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Schlüssel statt Schlafsack: Bremer Projekt bringt 58 Wohnungslose in eigene vier Wände
Erst die Wohnung, dann alles andere: In Bremen haben 58 Menschen ein Zuhause gefunden – und die meisten bleiben.
Von Madalina ·
Erst die Wohnung, dann alles andere: Nach diesem Prinzip arbeitet das Bremer Projekt „Housing First“. Zuerst gibt es den Schlüssel für die eigene Wohnung, ohne Vorbedingungen, danach wird gemeinsam angepackt, was sonst noch im Argen liegt. Fünf Jahre nach dem Start fällt die Bilanz ermutigend aus. 58 Menschen, 80 Prozent bleiben 58 Menschen hat das Projekt nach Angaben von Radio Bremen inzwischen ein neues Zuhause vermittelt. Rund 80 Prozent von ihnen halten ihre Wohnung dauerhaft. Für Menschen, die zuvor lange ohne feste Bleibe waren und zwischen Notunterkunft, Freunden und Straße gependelt sind, ist das eine bemerkenswerte Quote. Träger des Projekts ist der Bremer Verein Hoppenbank, gefördert wird es vom Bremer Sozialressort. Die Grundidee ist schlicht: Langzeitwohnungslose bekommen eine dauerhafte Wohnung. Unterstützung gibt es obendrauf – freiwillig und so viel, wie jemand braucht. Ein Zuhause nimmt den Stress Warum der Ansatz trägt, erklärt Projektkoordinator Lukas Rudig ganz pragmatisch: Das Leben auf der Straße, aber auch in Notunterkünften sei von Gewalt und gegenseitigen Diebstählen geprägt. Mit einer eigenen Wohnung könne das Stresslevel sinken, man sei „sicher und geborgen“. Erst von diesem festen Boden aus lassen sich andere Probleme angehen. Allein gelassen wird dabei niemand, der Hilfe möchte: Ein Team aus mehreren Fachleuten bietet den neuen Mieterinnen und Mietern Unterstützung an. „Wir sind immer ansprechbar, wenn irgendwelche Probleme auftreten“, sagt Betreuerin Elke Weinberger. Christines Neuanfang Wie viel eine Tür zum Abschließen verändern kann, zeigt die Geschichte von Christine, 46. Die gelernte Landschaftsgärtnerin konnte ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, ein Neuanfang außerhalb Bremens scheiterte. Zurück in Bremen fand sie keine Wohnung, lebte zeitweise auf einer Parzelle, kam bei Freunden oder in der Notunterkunft unter oder schlief draußen. Über Housing First bekam sie schließlich eine eigene Wohnung. Einmal pro Woche spricht sie mit ihrer Betreuerin; das Team hilft ihr bei Anträgen und begleitet sie zu Terminen beim Jobcenter oder beim Arzt. Heute schaut sie nach vorn: Im März wird sie Großmutter, beruflich möchte sie in den sozialen Bereich wechseln – also in ein Feld, in dem sie selbst Hilfe erfahren hat. Eine Idee aus den USA macht Schule Erfunden wurde Housing First in den USA, inzwischen gibt es entsprechende Projekte in allen Bundesländern. Der Bundesverband Housing First sprach im April 2025 von 40 bis 50 Projekten in Deutschland, die rund 500 Menschen einen Neuanfang ermöglicht hätten. Der Verbandsvorsitzende Kai Hauprich nannte das Konzept „klug, menschenfreundlich und kosteneffizient“ – und schränkte zugleich ein, es mache „nicht reich, gesund und glücklich“. Genau das macht die Bremer Bilanz so sympathisch: Sie verspricht keine Wunder, sondern zeigt, was ein Schlüssel, ein bisschen Geduld und verlässliche Begleitung bewirken können. Für 58 Menschen hieß das bisher: ein eigenes Klingelschild – und für die meisten von ihnen ist es geblieben.
Themen: Housing First, Bremen, Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, Sozialarbeit, Hoppenbank, Zweite Chance
Schlüssel statt Schlafsack: Bremer Projekt bringt 58 Wohnungslose in eigene vier Wände