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So viele Höfe wie nie: Bauern und Helfer betreuen in und um Hamburg 130 Kiebitznester
22 Höfe schützen in Hamburg Kiebitze, so viele wie nie. Doch Trockenheit und Füchse setzten der Brut 2026 zu.
Von Michael Beier ·
Das Nest eines Kiebitzes ist kaum mehr als eine flache Mulde im Boden, die Eier sind so gut getarnt, dass man sie vom Traktor aus nur schwer erkennt. Genau deshalb braucht der Bodenbrüter Verbündete auf dem Acker, und beim Hamburger Schutzprojekt „KiebitzKieker“ hat er so viele wie noch nie: 22 Höfe beteiligten sich in der Brutsaison 2026, im Vorjahr waren es 17, bilanziert die Hamburger Umweltbehörde. 130 Kiebitznester in und um Hamburg standen in dieser Saison unter Betreuung.
Wie aus einem Acker ein Schutzgebiet auf Zeit wird Das Prinzip ist erfreulich bodenständig. Ehrenamtliche mit Schulung halten in der Brutzeit von öffentlichen Wegen aus Ausschau und geben Bescheid, sobald ein Kiebitz brütet, viele Landwirtinnen und Landwirte melden „ihre“ Kiebitze auch selbst. Gemeinsam mit den Betrieben wird dann entschieden, was passt: Entweder werden die Nester markiert und bei der Feldarbeit umfahren, oder es entsteht eine sogenannte Kiebitzinsel, ein Stück Acker, das bis Ende Juli brachliegt und den Küken Futter und Schutz bietet. Auch Feldlerche, Schafstelze und Flussregenpfeifer haben etwas davon.
Getragen wird das Projekt von der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, dem BUND Hamburg und dem NABU Hamburg, unterstützt von Bauernverband und Landwirtschaftskammer. „Naturschutz und Landwirtschaft sind in Hamburg keine Gegensätze, sondern gehören zusammen“, sagt Umweltsenatorin Katharina Fegebank.
Warum der Kiebitz ausgerechnet auf dem Acker brütet Seit den 1980er-Jahren sind die Bestände in Deutschland um mehr als 90 Prozent eingebrochen, von rund 758.000 Brutpaaren im Jahr 1980 auf gut 53.000 im Jahr 2016. In Hamburg gilt der Vogel laut BUND als stark gefährdet. Feuchtwiesen, sein ursprünglicher Lebensraum, gibt es vielerorts nicht mehr, deshalb weicht er auf Äcker aus, in Hamburg brüten dort etwa 80 Prozent der Tiere. Die im Frühjahr noch kahlen Felder bieten ihm freie Rundumsicht auf Fressfeinde, doch im März beginnt dort auch die Bestellung, und damit wird es für die Gelege gefährlich.
Wichtig ist den Vögeln niedriger Bewuchs. Neben klassischen Maisäckern nutzen sie dafür auch ungewöhnliche Plätze wie Erdbeerkulturen in Moorburg und Rhabarberfelder in den Vier- und Marschlanden.
Mehr Höfe heißt nicht automatisch mehr Küken Zur ehrlichen Bilanz gehört: Die Zahl der betreuten Gelege ist gesunken, von 151 im Jahr 2025 auf 130. Die Behörde spricht von einem stabilen, hohen Niveau und sieht darin einen Hinweis, dass weniger Bruten vorzeitig aufgegeben wurden. Das ist eine Deutung, kein Messwert. Wie viele Küken am Ende tatsächlich flügge wurden, nennt die Bilanz nicht.
Leicht war die Saison jedenfalls nicht. Weil das Frühjahr sehr trocken war, fanden die Küken schwerer Insekten und Würmer. Auf den Aufnahmen von Nestkameras waren zudem mehrfach Verluste zu sehen, verursacht von Füchsen und anderen Fressfeinden.
Wie es weitergeht Seit diesem Jahr gehört das Hamburger Projekt zum Verbund „Kiebitzschutz in Norddeutschland“, den das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums fördert. Hamburg will damit die Schutzmaßnahmen erweitern und auch die Auswertung weiter voranbringen.
Mitmachen kann übrigens auch, wer keinen Hof hat: Das Projekt sucht Menschen, die in der Brutzeit von öffentlichen Wegen aus nach Kiebitzen Ausschau halten und ihre Beobachtungen melden. Vorkenntnisse braucht es nicht, ab März gibt es Einführungsrunden. Informationen stehen unter kiebitzkieker.de/Mitmachen.
Themen: Kiebitz, Artenschutz, Landwirtschaft, KiebitzKieker, BUND Hamburg, NABU Hamburg, Vier- und Marschlande, Hamburg
So viele Höfe wie nie: Bauern und Helfer betreuen in und um Hamburg 130 Kiebitznester