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Stadionhymne am Millerntor: Bei St. Pauli stehen Rihanna, Bosse und eine Anti-Hymne zur Wahl
Über 4.000 Einsendungen beim FC St. Pauli: Bis 30. Oktober kann jeder reinhören, dann küren Stadiongänger die neue Hymne.
Von Michael Beier ·
Auf Rang 15 steht Rihanna. Ihr Song „Diamonds“ gehört zu den 75 bekannten Titeln, die Fans des FC St. Pauli am häufigsten als neue Stadionhymne vorgeschlagen haben. Sortiert ist die Liste danach, wie oft ein Lied eingereicht wurde. Thees Uhlmann und Vicky Leandros liegen vor der Popsängerin, Udo Lindenberg mit „Reeperbahn“ und Heidi Kabel mit „An de Eck“ dahinter. Ganz oben: „St. Pauli“ von Deine Cousine.
Seit Montag, 19. Oktober, kann jeder auf der Website des Hamburger Zweitligisten in die Vorschläge hineinhören. Gesucht wird ein Lied für die Minuten vor dem Anpfiff im Millerntor-Stadion, bei dem möglichst viele mitsingen. Der Aufruf zum St. Pauli Song Contest brachte über 4.000 Einsendungen, unter ihnen rund 400 neue Lieder, die extra für den Wettbewerb geschrieben wurden. Reinhören geht bis einschließlich Freitag, 30. Oktober. Am selben Tag startet die erste von drei Abstimmungsrunden.
Warum das Millerntor ein neues Lied sucht Zwei Jahrzehnte lang lief bei Heimspielen das Hans-Albers-Lied „Das Herz von St. Pauli“. Nachdem die NS-Vergangenheit des Texters bekannt geworden war, verzichtete der Club darauf. Ganz ohne Lied wollen die meisten aber nicht bleiben: In einer Stadionumfrage mit mehr als 10.000 Teilnehmenden wünschten sich 86,2 Prozent wieder ein festes Lied. Stil, Länge und Sprache waren freigestellt, sogar Skizzen durften eingereicht werden.
Von Jan Delay bis zum DamenLikörChor Die Vorschläge stehen in zwei Listen. Bei den veröffentlichten Songs liegt die Grenze bei fünf Einreichungen, damit die Liste überschaubar bleibt. Dort finden sich Jan Delay mit „Auf St. Pauli brennt noch Licht“, Achim Reichel, die Punkband ZSK und Gerry & The Pacemakers mit „You’ll Never Walk Alone“.
Die zweite Liste versammelt neue Stücke, zufällig sortiert und jedes mit eigener Nummer. Von Popsänger Bosse stammt „Mein St. Pauli“, eingespielt gemeinsam mit den Hansemädchen und dem FC Braun-Weiße-Vielfalt. Die Band Madsen schickt „Du schreibst Geschichte“ in einer St.-Pauli-Textfassung ins Rennen. Daneben stehen „Es ist geil auf St. Pauli“ von den Kiez Kauboys, „Astra links Mittelfinger rechts“ von Gunnar Freitag, „HAUT SIE WEG“ vom Hamburger DamenLikörChor und eine Band, die sich „Der Millionär der gebrochenen Herzen und das Budapester Orchester“ nennt. Auch Sven Brux, Sicherheitschef des Vereins, hat mit „St. Pauli International“ einen Beitrag eingereicht.
Selbstironie hat ebenfalls Platz. In Peter Brauns „Die perfekte Hymne“ heißt es: „Nicht zu langsam, nicht zu schnell – nicht zu radikal, nicht zu kommerziell“. Florida Klaus liefert mit der Punkrock-Nummer „Das Letzte, was wir brauchen“ gleich eine Anti-Hymne: „Oh mein Gott, im Ernst, eine Hymne?“
Eine klare Grenze zieht der Verein bei künstlicher Intelligenz. Lieder, deren Text oder Musik komplett von einer KI stammen, sind ausgeschlossen, weil es dann keine Urheberschaft gibt. Wer selbst geschrieben und komponiert hat und KI nur als Werkzeug nutzte, etwa für Instrumente, die man nicht selbst einspielen kann, bleibt im Wettbewerb. Diese Songs stehen in einer eigenen Unterliste.
Drei Runden bis zur neuen Hymne Hören darf jeder. Abstimmen sollen nach dem Willen des Vereins diejenigen, die das Lied später im Stadion singen: Mitglieder, die im Ticketing als Kundinnen oder Kunden geführt sind, Dauerkarteninhaber im VIP-Ticketing sowie Dauer- und Saisonkarteninhaber. Wer zur letzten Gruppe gehört und keinen „Mein St. Pauli“-Account hat, wendet sich an spsc@fcstpauli.com. Stimmberechtigte bekommen vor jeder Runde eine Mail mit Link, abstimmen kann jede Person einmal pro Runde.
30. Oktober bis 1. November, 23.59 Uhr: Runde 1, übrig bleiben 25 Songs. 2. bis 12. November: Prüfung von Rechten, Herkunft und Text. Schafft es ein bekannter Song unter die 25, fragt der Verein die Künstler, ob sie einverstanden sind. Das gälte auch für Rihanna. 13. bis 15. November: Runde 2, aus 25 werden fünf. 20. bis 22. November: Finale, jeder Abstimmende verteilt an alle fünf Songs je einen bis fünf Punkte. ab 23. November: geplante Bekanntgabe des Siegers. Gewinnt ein bereits bestehender Song, könnte er schon beim folgenden Heimspiel laufen. Eine Skizze muss erst aufgenommen werden, das kann bis nach der Winterpause dauern. Beide Listen zum Anhören stehen auf der Song-Contest-Seite des FC St. Pauli , Regeln und Zeitplan in den FAQ . Wer abstimmen darf, notiert sich am besten schon jetzt die Nummer seines Favoriten.
Themen: FC St. Pauli, St. Pauli Song Contest, Stadionhymne, Millerntor-Stadion, Fankultur, Musik, Hamburg
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