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Seit 1924: Warum die Welt einen Tag fürs Sparen erfand
Im Oktober 1924 beschlossen Sparkassen-Delegierte aus 27 Ländern in Mailand einen gemeinsamen Spartag. In Deutschland fiel der Start in die Jahre nach der Inflation von 1923, die viele Ersparnisse vernichtet hatte. Hierzulande ist der Weltspartag 2026 am Freitag, 30. Oktober.
Von Andre ·
Am Freitag, 30. Oktober, ist in Deutschland Weltspartag. Traditionell bringen an diesem Tag viele Kinder ihre Spardosen in die Bank, die Münzen werden gezählt und auf dem Sparkonto gutgeschrieben, oft gibt es ein kleines Geschenk dazu. Hinter dem Ritual steckt eine Geschichte, die mehr als 100 Jahre zurückreicht – und die viel mit Zuversicht nach schweren Jahren zu tun hat.
Ein Kongress in Mailand Vom 26. bis 31. Oktober 1924 kamen in Mailand Vertreter von Sparkassen zum ersten Internationalen Sparkassenkongress zusammen. Eingeladen hatte die Cassa di Risparmio di Milano, die Mailänder Sparkasse. Rund 350 Delegierte aus 27 Ländern reisten an. Am letzten Kongresstag erklärte der italienische Professor Filippo Ravizza diesen Schlusstag zum Weltspartag: Der 31. Oktober sollte fortan dem Sparen gewidmet sein.
Auf demselben Treffen entstand auch ein internationaler Zusammenschluss der Sparkassen. Er heißt heute Weltinstitut der Sparkassen und Retailbanken (WSBI) und vertritt Sparkassen und Retailbanken in rund 80 Ländern.
Wie die Delegierten sich ihren Tag vorstellten, zeigt der Beschluss, den die Karlsruher Zeitung „Der Volksfreund“ 1928 abdruckte. Der Weltspartag solle „nicht ein Tag des Müßigganges sein, sondern ein Tag der Arbeit“. Gemeint war kein freier Tag, sondern einer, an dem der Gedanke des Sparens mit Beispielen, Worten und Bildern unter die Leute gebracht wird.
Warum gerade damals Für Deutschland kam die Idee zur richtigen Zeit. Die Hyperinflation hatte 1923 die Ersparnisse zahlloser Familien entwertet, wie das Deutsche Historische Museum beschreibt; feste Zinserträge waren praktisch wertlos geworden. Erst die Rentenmark beendete am 15. November 1923 die Geldentwertung. Wer erlebt hatte, wie sein Erspartes verschwand, musste erst wieder Vertrauen fassen.
Der Weltspartag setzte auf Aufklärung. Die Sparkassen wollten möglichst vielen Menschen zeigen, warum und wie man Geld zurücklegt – nicht nur Menschen mit kleinem Einkommen. Dafür arbeiteten sie mit Schulen, Kirchen sowie Sport-, Kultur- und Frauenverbänden zusammen.
Wie schnell danach wieder gespart wurde, zeigt ein Beispiel aus Karlsruhe. In derselben Zeitungsausgabe von 1928 warb die Städtische Sparkasse Karlsruhe mit ihren eigenen Zahlen: Die Spareinlagen seien von knapp 70.000 Mark Ende 1923 auf 24,1 Millionen Mark im Oktober 1928 gewachsen. Wie viel davon auf den Weltspartag zurückging, lässt sich daraus allerdings nicht ablesen.
Warum Deutschland einen Tag früher spart Die deutschen öffentlichen Sparkassen begingen den Weltspartag seit 1925, zunächst wie beschlossen am 31. Oktober. 1928 rückten sie ihn mit Rücksicht auf das Reformationsfest auf den 30. Oktober vor, so berichtete es damals „Der Volksfreund“.
Ein ähnlicher Grund gilt bis heute: Weil der Reformationstag am 31. Oktober in einigen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag ist, findet der Weltspartag in Deutschland am letzten Werktag davor statt. In diesem Jahr ist das Freitag, der 30. Oktober. Viele Sparkassen und Volksbanken machen daraus gleich eine ganze Weltsparwoche, 2026 vom 26. bis 30. Oktober.
Von der Spardose zum Weltthema Seine größte Beliebtheit hatte der Weltspartag etwa zwischen 1955 und 1970. In Österreich wurde in dieser Zeit die Werbefigur „Sparefroh“ bekannt. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat der Tag in vielen Ländern an Bedeutung verloren, in den USA, Frankreich und der Schweiz ist er weitgehend verschwunden. In Schwellen- und Entwicklungsländern wie Mexiko oder Georgien wächst er dagegen. Dort, wo viele Menschen noch kein Konto haben, geht es den beteiligten Banken vor allem darum, mehr Menschen überhaupt den Zugang zum Sparen zu ermöglichen.
Ganz ohne Kritik ist der Tag nicht: Verbraucherschützer haben bemängelt, dass am Weltspartag auch Finanzprodukte wie Versicherungen gezielt bei Kindern beworben wurden. Die ursprüngliche Idee war eine andere. Schon 1928 schrieb die Karlsruher Zeitung, der Tag gelte dem Sparen in seiner allgemeinen Bedeutung – nicht nur dem Geld. Ein Gedanke, der nach gut 100 Jahren erstaunlich frisch wirkt.
Themen: Weltspartag, Sparen, Geschichte, Finanzbildung, Sparkassen, Geldanlage, Inflation