Mehr Wissen | Kurz erklärt
Richtig lüften im Herbst: Wie Sie Schimmel vorbeugen und dabei Heizenergie sparen
Querlüften statt Kippen, Messen statt Raten: Wie ein paar Minuten am Tag gegen Schimmel helfen und Wärme sparen.
Von Tobias ·
Die Uhren sind zurückgestellt: In der Nacht zum Sonntag, 25. Oktober, ging es von 3 auf 2 Uhr. Draußen wird es früher dunkel, drinnen laufen die Heizkörper wieder. Und genau dann beginnt die Saison, in der sich ein unscheinbarer Mitbewohner bemerkbar macht: die Feuchtigkeit. In einem Vierpersonenhaushalt müssen laut co2online täglich bis zu zwölf Liter davon hinausgelüftet werden – sie entstehen etwa beim Duschen, Kochen und Putzen und über den eigenen Körper. Die gute Nachricht: Gegen zu feuchte Luft hilft ein Mittel, das nichts kostet außer ein paar Minuten Aufmerksamkeit.
Querlüften schlägt Kippen Am wirkungsvollsten ist der kurze Durchzug. Das Informationsprogramm Zukunft Altbau, gefördert vom Umweltministerium Baden-Württemberg, empfiehlt das Querlüften: gegenüberliegende Fenster gleichzeitig weit öffnen, damit feuchte Raumluft rasch gegen trockenere Außenluft getauscht wird. Auch das Umweltbundesamt (UBA) bestätigt, dass der Luftwechsel besonders groß ist, wenn Fenster an gegenüberliegenden Fassaden offen stehen. Nicht jede Wohnung gibt das her, darauf weist die Verbraucherzentrale hin. Wer nur ein Fenster hat, lüftet laut co2online einfach etwas länger.
Einig sind sich die Fachleute beim Kippfenster. „In der Heizperiode sollten die Fenster auf keinen Fall gekippt werden“, schreibt Zukunft Altbau. Der Grund: Durch den schmalen Spalt dauert der Luftaustausch unnötig lange, Wärme geht verloren, und die Wand rund um das Fenster kühlt aus. An dieser kalten Stelle kann sich Feuchtigkeit niederschlagen – das Risiko für Schimmel steigt. Dauerhaft gekippte Fenster treiben laut UBA zudem Energieverbrauch und Heizkosten deutlich in die Höhe.
Wie lange? Das Wetter entscheidet mit Eine feste Minutenzahl gibt es nicht, denn je größer der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, desto schneller tauscht sich die Luft aus. Für Herbst und Frühjahr nennt die Verbraucherzentrale zehn bis 20 Minuten, an kalten oder windigen Wintertagen reichen drei bis fünf. Das UBA rechnet im Winter mit etwa fünf Minuten pro Raum, Zukunft Altbau mit fünf bis zehn. Noch feiner staffelt co2online: im Oktober etwa 20 Minuten, im November rund zehn, von Dezember bis Februar etwa fünf. Kurz gesagt: Je kälter es wird, desto kürzer darf das Fenster offen stehen.
Und wie oft? Die Verbraucherzentrale rät, die Luft mindestens drei- bis viermal am Tag komplett zu erneuern. In Wohn- und Schlafräumen genügen laut Zukunft Altbau meist drei Runden – morgens, mittags, abends. Wer tagsüber außer Haus ist, lüftet zumindest morgens und abends.
Heizung kurz runter, danach wieder hoch Damit nicht zum Fenster hinausgeheizt wird, drehen Sie das Thermostat kurz vor dem Lüften herunter, so empfehlen es UBA, Zukunft Altbau und co2online. Viele elektronische Thermostate erledigen das laut co2online mit einer eigenen Lüftenfunktion, die geöffnete Fenster erkennt. Danach Fenster zu und wieder heizen. Zu stark auskühlen sollte die Wohnung ohnehin nicht: Die Verbraucherzentrale empfiehlt in der Heizperiode tagsüber mindestens 16 bis 18 Grad in allen Wohn- und Schlafräumen. Wer dagegen nicht überheizt, spart: Jedes Grad weniger senkt den Heizenergiebedarf laut Zukunft Altbau um rund sechs Prozent.
Das Hygrometer als kleiner Ratgeber Wer nicht schätzen will, misst. Ein Thermo-Hygrometer gibt es laut Verbraucherzentrale im Baumarkt für wenige Euro. Als Zielbereich nennen UBA und Verbraucherzentrale 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Die Verbraucherzentrale ergänzt, dass Werte, die im Winter regelmäßig über 50 Prozent liegen, die Schimmelgefahr erhöhen. Zukunft Altbau setzt die Obergrenze für die Heizperiode bei 60 bis 65 Prozent an, co2online hält 30 bis 65 Prozent für behaglich. Wichtig bei schlecht gedämmten Wänden: Dort können an kalten Tagen schon 40 Prozent in den Raumecken zu viel sein.
Beschlagene Scheiben sind ein Weckruf Sind die Fenster von innen beschlagen, ist es laut Verbraucherzentrale höchste Zeit zum Lüften. Denn Kondenswasser bildet sich erst, wenn die Luft direkt an der Oberfläche komplett gesättigt ist. Schimmel kann dagegen schon bei 70 bis 80 Prozent Feuchte unmittelbar vor einer Wand wachsen. co2online rät, die Tropfen gleich wegzuwischen: Sie zeigen meist, dass zu wenig gelüftet wurde oder die Raumluft zu kühl ist.
Bad, Küche, Schlafzimmer: die Feuchte-Hotspots Beim Kochen und Duschen entsteht in kurzer Zeit viel Dampf. Das UBA empfiehlt, währenddessen oder direkt danach fünf bis zehn Minuten weit zu lüften und die Tür dabei geschlossen zu halten, damit die Feuchte nicht durch die Wohnung zieht. Nach dem Duschen hilft ein Fensterabzieher für Wände und Boden. Das Schlafzimmer lüften Sie morgens nach dem Aufstehen fünf bis zehn Minuten, die Tür zum kühleren Schlafraum bleibt laut UBA geschlossen. Wäsche trocknet nach Möglichkeit nicht in der Wohnung – und wenn doch, wird eben öfter gelüftet.
So wird aus dem Lüften ein kleines Herbstritual: Fenster weit auf, Heizung kurz runter, ein Blick aufs Hygrometer. Ihre Wände, Ihr Geldbeutel und Ihre Nase werden es Ihnen danken.
Themen: Lüften, Schimmel, Heizkosten, Heizsaison, Luftfeuchtigkeit, Energiesparen, Wohnen, Herbst
Richtig lüften im Herbst: Wie Sie Schimmel vorbeugen und dabei Heizenergie sparen