch bei gut 16.000 Tonnen. Bis 2045 sollen auch alle übrigen Emissionen, etwa aus Einkauf, Reisen und Pendeln, neutral sein. Weil Hamburg sein Klimaschutzgesetz mit dem „Hamburger Zukunftsentscheid“ im November 2025 geändert hat, will die Uni ihre Klimastrategie zudem überprüfen und weiterentwickeln.
Zur ehrlichen Bilanz gehören auch Einschränkungen. Das Universitätsklinikum Eppendorf und die Medizinische Fakultät sind in der Klimabilanz nicht enthalten. Eingekaufte Dienstleistungen zählt die Uni erst seit 2023 mit, 2024 machten sie 7.197 Tonnen aus. Die Gesamtbilanz liegt damit noch über dem Wert des Basisjahres 2019 von 47.572 Tonnen, in dem Dienstleistungen nicht erfasst waren; ob sie rückwirkend eingerechnet werden, prüft die Universität derzeit. Extern geprüft wurde der Bericht nicht. Und er korrigiert offen eine frühere Angabe: Noch nicht alle Gebäude verfügen über eine Mülltrennung vor Ort.
Uni-Präsident Hauke Heekeren sagt, der Bericht zeige offen, wo die Universität Fortschritte erziele – „und wo wir noch besser werden müssen“. Für Laura Marie Edinger-Schons, Chief Sustainability Officer der Universität, ist Nachhaltigkeit „kein einzelnes Projekt, sondern ein langfristiger Transformationsprozess“. Der Bericht ist als barrierefreies PDF auf der Website der Universität abrufbar.
Themen: Nachhaltigkeitsbericht, Uni Hamburg, Klimaschutz, Treibhausgase, Umweltschutz, Bildung, Nachhaltigkeit
Uni Hamburg: Zehn Prozent weniger Treibhausgase – und noch viel zu tun