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Roboter „Tiny“ in der Kita: Wie Vorschulkinder rund um Kiel über Technik mitreden
Rund 80 Vorschulkinder in fünf Kitas haben Roboter „Tiny“ kennengelernt – und klare Wünsche an ihn formuliert.
Von Ulrike ·
Aufräumen soll er. Mitspielen auch. Aber ärgern oder etwas kaputt machen? Auf keinen Fall. Was Vorschulkinder von einem Roboter erwarten, ist erstaunlich klar – das zeigt ein kleines Projekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel. In fünf Kitas in Kiel und Umgebung haben rund 80 Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren sowie 20 pädagogische Fachkräfte den Roboter „Tiny“ kennengelernt, der äußerlich an einen kleinen Panda erinnert.
Erst ausprobieren, dann mitreden Das Projekt heißt „Sozialrobotik in der Kita“ und verbindet zwei Fächer: Informatik und Kindheitspädagogik. In Kleinstgruppen erleben die Kinder, unterstützt von Studierenden, wie ein Roboter funktioniert. Dabei bleibt es nicht beim Zuschauen: Die Kinder schlüpfen selbst in die Rolle des Roboters und „programmieren“ sich gegenseitig. So merken sie ganz nebenbei, dass Programmieren aus vielen kleinen Schritten besteht, die genau nacheinander ablaufen müssen.
Mitinitiator Prof. Jens Lüssem vom Fachbereich Informatik und Elektrotechnik der HAW Kiel bringt den Grundgedanken auf den Punkt: „Wir benötigen Technik, die der Mensch gebrauchen kann.“ Deshalb sollen Kinder ermutigt werden, technische Entwicklungen kritisch zu begleiten. Kindheitspädagogin Prof. Kathrin Hormann ergänzt, man nähere sich dem technischen Thema bewusst auch aus einer sozialen Perspektive.
Was ein Roboter darf – und was er nicht kann Im Mittelpunkt steht deshalb nicht nur die Frage, wie Tiny funktioniert, sondern auch, welche Aufgaben ein Roboter in der Kita übernehmen sollte und welche nicht. Die Vorstellungen der Kinder reichen von praktischer Hilfe wie Aufräumen bis zu gemeinsamen Spielen. Eine Grenze stand für sie fest: Der Roboter soll „nicht ärgern oder etwas kaputt machen“, wie Hormann die Antworten der Kinder wiedergibt.
Und die Kinder entdecken auch, wo die Technik an ihre Grenzen stößt. Verstecken spielen etwa klappt mit Tiny nicht besonders gut – denn der Roboter hat keine eigenen Ideen, sondern braucht Befehle. Eine kleine, aber wichtige Erkenntnis: Maschinen tun nur, was man ihnen sagt.
Neugier statt Berührungsangst Ähnliches beobachtet Silke Mai, Leiterin der städtischen Kita Kreisauer Ring in Kiel-Wellsee, die am Projekt teilgenommen hat. Die Kinder entwickelten Neugier auf die neue Technologie und verlören Berührungsängste, sagt sie. Je mehr Kinder wüssten, desto besser könnten sie Technik kritisch hinterfragen. Ihre Kita hat nach dem Roboterbesuch sogar einen eigenen Tiny angeschafft.
Ein kleines Projekt mit Fortsetzung Die Dimensionen sind bewusst überschaubar: Gefördert wird das Vorhaben mit 7.225 Euro von der KielRegion GmbH und der Landeshauptstadt Kiel. Das Geld kommt aus dem von der Europäischen Union geförderten Programm „Science Comes to Town“, mit dem Kiel gemeinsam mit den Partnerstädten Brest in Frankreich und Split in Kroatien Wissenschaft im Jahr 2026 in den Alltag holt. Die HAW Kiel ist dabei assoziierter Partner. Messbare Lernergebnisse liegen aus dem Kita-Projekt bislang nicht vor; die Erfahrungen beruhen auf den Beobachtungen der Beteiligten.
Damit die Idee nicht nach fünf Kitas endet, sollen die Materialien langfristig ausgeliehen werden können, auch weitere städtische Kitas sollen davon profitieren. Projektleiterin Jana Kärcher von „Science Comes to Town“ fasst den Ansatz so zusammen: „Was man selbst ausprobiert, kann man viel besser begreifen.“
Themen: Roboter Kita, Kinder Technik, Sozialrobotik, Vorschulkinder, HAW Kiel, Bildung, Kiel
Roboter „Tiny“ in der Kita: Wie Vorschulkinder rund um Kiel über Technik mitreden