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Schwitzen gegen das Grau: Was die Saunakultur ausmacht
Draußen Nebel, drinnen 80 bis 100 Grad: Im Spätherbst beginnt die Saunazeit. Was hinter der finnischen Tradition steckt, die seit 2020 UNESCO-Kulturerbe ist, welche Regeln den Saunagang angenehm machen und was über die Gesundheit wirklich bekannt ist.
Von Ulrike ·
Wenn es früh dunkel wird und der Nebel kaum noch weichen will, ist eine Holzkabine mit 80 bis 100 Grad ein ziemlich verlockender Ort. So heiß wird es nach Angaben der Krankenkasse DAK in einer klassischen finnischen Sauna. Dass viele in der kalten Jahreszeit Lust auf Wärme bekommen, zeigt sich auch in den Bädern: Im Sommer kommen nach Angaben des Deutschen Sauna-Bunds aus dem Jahr 2019 im Schnitt rund ein Viertel bis ein Drittel weniger Gäste als im Winter, je nach Anlage. Die kalte Jahreszeit ist Saunazeit.
Ein Kulturerbe aus Finnland Im Dezember 2020 hat die UNESCO die finnische Saunakultur in ihre Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Wie der ORF damals berichtete, war es der erste finnische Eintrag auf dieser Liste. Wie tief die Sauna im finnischen Alltag verankert ist, zeigen die Zahlen: Die UNESCO nennt rund 3,3 Millionen Saunen bei 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Im Mittelpunkt steht der „Löyly“: So heißt der Dampf, der aufsteigt, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft. Laut UNESCO geht es beim Saunieren darum, Körper und Geist zu reinigen, die Sauna gilt als Ort, um zur Ruhe zu kommen. Ob elektrisch beheizt, mit Holz, als Rauchsauna oder Infrarotkabine: Keine Form gilt als die einzig wahre. Weitergegeben wird das Wissen vor allem in den Familien, aber auch in Saunavereinen und an Universitäten. Ein schönes Detail: Nachdem die alten öffentlichen Stadtsaunen nach den 1950er-Jahren fast verschwunden waren, haben private Initiativen in den vergangenen Jahren wieder neue gebaut.
Und in Deutschland? Auch hierzulande ist das Schwitzen tief verankert. Nach Angaben des Deutschen Sauna-Bunds, die die Apotheken Umschau 2020 zitierte, zählten sich damals rund 32 Millionen Menschen zu den Saunagängern. Es gab etwa 10.000 öffentliche und 1,7 Millionen private Saunen. Gemessen an den absoluten Zahlen seien die Deutschen damit „Sauna-Vizeweltmeister“, sagte Hans-Jürgen Gensow vom Sauna-Bund. Mehr Saunen gibt es demnach nur in Finnland. Der Sauna-Bund selbst wurde 1949 in Bielefeld gegründet und vertritt heute vor allem Saunabetriebe.
Die Regeln: entspannt statt abgearbeitet Der Deutsche Sauna-Bund hat Baderegeln herausgegeben, die in Saunen aushängen, etwa in der Stadt Mengen. Ihr wichtigster Gedanke: Das Saunabad ist kein exakt geregeltes Programm, im Vordergrund steht das eigene Wohlbefinden. Die Grundzüge:
Zeit mitbringen: Ein vollständiges Saunabad dauert etwa zwei Stunden. Nicht hungrig und nicht mit vollem Magen hineingehen. Vorher duschen und gut abtrocknen, denn trockene Haut schwitzt schneller. In der Kabine liegt das Handtuch unter dem ganzen Körper. Acht bis 15 Minuten reichen, die DAK nennt acht bis zwölf. Die letzten zwei Minuten aufsetzen, damit sich der Kreislauf an die aufrechte Haltung gewöhnt. Erst an die frische Luft, dann mit kaltem Wasser abkühlen, danach ruhen. Die DAK empfiehlt rund 30 Minuten Pause. Zwei, höchstens drei Gänge genügen. Mehr Durchgänge steigern die positive Wirkung nach Angaben der Stiftung Warentest nicht. Wichtig ist auch das Trinken: Pro Saunagang verliert der Körper laut DAK etwa einen halben Liter Flüssigkeit. Alkohol gehört nicht dazu: Er weitet die Blutgefäße zusätzlich und beschleunigt den Herzschlag, Warnsignale des Kreislaufs werden dann laut Apotheken Umschau leichter übersehen. Ein Aufguss fühlt sich intensiver an, bringt laut DAK aber nicht automatisch mehr für die Gesundheit.
Was die Sauna für die Gesundheit bedeutet Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick. Sicher ist laut DAK, dass Körper und Geist in der Wärme entspannen und Stress abgebaut werden kann. Dass die Sauna das Immunsystem stärkt, sei dagegen wissenschaftlich nicht belegt. Den Mythos vom „Entschlacken“ räumt die Apotheken Umschau ab: Schweiß enthält nicht mehr Giftstoffe als andere Körperflüssigkeiten.
Spannend ist eine finnische Langzeitbeobachtung, über die das Deutsche Ärzteblatt 2015 berichtete. Forschende um den Kardiologen Jari Laukkanen werteten Daten von Männern mittleren Alters aus, die über mehr als 20 Jahre begleitet wurden. Wer häufiger in die Sauna ging, starb seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weil es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, zeigt sie allerdings einen Zusammenhang und keinen Beweis. In einem begleitenden Kommentar wurde vermutet, dass Menschen, die Zeit für mehrere Saunagänge finden, insgesamt entspannter leben. Ob sich die Ergebnisse auf andere Länder übertragen lassen, ist nach Einschätzung der Apotheken Umschau offen.
Für Gesunde reichen laut DAK ein bis zwei Saunabesuche pro Woche, wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit. Bei Erkältung, Fieber oder akuten Infekten bleibt die Kabine besser zu. Wer Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck, Asthma, Nierenprobleme oder eine andere chronische Erkrankung hat oder Insulin spritzt, sollte vor regelmäßigen Saunabesuchen ärztlichen Rat einholen.
Wärme als Gegenprogramm Vielleicht ist das Schönste an der Saunakultur, dass sie so wenig verlangt: ein Handtuch und etwas Zeit. Die Stiftung Warentest rät sogar ausdrücklich davon ab, nach der Sauna noch Sport zu treiben. Das Saunabad soll der Erholung dienen. An grauen Novemberabenden ist das vielleicht der beste Plan von allen.
Themen: Saunakultur, Sauna, Finnland, Wellness, Gesundheit, Entspannung, UNESCO-Erbe