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Umweltindex 2026: 144 Länder machen messbare Fortschritte – Deutschland auf Platz 6
Eine neue weltweite Umweltbilanz zeigt ein differenziertes, aber ermutigendes Bild: In mehr als vier von fünf untersuchten Staaten haben sich die Ergebnisse innerhalb eines Jahrzehnts verbessert. Europa dominiert die Spitzengruppe, Deutschland erreicht Platz sechs – und auch Länder mit deutlich geringeren finanziellen Möglichkeiten beweisen, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht zwangsläufig zulasten der Natur gehen muss.
Von Tobias ·
Umweltindex 2026: In mehr als 80 Prozent der Länder sind Fortschritte messbar Umweltpolitik wirkt nicht immer sofort. Neue Abwasseranlagen, sauberere Kraftwerke, strengere Grenzwerte oder größere Schutzgebiete verändern ein Land häufig erst über Jahre. Der neue Environmental Performance Index 2026 , kurz EPI, macht solche Entwicklungen sichtbar – und liefert trotz aller ungelösten Probleme einen bemerkenswerten Befund.
Eine Auswertung der offiziellen Ergebnisdaten zeigt: 144 der 177 untersuchten Staaten haben ihren Umweltwert gegenüber dem mit derselben Methodik berechneten Stand von vor etwa zehn Jahren verbessert. Das entspricht gut 81 Prozent. Nur 33 Länder verzeichnen eine negative Entwicklung. Es handelt sich damit nicht um vereinzelte Erfolgsgeschichten, sondern um einen breiten, wenn auch sehr unterschiedlich starken Fortschritt.
Der EPI wird von Forschenden der Yale University und der Columbia University erstellt. Er bewertet 177 Länder anhand von 47 Indikatoren in zwölf Themenbereichen . Dazu gehören unter anderem Luftqualität, Trinkwasser, Abfallwirtschaft, Biodiversität, Fischerei, Wälder, Landwirtschaft und Klimaschutz. Zusammengefasst werden diese Daten in den drei großen Bereichen Umweltgesundheit, Vitalität der Ökosysteme und Klimawandel.
Europa belegt 19 der ersten 20 Plätze An der Spitze des Rankings steht Estland mit 74,79 Punkten. Dahinter folgen Luxemburg, das Vereinigte Königreich, Finnland und die Niederlande. Deutschland erreicht mit 69,93 Punkten den sechsten Platz – noch vor Frankreich, Norwegen und Schweden. Mit Japan auf Rang 16 befindet sich nur ein einziges außereuropäisches Land unter den ersten 20.
Europas starke Position lässt sich nach Einschätzung der Forschenden vor allem mit vergleichsweise strengen Umweltvorschriften, Investitionen in öffentliche Infrastruktur und dem Ausbau erneuerbarer Energien erklären. Wohlhabende Staaten verfügen zudem häufiger über funktionierende Abwasser- und Abfallsysteme, leistungsfähige Behörden und ausreichend Geld für die Kontrolle von Umweltstandards.
Doch Wohlstand allein entscheidet nicht. Innerhalb vergleichbarer Einkommensgruppen schneiden einige Länder erheblich besser ab als andere. Gute Institutionen, langfristige politische Planung und gezielte Investitionen können demnach auch dort Fortschritte ermöglichen, wo die finanziellen Spielräume begrenzt sind.
Wie Estland an die Spitze gelangte Estlands Aufstieg ist vor allem das Ergebnis eines tiefgreifenden Umbaus seiner Energieversorgung. Das Land war lange stark vom besonders emissionsintensiven Ölschiefer abhängig. Nach der Stilllegung mehrerer Ölschieferkraftwerke im Jahr 2019 gingen die Treibhausgasemissionen kurzfristig um rund 40 Prozent zurück. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung erneuerbarer Energien.
Diese einmalige Reduktion erklärt einen großen Teil des estnischen Vorsprungs. Der Index zeigt für das Land eine Verbesserung um 23,22 Punkte innerhalb eines Jahrzehnts – den höchsten Wert aller untersuchten Staaten. Estland erzielt außerdem starke Ergebnisse beim Schutz von Lebensräumen und Ökosystemen. Die Forschenden warnen allerdings, dass weitere Fortschritte schwieriger werden: Nach großen Kraftwerksstilllegungen müssen nun viele kleinere Emissionsquellen dauerhaft reduziert werden.
Deutschland punktet bei Abfall und Klimaschutz Deutschland verbessert sich nach der aktuellen EPI-Berechnung innerhalb von zehn Jahren um 8,47 Punkte. Besonders gut bewertet werden die Abfallwirtschaft, bei der Deutschland gemeinsam mit weiteren Staaten den Spitzenwert erreicht, sowie der Klimabereich mit Rang fünf. Bei Biodiversität und Lebensräumen liegt Deutschland auf Platz neun.
Das gute Gesamtergebnis verdeckt jedoch Schwachstellen. Beim Verlust von Baumbestand und bei der ökologischen Entwicklung von Wäldern fällt Deutschland im Index weit zurück. Auch einzelne Indikatoren zur Qualität und Widerstandsfähigkeit von Lebensräumen entwickeln sich negativ. Der sechste Platz ist deshalb kein Zeugnis ökologischer Vollkommenheit, sondern das Ergebnis einer Gesamtbewertung sehr unterschiedlicher Bereiche.
Entwicklung muss nicht automatisch mehr Umweltzerstörung bedeuten Besonders interessant sind Länder, die im Verhältnis zu ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten überdurchschnittlich abschneiden. Botswana erreicht weltweit Platz 38 und liegt damit an der Spitze der Region Subsahara-Afrika. Innerhalb eines Jahrzehnts steigt sein EPI-Wert um 8,61 Punkte. Das Land erzielt damit ein deutlich besseres Ergebnis als der regionale Durchschnitt.
Costa Rica landet auf Platz 45 und erreicht in Lateinamerika und der Karibik den zweiten Rang. Beim Schutz von Biodiversität und Lebensräumen gehört das Land sogar zur weltweiten Spitzengruppe. Die EPI-Forschenden nennen Botswana und Costa Rica deshalb als Beispiele dafür, dass wirtschaftliche Entwicklung und vergleichsweise gute Umweltresultate gleichzeitig möglich sind.
Der oft verwendete Begriff „Schwellenländer“ ist dabei allerdings nicht für beide Staaten präzise. Botswana zählt die Weltbank aktuell zu den Ländern mit oberem mittlerem Einkommen. Costa Rica wurde zum 1. Juli 2026 bereits als Hocheinkommensland eingestuft. Zudem ist der Wachstumserfolg Botswanas langfristig zu verstehen: Nach Jahrzehnten kräftiger Entwicklung schrumpfte seine Wirtschaft 2024 um 3,1 Prozent. Der Index beschreibt daher keine gleichmäßige Erfolgskurve, sondern die Möglichkeit, Wachstum und Umweltschutz über längere Zeiträume besser miteinander zu verbinden.
Auch niedrige Platzierungen können Fortschritte verbergen China zeigt, warum nicht nur der Rang betrachtet werden sollte. Das Land liegt zwar lediglich auf Platz 129, verbessert seinen Umweltwert innerhalb eines Jahrzehnts aber um 10,1 Punkte. Fortschritte gibt es unter anderem bei häuslicher Luftverschmutzung, Sanitärversorgung und Abfallmanagement.
Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von Kohle ein schwerwiegendes Hindernis. Nach den im EPI verwendeten Daten stammen noch 56 Prozent des chinesischen Stroms aus Kohlekraftwerken. Investitionen in Solarenergie, Elektrofahrzeuge und Batterietechnik reichen deshalb bislang nicht aus, um die schlechte Klimabilanz vollständig auszugleichen.
Künstliche Intelligenz macht Umweltveränderungen sichtbar Der neue Index misst nicht nur mehr Länder, sondern auch mehr bisher schwer erfassbare Umweltbereiche. Mehr als die Hälfte der 47 Indikatoren nutzt inzwischen KI-gestützte Verfahren , beispielsweise zur Auswertung von Satellitenbildern.
Neu hinzugekommen ist ein weltweiter Indikator für Grasland. Solche Ökosysteme bedecken große Flächen, waren bislang jedoch schwieriger zu überwachen als Wälder. Die verwendeten Daten des Forschungsverbunds Global Pasture Watch deuten darauf hin, dass etwa die Hälfte der weltweiten Graslandschaften bereits geschädigt ist. Durch bessere Satellitendaten können Regierungen künftig genauer erkennen, wo Weideflächen, Savannen und andere offene Landschaften verloren gehen.
Fortschritt ist noch keine Entwarnung So erfreulich die Verbesserungen vieler Länder sind: Der Index zeigt zugleich, wie weit die Welt von zentralen Umweltzielen entfernt bleibt. Nur wenige Staaten befinden sich auf einem glaubwürdigen Pfad zu Netto-Null-Emissionen bis 2050. In Europa gehört vor allem die Landwirtschaft zu den Schwachstellen – etwa wegen hoher Stickstoffüberschüsse, Pestizidrisiken und ineffizienter Flächennutzung.
Auch Rankings zwischen verschiedenen EPI-Ausgaben dürfen nicht direkt miteinander verglichen werden. Datensätze, Gewichtungen und Methoden werden regelmäßig verändert. Die Zehnjahresentwicklung im aktuellen Bericht wurde deshalb rückwirkend mit der Methodik von 2026 berechnet. Ein Land, das gegenüber der Ausgabe von 2024 Plätze verliert, muss sich in der Realität nicht zwangsläufig verschlechtert haben.
Hinzu kommt, dass reiche Länder einen Teil ihrer emissionsintensiven Produktion und ihrer Abfälle ins Ausland verlagern. Ein guter EPI-Platz bedeutet daher nicht automatisch, dass der gesamte konsumbezogene ökologische Fußabdruck eines Landes gering ist. Genau deshalb sollte der Index weniger als Siegerehrung und stärker als Diagnoseinstrument verstanden werden.
Die wichtigste positive Botschaft lautet dennoch: Umweltzerstörung ist kein unveränderliches Schicksal. Saubere Energie, funktionierende Abfallsysteme, bessere Wasserversorgung, Schutzgebiete und konsequente Umweltgesetze erzeugen messbare Ergebnisse. Fortschritt ist möglich – vorausgesetzt, er wird politisch organisiert, wissenschaftlich überprüft und dauerhaft weitergeführt.
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Umweltindex 2026: 144 Länder machen messbare Fortschritte – Deutschland auf Platz 6