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Rechnerisch Strom für eine Million Haushalte: Ostsee-Windpark Gennaker nimmt Gestalt an
Vor Fischland-Darß-Zingst stehen die beiden Umspannplattformen – der künftig leistungsstärkste Windpark der deutschen Ostsee kommt voran.
Von Firas ·
Vor der Küste von Fischland-Darß-Zingst wird gebaut. Rund 15 Kilometer nördlich der Halbinsel entsteht ein Projekt, das die Windkraft in der deutschen Ostsee kräftig nach vorn bringen soll: der Offshore-Windpark Gennaker. Jetzt ist ein wichtiger Zwischenschritt geschafft – die beiden Umspannplattformen „Darß“ und „Zingst“ stehen. Zwei Stromknoten mitten im Meer Die Plattformen sind so etwas wie die Herzkammern des künftigen Windparks. Bei ihnen laufen die Kabel der Turbinen zusammen, und sie heben die Spannung von 66 auf 220 Kilovolt an, damit der Strom verlustarm an Land fließen kann. Sie gehören zum Netzanbindungssystem, das der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz baut. Installiert wurden sie mit der „Pioneering Spirit“ des Offshore-Dienstleisters Allseas, einem der größten Offshore-Installationsschiffe der Welt – über 380 Meter lang. Nach Angaben von 50Hertz wurden zuerst die Unterkonstruktionen am Meeresboden verankert, dann die Aufbauten daraufgesetzt. Noch fehlen die Seekabel und die Verbindung zum Umspannwerk Gnewitz im Landkreis Rostock. Über das Netzanbindungssystem mit dem nüchternen Namen OST-6-1 sollen dann bis zu 927 Megawatt ans Festland übertragen werden. 63 Turbinen, fast ein Gigawatt Entwickelt wird Gennaker vom Unternehmen Skyborn Renewables, die Stadtwerke München sind mit einem Viertel beteiligt. Geplant sind 63 Windräder von Siemens Gamesa mit jeweils bis zu 15,5 Megawatt Leistung, zusammen 976,5 Megawatt. Pro Jahr sollen sie nach Angaben von Skyborn rund 3,8 Terawattstunden Strom erzeugen – rechnerisch genug für etwa eine Million Haushalte. Fundamente und Turbinen sollen 2027 und 2028 installiert werden, bis Ende 2028 soll der Park vollständig in Betrieb gehen. Auch die Finanzierung steht: Im September erreichte Skyborn den sogenannten Financial Close, alle wesentlichen Verträge sind damit unter Dach und Fach. Zu den Geldgebern gehört die Europäische Investitionsbank. Insgesamt sollen mehr als drei Milliarden Euro investiert werden. Ein großer Sprung für die Ostsee Wie groß der Schritt ist, zeigt ein Vergleich. Ende September waren in der deutschen Ostsee nach einer Auswertung des Branchendienstes IWR 2.143 Megawatt Offshore-Windleistung in Betrieb. Gennaker würde diesen Bestand rechnerisch um rund 46 Prozent erhöhen und wäre zugleich der leistungsstärkste Windpark der deutschen Ostsee. Bundesweit waren Ende September 1.813 Offshore-Anlagen mit zusammen rund 11,6 Gigawatt in Betrieb, der Großteil davon in der Nordsee. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank nannte Gennaker beim Finanzierungsabschluss ein zentrales Energieprojekt für das Land und für Deutschland. Nicola Beer, Vizepräsidentin der Europäischen Investitionsbank, sieht darin ein Beispiel dafür, wie Europa seine Ziele für saubere Energie in echten Nutzen für die Menschen übersetzt. Was als Nächstes passiert Bis sich die ersten Rotoren drehen, braucht es noch etwas Geduld. Doch mit den beiden Plattformen steht ein zentraler Teil der Netzanbindung. Für die Energiewende ist das eine gute Nachricht: Strom für rechnerisch rund eine Million Haushalte soll künftig direkt vor der Ostseeküste entstehen.
Themen: Windpark Gennaker, Offshore-Windenergie, Ostsee, Energiewende, Erneuerbare Energien, Mecklenburg-Vorpommern, Grüner Strom
Rechnerisch Strom für eine Million Haushalte: Ostsee-Windpark Gennaker nimmt Gestalt an