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So viele Zugewanderte wie nie in Arbeit: EU erreicht neuen Beschäftigungsrekord
Immer mehr zugewanderte Menschen finden in Europa einen Arbeitsplatz. 2025 stieg ihre Beschäftigungsquote auf den höchsten Stand der untersuchten Zeitreihe. Besonders Menschen aus Nicht-EU-Staaten haben deutlich aufgeholt – doch bei Frauen und hoch qualifizierten Fachkräften bleibt großes Potenzial ungenutzt.
Von Firas ·
So viele Zugewanderte wie nie in Arbeit: Europas Arbeitsmarkt erreicht einen neuen Höchststand Europa diskutiert häufig über Migration – doch ein wichtiger Teil der Entwicklung erhält deutlich weniger Aufmerksamkeit: Immer mehr zugewanderte Menschen sind berufstätig und tragen damit zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag der Europäischen Union bei.
Im Jahr 2025 waren 68,2 Prozent der in der EU lebenden Zugewanderten im erwerbsfähigen Alter beschäftigt. Ein Jahr zuvor hatte die Quote noch bei 67,8 Prozent gelegen. Damit erreichte die Beschäftigung von Menschen, die nicht in ihrem heutigen Wohnsitzland geboren wurden, einen neuen Höchststand.
Hinter dem scheinbar kleinen Anstieg von 0,4 Prozentpunkten verbirgt sich ein langfristiger Trend: Seit mehreren Jahren finden immer mehr Zugewanderte Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei Menschen aus, die außerhalb der Europäischen Union geboren wurden.
Nicht-EU-Zugewanderte machen die größten Fortschritte Zwischen 2017 und 2025 stieg die Beschäftigungsquote von Zugewanderten aus Nicht-EU-Staaten von 59,4 auf 66,0 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 6,6 Prozentpunkten – mehr als bei jeder anderen untersuchten Bevölkerungsgruppe.
Auch Menschen, die aus einem anderen EU-Mitgliedstaat zugewandert sind, erreichten 2025 eine hohe Beschäftigungsquote von 74,8 Prozent. Damit lagen sie sogar über der Quote der im jeweiligen Land geborenen Bevölkerung, die im selben Zeitraum von 67,2 auf 71,6 Prozent stieg.
Das zeigt: Zuwanderung und Beschäftigung stehen keineswegs grundsätzlich im Widerspruch. In vielen Teilen Europas sind zugewanderte Menschen längst ein selbstverständlicher und aktiver Teil des Arbeitsmarktes.
Die Daten stammen aus einer Untersuchung des Centre for Research and Analysis of Migration an der ROCKWOOL Foundation Berlin. Grundlage sind aktuelle Arbeitsmarktdaten von Eurostat. Als zugewandert gelten dabei Menschen, die in einem anderen Land geboren wurden als dem, in dem sie heute leben. Unterschieden wird zwischen Personen aus einem anderen EU-Mitgliedstaat und Menschen, die außerhalb der EU geboren wurden.
Millionen Menschen gestalten Europas Wirtschaft mit Die Bedeutung dieser Entwicklung wird deutlich, wenn man auf die Größenordnung blickt. Anfang 2025 lebten rund 46,7 Millionen außerhalb der EU geborene Menschen in einem EU-Mitgliedstaat. Weitere 18 Millionen Menschen waren innerhalb der Europäischen Union in ein anderes Land gezogen. Zusammen entspricht das einem erheblichen Teil der europäischen Bevölkerung, ihrer Arbeitskraft, ihrer Erfahrungen und ihres Wissens.
Ob in der Pflege, im Handwerk, in der Forschung, in der Gastronomie, im Baugewerbe, in der Logistik oder in digitalen Berufen: Menschen mit internationaler Geschichte tragen in nahezu allen Branchen zum Funktionieren des europäischen Alltags bei.
Dass ihre Beschäftigungsquote weiter steigt, bedeutet deshalb mehr als einen statistischen Rekord. Arbeit schafft Einkommen, Unabhängigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Sie ermöglicht Begegnungen, verbessert Sprachkenntnisse und kann Menschen dabei helfen, sich in ihrer neuen Umgebung dauerhaft zugehörig zu fühlen.
Gleichzeitig profitieren Unternehmen und öffentliche Einrichtungen von zusätzlichen Arbeitskräften – gerade in einer Zeit, in der viele Branchen Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen.
Besonders hohe Quoten in Malta, Tschechien und Irland Der europäische Durchschnitt verdeckt allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Besonders erfolgreich ist die Arbeitsmarktintegration von Menschen aus Nicht-EU-Staaten in Malta. Dort lag ihre Beschäftigungsquote 2025 bei 83,7 Prozent.
Auch Tschechien erreichte mit 77,3 Prozent einen hohen Wert, gefolgt von Irland mit 76,1 Prozent sowie Estland und Portugal mit jeweils mehr als 75 Prozent. In mehreren dieser Länder sind außerhalb der EU geborene Menschen ähnlich häufig oder sogar häufiger beschäftigt als die einheimische Bevölkerung.
Diese Unterschiede sind eine wichtige Botschaft: Niedrige Beschäftigungsquoten sind kein unveränderliches Ergebnis von Migration. Rahmenbedingungen, Arbeitsmarktstrukturen, Betreuungsangebote, Anerkennungsverfahren und der Zugang zu passenden Arbeitsplätzen können einen erheblichen Unterschied machen.
Deutschland hat noch viel ungenutztes Potenzial Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Beschäftigungsquote der einheimischen Bevölkerung besonders hoch ist. Bei außerhalb der EU geborenen Menschen fällt der Abstand jedoch weiterhin deutlich aus.
2025 waren in Deutschland 66,1 Prozent der Nicht-EU-Zugewanderten beschäftigt. Bei Menschen, die in Deutschland geboren wurden, lag die Quote bei 79,6 Prozent. Zugewanderte aus anderen EU-Staaten erreichten 78,6 Prozent und lagen damit nahezu gleichauf mit der einheimischen Bevölkerung.
Deutschland hat bei der Integration innerhalb Europas damit kein einheitliches Bild: Die berufliche Eingliederung von Menschen aus anderen EU-Staaten funktioniert ausgesprochen gut. Bei Menschen aus Drittstaaten bestehen dagegen noch Hindernisse.
Das ist nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe, sondern zugleich eine wirtschaftliche Chance. Schnellere Anerkennungsverfahren, praxisnahe Sprachkurse, bezahlbare Kinderbetreuung und ein direkterer Kontakt zwischen Unternehmen und Bewerbenden könnten mehr Menschen den Einstieg in passende Beschäftigung ermöglichen.
Bei Männern ist die Lücke fast geschlossen Besonders ermutigend ist die Entwicklung bei Männern. Die Beschäftigungsquote von außerhalb der EU geborenen Männern erreichte 2025 europaweit 74,9 Prozent. Bei einheimischen Männern waren es 75,2 Prozent.
Der Abstand beträgt damit nur noch 0,3 Prozentpunkte. Männer aus anderen EU-Staaten kamen sogar auf eine Beschäftigungsquote von 80,5 Prozent.
Damit ist der frühere Beschäftigungsrückstand bei zugewanderten Männern aus Drittstaaten im europäischen Durchschnitt nahezu verschwunden. Die verbleibende Lücke betrifft also nicht mehr Zugewanderte insgesamt, sondern konzentriert sich zunehmend auf bestimmte Gruppen.
Zugewanderte Frauen brauchen bessere Chancen Die größte Herausforderung bleibt die Beschäftigung von Frauen aus Nicht-EU-Staaten. Während sich die Quoten bei Männern weitgehend angenähert haben, beträgt der Unterschied zwischen Männern und Frauen innerhalb dieser Gruppe noch 17,5 Prozentpunkte.
Bei der einheimischen Bevölkerung liegt der geschlechtsspezifische Beschäftigungsunterschied dagegen bei 7,3 Prozentpunkten. Der sogenannte Gender Employment Gap ist bei Nicht-EU-Zugewanderten somit mehr als doppelt so groß.
Die Gründe dafür können vielfältig sein: fehlende Kinderbetreuung, traditionelle Rollenverteilungen, unterbrochene Berufsbiografien, sprachliche Hürden oder Schwierigkeiten bei der Anerkennung vorhandener Abschlüsse.
Gerade hier liegt jedoch eine große Chance. Werden Frauen durch flexible Qualifizierungen, bessere Betreuung und gezielte Vermittlung unterstützt, könnten viele von ihnen ihre Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt einbringen und zugleich wirtschaftlich unabhängiger werden.
Viele Qualifikationen werden noch immer übersehen Ein Arbeitsplatz allein sagt außerdem noch nicht, ob Menschen entsprechend ihrer Ausbildung beschäftigt sind. Genau hier zeigt sich eine weitere Baustelle.
Im Jahr 2025 galten 41,4 Prozent der erwerbstätigen Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger als überqualifiziert. Sie arbeiteten also in Berufen, für die formal ein niedrigeres Bildungsniveau erforderlich war als das, über das sie selbst verfügten. Bei Bürgern anderer EU-Staaten lag diese Quote bei 30,2 Prozent, bei der einheimischen Bevölkerung bei 20 Prozent.
Eine Ärztin, die nicht in ihrem Beruf arbeiten darf, ein Ingenieur, dessen Abschluss jahrelang geprüft wird, oder eine Lehrerin, die dauerhaft in einer fachfremden Tätigkeit beschäftigt bleibt: Solche Fälle sind nicht nur für die Betroffenen enttäuschend. Sie bedeuten auch, dass Europa dringend benötigte Kenntnisse und Erfahrungen nicht vollständig nutzt.
Die aktuelle Untersuchung zeigt entsprechend, dass hoch qualifizierte Menschen aus Nicht-EU-Staaten in vielen Ländern deutlich seltener beschäftigt sind als vergleichbar ausgebildete Einheimische. Als mögliche Ursachen gelten unter anderem nicht anerkannte Abschlüsse, berufliche Fehlzuordnungen und formale Zugangshürden.
Der Rekord kommt zur richtigen Zeit Der Anstieg der Beschäftigung ist für Europa auch deshalb eine gute Nachricht, weil der Bedarf an Arbeitskräften hoch bleibt. Die Europäische Arbeitsbehörde registrierte im aktuellen Bericht 2.617 berufliche Engpässe. Besonders häufig fehlen Fachkräfte in qualifizierten, handwerklichen und technischen Berufen sowie bei Maschinen- und Anlagenbedienern.
Hinzu kommt der demografische Wandel. Modellrechnungen der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission zeigen, dass Europas Erwerbsbevölkerung bis 2070 um rund 42,8 Millionen Menschen schrumpfen könnte, falls sich die Beteiligung am Arbeitsmarkt nicht verändert.
Zuwanderung allein wird diese Entwicklung nicht vollständig ausgleichen. Doch sie ist ein wichtiger Teil der Lösung – gemeinsam mit besserer Bildung, höherer Erwerbsbeteiligung von Frauen, altersgerechten Arbeitsplätzen und einer gezielten Qualifizierung der vorhandenen Bevölkerung.
Aus einem Beschäftigungsrekord kann ein Integrationsrekord werden Die neuen Zahlen erzählen eine konstruktive Geschichte: Europas Arbeitsmärkte sind aufnahmefähiger geworden, und immer mehr Menschen schaffen den Weg in Beschäftigung. Besonders bei Nicht-EU-Zugewanderten ist der Fortschritt seit 2017 deutlich messbar.
Der nächste Schritt besteht darin, aus Beschäftigung echte berufliche Perspektiven zu machen. Menschen sollten nicht nur irgendeine Arbeit finden, sondern ihre Fähigkeiten möglichst vollständig einsetzen können. Dazu gehören faire Aufstiegsmöglichkeiten, passende Weiterbildungen, schnellere Anerkennungsverfahren und bessere Chancen für Frauen.
Der Rekord von 2025 ist deshalb kein Endpunkt. Er ist ein Beleg dafür, dass Integration funktionieren kann – und eine Einladung, die noch vorhandenen Barrieren nun konsequenter abzubauen.
Warum das Hoffnung macht
Weil immer mehr zugewanderte Menschen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und aktiv zum europäischen Alltag beitragen. Die Entwicklung zeigt, dass sich Beschäftigungslücken verkleinern können und erfolgreiche Integration möglich ist.
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