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Segelndes Klassenzimmer: Blankeneser Schüler segelten von Kiel nach Oslo
Rund 30 Zehntklässler des Gymnasiums Blankenese lebten drei Wochen auf einem Segelschulschiff – und am Ende hatten sie selbst das Kommando.
Von Andre ·
Kein Handy, kein Klassenraum, dafür Nachtwachen, Segel und Seemannsknoten: Kurz vor den Sommerferien sind rund 30 Zehntklässlerinnen und Zehntklässler des Gymnasiums Blankenese im Hamburger Westen zu einer besonderen Reise aufgebrochen. Drei Wochen lang lebten und lernten die 15- und 16-Jährigen auf dem Dreimast-Toppsegelschoner „Thor Heyerdahl“. In Kiel stiegen sie zu, das Ziel hieß Oslo.
Lehrer Stefan Stuparek, der das segelnde Klassenzimmer aus eigener Erfahrung kennt, bringt das Konzept auf eine Formel: „Auf dem Schiff wird wirklich mit allen Sinnen gelernt.“
Ein Jahr Anlauf bis zur Abfahrt Erfunden hat das Projekt die Lehrerin Marianne Wulkop, die es auch leitet. Wer mitwollte, musste sich die Reise erarbeiten. Die Vorbereitung dauerte rund ein Jahr: Motivationsschreiben, ein Wahlpflichtkurs, dazu Knotenkunde, seemännische Fachbegriffe und Lektüre über das Leben des norwegischen Forschers Thor Heyerdahl, nach dem das Schiff benannt ist.
Auch beim Geld waren die Jugendlichen gefragt. Die Reise kostete 1.850 Euro pro Person, etwa ein Drittel davon mussten die Schülerinnen und Schüler selbst aufbringen – mit Minijobs oder dem Verkauf von Waffeln und Getränken bei Schulfesten.
Wachen, Rah und Kombüse An Bord hieß das Prinzip „Learning by doing“. Die Jugendlichen gingen Wache, auch nachts, standen am Steuer, holten Segel ein, kletterten in die Rah, probierten sich als Schiffsmechaniker und kochten. Unterstützt wurden sie von einer ehrenamtlichen Stammbesatzung, zu der auch Lehrkräfte des Gymnasiums gehören.
Leicht war das nicht immer. Finn etwa war für die Wache von 1 bis 4 Uhr nachts eingeteilt: „Das war schon hart.“ Emma erzählt von einer Nacht mit schwerem Wetter auf Höhe des Skagerraks, in der fünf Leute aus ihrer Wache seekrank ausfielen. Sie selbst stemmte sich gegen die Seekrankheit. Ihr Fazit: „Das hat mein Selbstvertrauen gestärkt.“ Auch ihre Höhenangst brachte sie anfangs an Grenzen – doch in die Rah muss jeder einmal.
Drei Tage Expedition auf eigene Faust Zur Fahrt gehörte auch eine dreitägige Expedition in Norwegen, die für alle eine Überraschung war. Mit Karte, Koordinaten und einer selbst geschriebenen Packliste waren die Wach-Teams auf sich gestellt, ein Stück ging es mit Paddelbooten über einen See. Ein Mitglied der Stammbesatzung war zwar dabei, durfte aber nicht helfen. Nicht jede Packliste hielt der Praxis stand: Manche hatten Wasser oder Werkzeug vergessen. Gelernt haben die Jugendlichen dabei vor allem, Probleme gemeinsam zu lösen und die Stärken der anderen zu erkennen.
Besonders beeindruckt hat Emma und Finn der Besuch des Thor-Heyerdahl-Museums. Dort führten die Schülerinnen und Schüler Interviews mit Liv Heyerdahl, einer Enkelin des Forschers, die das Museum leitet.
Am Ende hat die Crew das Kommando Nach der Expedition kam die größte Bewährungsprobe: Für drei Tage übernahmen die Jugendlichen selbst die Führung des Schiffs, einschließlich der Routenplanung. Die Stammbesatzung setzte in dieser Zeit nur um, was die junge Crew anordnete. Wer welche Aufgabe übernimmt, entschied die Crew gemeinsam und demokratisch. Hanna, die schon Segelerfahrung mitbrachte, wurde Kapitänin, Finn übernahm die Rolle des Wachführers, Emma die Projektleitung. Finn hat dabei gelernt, dass Führung klare Entscheidungen verlangt – und dass man zu eigenen Fehlern stehen muss.
Ein Schiff mit langer Geschichte Die „Thor Heyerdahl“ selbst ist ein Stück Seefahrtsgeschichte. Gebaut wurde sie 1930 in den Niederlanden als Frachtmotorsegler, zwischen 1979 und 1983 wurde sie zum Segelschulschiff umgebaut. Heute ist sie knapp 50 Meter lang, trägt rund 830 Quadratmeter Segelfläche und hat Kiel als Heimathafen. Betrieben wird sie seit über vier Jahrzehnten von Ehrenamtlichen. Im Sommer ist sie auf Nord- und Ostsee unterwegs, im Winter fährt sie mit Jugendlichen des Projekts „Klassenzimmer unter Segeln“ über den Atlantik bis in die Karibik.
Für die Blankeneser Zehntklässler war die Reise nach drei Wochen vorbei. Was bleibt, sind Erfahrungen, die sich im Klassenraum kaum machen lassen: Teamarbeit, der Umgang mit den eigenen Grenzen – und das Wissen, dass man ein Schiff gemeinsam auf Kurs halten kann.
Themen: Schüler Segelreise, Gymnasium Blankenese, Thor Heyerdahl, Lernreise, Teamwork, Abenteuer
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