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Rekordsommer für Lufthansa: 12,2 Milliarden Euro Umsatz und mehr Gewinn trotz teurem Kerosin
Volle Flieger, starke Fracht, gefragte Wartung: Lufthansa meldet Rekordumsatz. Doch nicht alle Zahlen glänzen.
Von Max ·
Reiselust zahlt sich aus: Die Lufthansa Group hat von Juli bis September 2026 so viel umgesetzt wie noch nie in einem einzelnen Quartal. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Auch beim Gewinn ging es aufwärts – und das, obwohl Kerosin deutlich teurer geworden ist. Ein genauerer Blick zeigt allerdings: Nicht jede Konzerntochter hatte einen guten Sommer.
„Das vergangene Quartal war das umsatzstärkste in der Geschichte der Lufthansa Group“, erklärte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der Zahlen am 3. November.
Mehr Gewinn trotz einer halben Milliarde Mehrkosten Das bereinigte operative Ergebnis – die Kennzahl, mit der Lufthansa ihr laufendes Geschäft ohne Sondereffekte misst – kletterte um sechs Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro. Bemerkenswert ist das, weil allein die Treibstoffrechnung im Quartal um 543 Millionen Euro höher ausfiel als ein Jahr zuvor. Hauptgrund für das teure Kerosin ist laut Unternehmen der Konflikt im Nahen Osten.
Dass der Gewinn trotzdem wuchs, liegt an der anhaltend hohen Nachfrage: Die Netzwerk-Airlines steigerten ihre Durchschnittserlöse um 6,8 Prozent, getragen vor allem von der starken Nachfrage nach Premiumtickets sowie auf den Strecken nach Asien und Nordamerika. Unter dem Strich verdiente der Konzern im Quartal knapp 1,3 Milliarden Euro nach 966 Millionen Euro im Vorjahr. Dazu trugen allerdings auch positive Bewertungseffekte bei und ein Vorjahresquartal, das durch einen Steuereffekt belastet war.
Die heimlichen Stars: Fracht und Wartung Die erfreulichsten Zahlen kamen aus zwei Bereichen, die Fluggäste selten sehen. Lufthansa Cargo hat ihr bereinigtes operatives Ergebnis von 49 auf 162 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Die Frachttochter verkaufte mehr Laderaum – unter anderem den der italienischen ITA Airways – und erzielte deutlich höhere Preise.
Auch Lufthansa Technik, die Flugzeuge wartet und repariert, wächst kräftig: Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis um 54 Prozent auf 200 Millionen Euro. Der Zuwachs stammt vor allem aus dem Geschäft mit Kunden außerhalb des Konzerns.
Zufrieden sein können auch SWISS, Austrian Airlines und Brussels Airlines, die ihre Vorjahresergebnisse übertrafen. Das Segment der Punkt-zu-Punkt-Airlines rund um Eurowings, zu dem auch die Beteiligung am Ferienflieger SunExpress zählt, steigerte sein bereinigtes operatives Ergebnis leicht auf 214 Millionen Euro – obwohl Eurowings weniger Flüge anbot: Verbindungen in die Golfregion wurden zeitweise ausgesetzt und durch kürzere Strecken vor allem nach Südeuropa ersetzt.
Wo es noch hakt Die Kernmarke Lufthansa Airlines blieb dagegen hinter dem Vorjahr zurück. Nach Angaben von Euronews sank ihr bereinigtes operatives Ergebnis um ein Drittel auf 300 Millionen Euro. Neben dem Kerosin belasteten sie Folgekosten von rund 65 Millionen Euro aus Streiks im ersten Halbjahr. Spohr kündigte an, die finanzielle Wende bei der Kernmarke beschleunigen zu wollen. Sparmaßnahmen laufen bereits: Unter anderem wurden bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen, und der geplante Abbau von 4.000 Stellen in der Verwaltung bis 2030 bleibt bestehen.
Auch über die ersten neun Monate betrachtet fällt die Bilanz gemischt aus: Der Umsatz wuchs um acht Prozent, der Nettogewinn lag laut Euronews jedoch 35 Prozent unter dem Vorjahreswert – vor allem wegen eines schwachen ersten Halbjahres.
Vorsichtigerer Ausblick, solides Fundament Für das Gesamtjahr erwartet Lufthansa nun ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro. Bisher lag das obere Ende der Spanne bei 2,2 Milliarden Euro. Der Grund ist wieder das Kerosin: Die Treibstoffrechnung für 2026 dürfte auf 9,3 Milliarden Euro steigen, rund zwei Milliarden Euro mehr als 2025. Gegen weitere Preissprünge hat sich der Konzern abgesichert – für 2026 zu rund 86 Prozent, für 2027 zu mehr als 60 Prozent.
Finanziell steht die Airline-Gruppe stabiler da als zum Jahreswechsel: Die Nettoverschuldung einschließlich Pensionen sank bis Ende September von 8,3 auf 7,3 Milliarden Euro, die verfügbare Liquidität liegt bei 11,8 Milliarden Euro. Finanzvorstand Till Streichert rechnet für das vierte Quartal mit einem gesunden Nachfrageumfeld.
Die gute Nachricht dieses Sommers ist also weniger ein einzelner Rekord als ein Beleg für Widerstandskraft: Viele Menschen wollen reisen, Fracht und Wartung sind gefragt – und das reicht, um einen kräftigen Kostenschub mehr als auszugleichen.
Themen: Lufthansa, Luftfahrt, Quartalszahlen, Wirtschaft, Kerosin, Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Eurowings
Rekordsommer für Lufthansa: 12,2 Milliarden Euro Umsatz und mehr Gewinn trotz teurem Kerosin