Politik | Wirtschaft | Finanzen
Trotz Zöllen: Deutsche Firmen in den USA blicken wieder optimistisch auf ihre Geschäfte
Eine Umfrage unter 99 Unternehmen zeigt: Die Stimmung hellt sich deutlich auf. Die Handelspolitik bleibt ein Risiko.
Von Max ·
Zolldrohungen, Hin und Her, immer neue Spielregeln: Deutsche Unternehmen in den USA hatten zuletzt wenig Anlass zur Gelassenheit. Umso bemerkenswerter ist das Stimmungsbild, das die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) am 4. November vorgelegt hat. 64 Prozent der befragten Firmen nennen ihre Geschäftslage gut, nur 5 Prozent schlecht. Und 59 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit besseren Geschäften. Schlechtere erwarten ebenfalls nur 5 Prozent.
Ein Stimmungsbild mit kleiner Basis Eines gleich vorweg: Die Zahlen sind eine Momentaufnahme. Vom 5. bis 23. Oktober, also noch vor den US-Zwischenwahlen, haben 99 Unternehmen in den USA geantwortet. Ein Prozentpunkt steht damit ungefähr für eine einzige Firma. Die Umfrage richtet sich an Mitglieder der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) und umfasst neben deutschen Firmen und ihren Töchtern auch Unternehmen mit engem Deutschlandbezug. Die Auswertung stammt von der DIHK selbst – die Wirtschaft spricht hier also auch ein Stück weit über sich. Und erfasst sind Einschätzungen und Pläne, keine Bilanzen.
Die Richtung ist trotzdem deutlich. Die DIHK rechnet mit einem Saldo: dem Anteil der positiven Antworten abzüglich der negativen. Bei der Geschäftslage stieg dieser Wert seit dem Frühjahr von 31 auf 59 Punkte, bei den Geschäftserwartungen von 31 auf 54. Beide liegen damit über ihrem langjährigen Durchschnitt. Am kräftigsten drehte der Blick auf die US-Konjunktur: von minus 6 auf plus 29 Punkte. Laut DIHK ist das der erste Wert seit Donald Trumps Rückkehr ins Amt, der spürbar über dem langjährigen Mittel von 19 Punkten liegt.
Was die Laune hebt Ein Grund ist die US-Wirtschaft selbst: Dem Bericht zufolge stützen sie vor allem hohe Investitionen, besonders in der Technologiebranche, und ein stabiler Privatkonsum. Ein zweiter ist mehr Klarheit im Handelsstreit. Im Juli 2025 einigten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im schottischen Turnberry auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte. Im Gegenzug senkt die EU ihre Einfuhrzölle auf die meisten US-Industrieprodukte auf null, die entsprechenden EU-Regeln gelten seit dem 1. Juli 2026. Laut DIHK verbinden die Firmen mit dem Abkommen mehr Planungssicherheit.
Dazu kommt, dass sich viele Unternehmen schlicht angepasst haben. 39 Prozent erhöhen wegen der Zölle ihre Preise – einen Teil der Rechnung zahlen also die Kunden. 39 Prozent fordern außerdem bereits gezahlte Zölle zurück, nachdem das Oberste Gericht der USA einen Teil der Zölle für unzulässig erklärt hatte.
Einstellen statt einpacken Aus der besseren Stimmung folgen konkrete Absichten: 48 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten zusätzliches Personal einstellen, 12 Prozent rechnen mit weniger Beschäftigten. 41 Prozent planen höhere Investitionen, 16 Prozent geringere. Hier fällt der Fortschritt allerdings kleiner aus: Der Saldo stieg nur von 23 auf 25 Punkte und liegt knapp über dem Durchschnitt. Kein einziges der befragten Unternehmen will die USA verlassen, nur 2 Prozent wollen ihr US-Geschäft verkleinern.
Ob den Plänen auch Geld folgt, muss sich noch zeigen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Bundesbank-Daten flossen im ersten Halbjahr 2026 nur rund 4,3 Milliarden Euro an deutschen Direktinvestitionen in die USA, 65 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Solche Werte werden häufig nachträglich korrigiert, und einzelne Großgeschäfte können sie verzerren. Sie liegen zudem zeitlich vor der Umfrage. Ein Dämpfer für allzu große Euphorie bleiben sie dennoch.
Der Haken: Die Risiken bleiben Auf die Frage nach den größten Geschäftsrisiken nennen 51 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den USA, 2023 waren es 34 Prozent. 47 Prozent sehen Handelsbarrieren als Risiko. Das sind zwar weniger als im Frühjahr, aber fast viermal so viele wie 2023. Mit 39 Prozent folgt der Fachkräftemangel. Und nicht alles ist geregelt: Für die teils 50-prozentigen US-Zölle auf Stahl und Aluminium gab es laut dem Industrieverband BDI im August weiterhin keine Lösung.
Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der DIHK, bringt die Lage auf eine knappe Formel: „Die Geschäfte laufen gut – nicht wegen der Zölle, sondern trotz ihnen.“ Viel Entlastung durch die Zwischenwahlen erwartet sie nicht: „Der Kongress wechselt die Farbe, die Zuständigkeit bei der Handelspolitik bleibt im Weißen Haus.“ Von den USA fordert sie, die mit der EU vereinbarten Zollregeln vollständig umzusetzen.
Die gute Nachricht hat eine Kehrseite Für Deutschland ist das Ergebnis nicht nur erfreulich. 29 Prozent der Firmen planen, als Reaktion auf die US-Handelspolitik gezielt Investitionen in die USA zu verlagern, 27 Prozent richten ihre Lieferketten stärker auf amerikanische Zulieferer aus. „Was in den USA investiert wird, könnte hierzulande fehlen“, warnt Melnikov. Sie sieht die Politik in Deutschland am Zug: bei den hohen Energie- und Arbeitskosten, bei der Bürokratie und bei langwierigen Genehmigungen.
Das größere Bild folgt bald: Am 17. November wird die weltweite Auswertung offiziell vorgestellt, für die knapp 3.500 Antworten eingegangen sind.
Themen: Deutsche Firmen USA, Zölle, Handelspolitik, Geschäftslage, Investitionen, DIHK, Optimismus
Trotz Zöllen: Deutsche Firmen in den USA blicken wieder optimistisch auf ihre Geschäfte