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Taschengeld, Sparziel, In-App-Käufe: So lernen Kinder entspannt den Umgang mit Geld
Wie viel Taschengeld passt zu welchem Alter – und warum schon der Supermarkt ein gutes Klassenzimmer für Kinder ist.
Von Denise ·
Ein Klick, und das nächste Level im Lieblingsspiel ist freigeschaltet. Ein Wisch, und die Sneaker aus dem Werbeclip liegen im Warenkorb. Kinder und Jugendliche kommen heute früh mit Konsum in Berührung – über Onlineshops, In-App-Käufe und Werbung in sozialen Netzwerken. Die gute Nachricht: Den klugen Umgang mit Geld können sie lernen – und zwar am besten ganz nebenbei, im Familienalltag.
Darauf weist die SOS-Kinderdorf-Stiftung aus München rund um den Weltspartag am 30. Oktober hin. Sie hat praktische Tipps für Eltern zusammengestellt. Bei den Taschengeld-Richtwerten beruft sie sich auf das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das im Herbst 2025 eine aktualisierte Expertise zu Taschengeld und Gelderziehung vorgelegt hat.
Mehr als ein Sparschwein füttern „Sparen bedeutet weit mehr, als Geld für einen späteren Wunsch zurückzulegen“, sagt Tilman Bastin, Leiter der SOS-Kinderdorf-Stiftung. Wer spart, übt nach seinen Worten, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und dafür geradezustehen. Gerade weil Einkäufe, Abos und zugeschnittene Werbung im Netz oft nur einen Klick entfernt sind, hält er solche Erfahrungen für wichtiger denn je.
Ähnlich sieht es die Wissenschaft. Gelderziehung findet laut DJI vor allem in der Familie statt: durch das, was Erwachsene vorleben, durch Gespräche über Geld und durch eigenes Ausprobieren. Ein zentraler Baustein ist dabei das Taschengeld. „Der pädagogische Sinn liegt nicht im ‚Geld zum Ausgeben‘, sondern in wiederkehrenden Übungssituationen“, erklärt DJI-Forscherin Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier, Mitautorin der Expertise. Kinder lernen also, mit einem begrenzten Betrag zu planen und zwischen Wunsch und Notwendigem abzuwägen.
Fünf Tipps für den Familienalltag Früh mitmachen lassen: Schon Grundschulkinder können beim Einkaufen Preise vergleichen, zwischen zwei Produkten wählen oder kleine Beträge selbst an der Kasse bezahlen. Eltern können dabei erklären, warum das eine Produkt mehr kostet als das andere.
Verlässlich auszahlen: Taschengeld wirkt dann am besten, wenn es planbar ist. Nach dem Verständnis des DJI bekommen Kinder es regelmäßig und unaufgefordert – unabhängig davon, wie sie sich gerade verhalten. Über das Geld sollen sie frei verfügen dürfen, ohne dass Eltern jede Ausgabe bewerten.
Klein anfangen: Die Höhe sollte zum Alter passen. Ab etwa zehn Jahren kann eine monatliche statt einer wöchentlichen Auszahlung sinnvoll sein – dann teilen Kinder ihr Geld über einen längeren Zeitraum ein.
Ein Ziel vor Augen: Sparen fällt leichter, wenn klar ist, wofür. Ein Wunschzettel, ein Foto vom Herzenswunsch oder ein Sparschwein machen sichtbar, wie aus vielen kleinen Münzen etwas Größeres wird.
Digitale Kosten erklären: Wie funktionieren In-App-Käufe, Zusatzpakete und Abos? Und wie summieren sich viele Mini-Beträge? Mit älteren Kindern lohnt sich zudem ein Gespräch darüber, wie personalisierte Werbung funktioniert und warum ihnen im Netz bestimmte Angebote angezeigt werden.
Wie viel Taschengeld ist angemessen? Feste Vorschriften gibt es nicht, wohl aber Richtwerte. Das Deutsche Jugendinstitut nennt in seiner Expertise von 2025 folgende Spannen:
unter 6 Jahren: 1 bis 2 Euro pro Woche 6 bis 7 Jahre: 2 bis 3 Euro pro Woche 8 bis 9 Jahre: 3 bis 4 Euro pro Woche 10 bis 11 Jahre: 15 bis 25 Euro im Monat 12 bis 13 Jahre: 20 bis 30 Euro im Monat 14 bis 15 Jahre: 25 bis 45 Euro im Monat 16 bis 17 Jahre: 40 bis 60 Euro im Monat ab 18 Jahren: 55 bis 75 Euro im Monat Für Jugendliche ab zwölf Jahren empfehlen die DJI-Wissenschaftlerinnen zusätzlich ein sogenanntes Budgetgeld: einen zweckgebundenen Betrag, etwa für Kleidung oder Schulmaterial. Ein eigenes Konto kann helfen, dabei auch das bargeldlose Bezahlen zu üben.
Warum sich das Üben lohnt Wie wichtig ein früher, gelassener Umgang mit Geld ist, zeigt eine Zahl, auf die die Stiftung verweist: In der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ gaben 23 Prozent der befragten 14- bis 29-Jährigen an, Schulden zu haben – so viele wie nie seit Beginn der Studienreihe 2010. Umso ermutigender ist, wie einfach der Einstieg gelingen kann: Ein paar Münzen pro Woche, ein offenes Gespräch am Küchentisch und ein Kind, das an der Supermarktkasse stolz selbst bezahlt, sind schon ein guter Anfang.
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Taschengeld, Sparziel, In-App-Käufe: So lernen Kinder entspannt den Umgang mit Geld