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Sonnenfinsternis 2026: Wo sie in Europa total wird
Ein Sommerabend, die Sonne steht schon tief – und plötzlich scheint jemand ein Stück aus ihr herauszuschneiden. Am 12. August 2026 wird daraus in Teilen Europas sogar völlige Dunkelheit. Dahinter steckt ein kosmischer Zufall, der erstaunlicher ist, als er zunächst klingt.
Von Andre ·
Wenn mitten im Sommerabend plötzlich das Licht verschwindet Es gibt diese Sommerabende, an denen man eigentlich nur noch kurz draußen sitzen wollte. Jemand schaut zum Himmel, jemand anderes holt das Handy heraus – und plötzlich wird aus einem gewöhnlichen Sonnenuntergang ein Ereignis, bei dem vermutlich selbst das Abendessen für ein paar Minuten warten muss.
Am 12. August 2026 passiert genau das in außergewöhnlichem Maßstab: Der Mond zieht vor der Sonne vorbei. In weiten Teilen Europas entsteht eine deutliche partielle Sonnenfinsternis. Wer sich dagegen im schmalen Pfad der Totalität befindet, erlebt den seltenen Moment, in dem die helle Sonnenscheibe vollständig verschwindet. Der Schatten des Mondes zieht dabei unter anderem über nördliches Russland, Grönland, Island, den Atlantik, Spanien und einen kleinen Teil Portugals.
Und damit beginnt eine dieser Geschichten, bei denen Astronomie fast ein wenig nach Zauberei aussieht.
Der wohl schönste Zufall am Himmel Warum kann ein vergleichsweise kleiner Mond überhaupt eine gewaltige Sonne verdecken?
Die Antwort gehört zu den schönsten kosmischen Zufällen unserer Nachbarschaft. Der Durchmesser der Sonne ist ungefähr 400-mal größer als der des Mondes . Gleichzeitig ist die Sonne aber auch ungefähr 400-mal weiter von uns entfernt . Von der Erde aus erscheinen beide Himmelskörper deshalb beinahe gleich groß.
Schieben sie sich aus unserer Perspektive exakt übereinander, kann der Mond die helle Oberfläche der Sonne vollständig verdecken. Für kurze Zeit wird dadurch die wesentlich lichtschwächere Korona , die äußere Atmosphäre der Sonne, sichtbar.
Das Ganze ist tatsächlich ein kosmischer Zufall mit Ablaufdatum. Der Mond entfernt sich nach NASA-Angaben jedes Jahr um etwa 3,8 Zentimeter von der Erde . In mehr als 600 Millionen Jahren dürfte er deshalb am Himmel zu klein erscheinen, um die Sonne noch vollständig abzudecken. Für die Urlaubsplanung besteht also kein unmittelbarer Zeitdruck – astronomisch betrachtet leben wir trotzdem in einer ziemlich günstigen Epoche.
Spanien bekommt einen außergewöhnlichen Sonnenuntergang Besonders spektakulär wird der 12. August in Spanien. Die Iberische Halbinsel erlebt ihre erste von dort sichtbare totale Sonnenfinsternis seit mehr als einem Jahrhundert. Die Totalitätszone zieht quer durch den Norden Spaniens und erreicht unter anderem die Regionen um A Coruña, León, Bilbao, Zaragoza, Valencia und schließlich Mallorca.
Dabei bekommt das Schauspiel einen ungewöhnlichen Rahmen: Die Sonne steht bereits sehr tief.
In A Coruña erreicht die Finsternis gegen 20:28 Uhr ihr Maximum; die Totalität dauert dort rund 76 Sekunden. In Burgos sind es etwa 104 Sekunden. Auf Mallorca steht die Sonne beim Maximum in Palma gegen 20:32 Uhr nur noch ungefähr zwei Grad über dem Horizont. Ein freier Blick nach Westen ist dort deshalb beinahe genauso wichtig wie wolkenfreier Himmel.
Die längste Totalitätsphase der gesamten Finsternis wird nahe Island erreicht und dauert ungefähr 2 Minuten und 18 Sekunden . Für die meisten Orte innerhalb des Totalitätspfades bleibt das Erlebnis jedoch unter zwei Minuten.
Zwei Minuten können ziemlich kurz sein. Bei einer Sonnenfinsternis reichen sie offenbar, um den ganzen Himmel umzudekorieren.
Und Deutschland? Auch hier lohnt sich der Blick nach oben Deutschland liegt nicht im Pfad der Totalität. Trotzdem wird die Finsternis deutlich zu sehen sein – nur eben partiell .
In Berlin werden beim Maximum beispielsweise rund 84,9 Prozent der sichtbaren Sonnenfläche vom Mond verdeckt. In Hamburg beginnt die partielle Finsternis gegen 19:13 Uhr und erreicht ihr Maximum gegen 20:07 Uhr. Die genauen Zeiten und der Bedeckungsgrad unterscheiden sich je nach Standort.
Hier steckt allerdings ein wichtiger Mythos: „Fast vollständig bedeckt“ ist nicht dasselbe wie eine totale Sonnenfinsternis. Solange auch nur ein Teil der hellen Sonnenoberfläche sichtbar bleibt, entsteht nicht jener charakteristische Anblick mit schwarzer Mondscheibe und frei sichtbarer Korona. Vor allem aber bleibt der direkte Blick in die Sonne gefährlich.
Normale Sonnenbrillen reichen dafür nicht aus. NASA und ESA empfehlen speziell geeignete Sonnenfinsternisbrillen beziehungsweise Solarfilter; NASA verweist dabei auf den internationalen Standard ISO 12312-2 . Nur während der vollständigen Totalität und ausschließlich innerhalb der Totalitätszone darf die Schutzbrille für diesen kurzen Moment abgenommen werden. Sobald ein Teil der Sonne wieder erscheint, gehört sie sofort wieder vor die Augen. In Deutschland gibt es 2026 keine Totalitätsphase – die Schutzbrille bleibt hier also auf.
Und danach ist der Himmel noch nicht fertig Vielleicht ist das das Schönste an diesem Augustabend: Man braucht kein Teleskop und kein Astronomiestudium, um zu begreifen, wie ungewöhnlich das gerade ist.
Ein Stern, ein Mond und ein Beobachter auf der Erde stehen für einen kurzen Augenblick nahezu perfekt auf einer Linie. Millionen Kilometer Entfernung werden plötzlich zu etwas, das direkt über dem eigenen Kopf passiert.
Und wer die Finsternis in Spanien beobachtet und anschließend noch ein wenig wach bleibt, bekommt möglicherweise sogar eine Zugabe: In derselben Nacht vom 12. auf den 13. August erreicht der Perseiden-Meteorstrom sein Maximum.
Erst verschwindet also für Augenblicke die Sonne.
Und ein paar Stunden später könnten Sternschnuppen über den Himmel ziehen.
Manchmal hat das Universum ein erstaunlich gutes Abendprogramm.