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Stufenfrei zum Bahnsteig: Anteil steigt seit 2010 von 80 auf 89 Prozent
89 Prozent der DB-Bahnsteige sind heute ohne Stufe erreichbar, 2010 waren es 80 Prozent. Damit ist der Bahnsteig für 93 Prozent der Reisenden stufenfrei erreichbar. Bis zum stufenlosen Einstieg in jeden Zug bleibt aber noch einiges zu tun.
Von Max ·
Manchmal entscheidet eine einzige Stufe darüber, ob eine Reise beginnt. Wer im Rollstuhl sitzt, einen Kinderwagen schiebt oder mit schwerem Koffer unterwegs ist, kennt das: Am Bahnhof zählt nicht der Fahrplan, sondern die Frage, ob es eine Rampe oder einen Aufzug gibt.
Genau hier hat sich in Deutschland über die Jahre einiges bewegt. Laut dem aktuellen Zustandsbericht 2025 der DB InfraGO, der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, ist der Anteil der stufenfrei erreichbaren Bahnsteige seit 2010 von 80 auf 89 Prozent gestiegen. Gemessen an den Fahrgästen ist der Wert noch höher: Für 93 Prozent der Reisenden ist ihr Bahnsteig damit ohne Stufe erreichbar. Die stufenfreien Bahnsteige sind also im Schnitt die stärker genutzten.
Rund 270 Bahnsteige allein im Jahr 2025 Insgesamt hat die DB InfraGO für ihren Bericht 9.388 Bahnsteige bewertet. Im Jahr 2025 hat sie an rund 140 davon gezielt nachgerüstet, etwa mit stufenfreien Zugängen, ertastbaren Leitelementen und Handlaufschildern. Dazu kamen Um- und Neubauten an rund 130 weiteren Bahnsteigen. Zusammen wurde die barrierefreie Zugänglichkeit so an rund 270 Bahnsteigen verbessert.
Auch blinde und sehbehinderte Menschen profitieren: An rund 68 Prozent der Bahnsteige können sie sich heute an einem taktilen Blindenleitstreifen orientieren, also an ertastbaren Markierungen im Boden.
Stufenfrei heißt noch nicht barrierefrei So erfreulich die Zahlen sind, sie messen eine bestimmte Sache: den Weg bis auf den Bahnsteig. Ob man von dort auch ohne Stufe in den Zug kommt, hängt davon ab, ob Bahnsteig und Fahrzeug zueinander passen.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Blick auf die Bahnhofsseiten der DB. Für den Bahnhof Regenstauf etwa steht dort (Stand: November 2026): stufenfreier Zugang vorhanden. Zugleich ist der Bahnsteig mit 30 Zentimetern Höhe angegeben, eine Höhe von mindestens 55 Zentimetern ist als nicht vorhanden vermerkt, und ein taktiles Leitsystem gibt es dort laut Seite nicht. Die tatsächlichen Bahnsteighöhen werden nach Angaben der Bahn gerade an allen Bahnhöfen neu überprüft.
Wo die Höhen nicht passen, hilft Personal. Die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn organisiert Hilfe beim Ein-, Um- und Aussteigen. Wer mit Rollstuhl reist, dem empfiehlt die Bahn, sich vorher anzumelden. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, kritisierte im Juli 2026, dass dieser Service an vielen Bahnhöfen nur bis 22 Uhr angeboten werde, an manchen sogar nur bis 20 Uhr.
Wenn der Aufzug streikt Ein stufenfreier Bahnsteig ist oft nur so gut wie sein Aufzug. Rund 2.700 Personenaufzüge hat die DB InfraGO bewertet. Ihre Verfügbarkeit lag 2025 laut Bericht bei 97 Prozent. Der Bericht verschweigt aber nicht, dass viele Anlagen in die Jahre gekommen sind: Gemessen am Wiederbeschaffungswert sind rund 47 Prozent der Aufzüge erneuerungsbedürftig.
Dusel sieht bei der Bahn weiterhin „ein großes Qualitätsproblem, auch in der Barrierefreiheit“. Zugleich erkennt er Fortschritte an: „Viele Fahrzeuge und einzelne Bahnhöfe sind heute besser zugänglich als früher.“ Über den Nahverkehr vor Ort, für den Länder und Kommunen zuständig sind, sagte er: „Vielerorts funktionieren die Aufzüge oft wochenlang nicht.“
Viel Geld, langsamer Abruf Dass es nicht schneller geht, liegt nicht nur an der Technik. Der Bundesrechnungshof bemängelte 2025, dass das damalige Bundesverkehrsministerium seine Bahnhofsprogramme verschleppe. Laut einem Bericht von Correctiv standen für die Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit von Bahnhöfen von 2019 bis 2026 insgesamt 600 Millionen Euro bereit. Bis Ende 2023 sollten rund 326 Millionen Euro investiert sein, abgerufen wurden 84 Millionen.
Die Bundesregierung verweist für den Ausbau auf europäische Vorgaben und den daraus abgeleiteten nationalen Umsetzungsplan: Er sieht bei umfassenden Baumaßnahmen den barrierefreien Ausbau von Stationen mit mindestens 1.000 Reisenden pro Tag vor, kleinere Stationen unter bestimmten Bedingungen auch. Gesonderte neue Förderprogramme seien nicht vorgesehen, schrieb sie im Oktober 2025 auf eine Anfrage aus dem Bundestag.
Was das für dich bedeutet Die gute Nachricht ist real und messbar: Fast neun von zehn Bahnsteigen sind heute ohne Stufe erreichbar, und allein 2025 wurde die Zugänglichkeit an rund 270 Bahnsteigen verbessert. Der Weg auf den Bahnsteig ist für sehr viele Menschen leichter geworden als noch vor 15 Jahren.
Wer auf einen stufenlosen Weg angewiesen ist, sollte trotzdem vorab nachsehen. Auf bahnhof.de lassen sich für die Bahnhöfe der DB Zugang und Bahnsteighöhe nachschlagen, außerdem kann man sich dort informieren, ob Aufzüge und Rolltreppen funktionieren. Die Mobilitätsservice-Zentrale ist unter 030 65212888 erreichbar. Und vielleicht ist es genau diese Mischung, die zählt: Fortschritt anerkennen und trotzdem dranbleiben, bis aus „stufenfrei“ eines Tages „barrierefrei“ wird.
Themen: Stufenfrei, Barrierefreiheit Bahn, Deutsche Bahn, Zugänglichkeit, Reisen, Mobilität, Bahnsteig
Stufenfrei zum Bahnsteig: Anteil steigt seit 2010 von 80 auf 89 Prozent