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Sonne vielerorts vor fünf weg: Warum die Novembertage so kurz sind
Anfang November geht die Sonne in vielen Teilen Deutschlands schon vor fünf Uhr unter, und jeder Tag wird ein Stück kürzer. Der Grund ist die schräg stehende Erdachse – und genau sie bringt ab dem 21. Dezember das Licht zurück. Abends wird es sogar schon ein paar Tage vorher wieder heller.
Von Tobias ·
Kaum ist der Feierabend da, ist das Tageslicht schon fast verschwunden. Wer in Hamburg an diesem Dienstag, dem 3. November, nach draußen schaut, sieht die Sonne um 16:43 Uhr untergehen. In München bleibt sie etwas länger, bis 16:52 Uhr. Und es geht weiter abwärts: Am 30. November verabschiedet sich die Sonne in Hamburg bereits um 16:05 Uhr. Innerhalb dieses einen Monats schrumpft der helle Tag dort von knapp neuneinhalb auf weniger als acht Stunden – gut anderthalb Stunden Licht weniger.
Das fühlt sich nach Novembergrau an. Dahinter steckt aber ein ziemlich elegantes Stück Himmelsmechanik. Und eine gute Nachricht: Der Tiefpunkt hat ein festes Datum, und danach geht es verlässlich wieder bergauf.
Die Erde steht schief – zum Glück Die Erde dreht sich um eine gedachte Achse, die durch Nord- und Südpol läuft. Diese Achse steht nicht senkrecht auf der Bahn, auf der die Erde um die Sonne kreist, sondern ist um etwa 23,4 Grad gekippt. Das Office of Astronomy for Education der Internationalen Astronomischen Union nennt genau diese Neigung als Ursache der Jahreszeiten.
Im Lauf eines Jahres neigt sich deshalb mal die Nordhalbkugel, mal die Südhalbkugel stärker zur Sonne. Im Sommer ist der Norden der Sonne zugewandt: Die Sonne steigt hoch, zieht einen weiten Bogen über den Himmel und bleibt lange sichtbar. Im Winterhalbjahr ist es umgekehrt. Die Sonne klettert nur noch flach über den Horizont, ihr Tagesbogen wird kurz – und damit auch die Zeit zwischen Aufgang und Untergang.
Übrigens: Mit dem Abstand zur Sonne hat das nichts zu tun. Die Erde steht Anfang Januar der Sonne sogar am nächsten, wie ein Beitrag der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie erklärt, den die Sternwarte der Hochschule Rosenheim in ihrem Newsletter verbreitet hat. Der Winter kommt trotzdem – weil die Neigung der Achse zählt, nicht die Entfernung.
Im Norden sind die Wintertage kürzer Wie kurz der Tag ausfällt, hängt auch davon ab, wo in Deutschland du lebst. Je weiter nördlich, desto flacher steht die Sonne im Winter. Das zeigt schon der heutige Tag: In Hamburg dauert er rund neun Stunden und 20 Minuten, in München etwa eine halbe Stunde länger.
Am deutlichsten wird der Unterschied zur Wintersonnenwende. Laut einer Übersicht des Astronomieportals Sterngucker dauert der kürzeste Tag des Jahres in Flensburg 7 Stunden und 13 Minuten, in München 8 Stunden und 21 Minuten. Das ist gut eine Stunde Unterschied. Im Sommer dreht sich das Verhältnis um: Dann hat Flensburg die längeren Tage.
Der Wendepunkt: 21. Dezember Den Tiefpunkt erreichen wir in diesem Jahr am Montag, 21. Dezember. Dann ist Wintersonnenwende, nach Angaben von Sterngucker um 21:50 Uhr. Es ist der kürzeste Tag des Jahres, zugleich der astronomische Winteranfang. Von da an werden die Tage wieder länger.
Am Anfang geht das gemächlich, um wenige Sekunden pro Tag. Doch das Tempo zieht an. Für Frankfurt am Main hat Sterngucker nachgerechnet: Am 21. Dezember dauert der Tag dort 8 Stunden und 3 Minuten. Bis zum 1. Januar kommen 6 Minuten dazu, bis zum 21. Januar schon 44 Minuten, und am 1. Februar ist der Tag 76 Minuten länger als zur Sonnenwende. Ab Mitte Januar wächst er um mehr als zwei Minuten täglich.
Abends wird es schon vor der Wende heller Und dann gibt es noch einen kleinen Bonus, der vielen gar nicht auffällt: Der früheste Sonnenuntergang des Jahres liegt nicht am kürzesten Tag, sondern rund anderthalb Wochen davor. In Frankfurt geht die Sonne am 12. Dezember um 16:22 Uhr unter, am 21. Dezember erst ein paar Minuten später. Abends gewinnen wir also schon wieder Licht, während der Tag insgesamt noch schrumpft. Dafür verschiebt sich das Ganze am Morgen: Der späteste Sonnenaufgang folgt erst um den Jahreswechsel oder Anfang Januar.
Der Grund dafür heißt Zeitgleichung. Unsere Uhren laufen gleichmäßig, die Sonne am Himmel dagegen nicht ganz. Der Rosenheimer Newsletter nennt zwei Ursachen: Die Erdbahn ist keine perfekte Kreisbahn, sondern eine leichte Ellipse, auf der die Erde in Sonnennähe schneller unterwegs ist. Dazu kommt wieder die geneigte Erdachse. Beides zusammen sorgt dafür, dass der Sonnenmittag im Dezember nach und nach auf eine spätere Uhrzeit rückt – und mit ihm Aufgang und Untergang.
Was das für den November heißt Die frühen Abende sind also kein Zufall und auch kein Dauerzustand, sondern Teil eines Rhythmus, der sich jedes Jahr fast auf die Minute genau wiederholt. Wer den Kalender im Blick behält, weiß: Noch knapp sieben Wochen, dann ist der dunkelste Punkt erreicht. Und schon Mitte Dezember lohnt sich ein Blick auf die Uhr beim Sonnenuntergang – der Abend holt sich dann die ersten Minuten zurück.
Themen: Kurze Tage, Wintersonnenwende, Tageslänge, Erdachse, Sonne, Astronomie
Sonne vielerorts vor fünf weg: Warum die Novembertage so kurz sind