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Quantentechnologien: Firmen wollen einstellen – warum das ein Berufsfeld mit Zukunft ist
Mehr als 60 Prozent der Unternehmen aus der Quantentechnologie wollen zusätzliches Forschungspersonal einstellen. Eine Studie zeigt, was in der Ausbildung noch fehlt.
Von Firas ·
Quantencomputer, abhörsichere Kommunikation, hochpräzise Sensoren: Was lange nach Science-Fiction klang, wird in Deutschland zunehmend zum Arbeitsplatz. Eine neue Studie des Stifterverbands und der SV Wissenschaftsstatistik zeigt, dass viele Unternehmen in diesem Feld zusätzliches Personal suchen – und dass die Hochschulen dafür fachlich schon vieles richtig machen. Vor allem an einer Stelle hakt es: beim Ausprobieren.
Was sind Quantentechnologien überhaupt? Sie nutzen Effekte der Quantenphysik, also der Regeln, nach denen sich die kleinsten Bausteine der Natur verhalten. Ein Beispiel: Ein herkömmlicher Computer rechnet mit Bits, die entweder 0 oder 1 sind – Strom an oder aus. Ein Quantenbit, kurz Qubit, kann dagegen Überlagerungen aus 0 und 1 einnehmen. Das erlaubt es, bestimmte Rechenaufgaben parallel anzugehen, etwa schwierige Optimierungsprobleme wie die Steuerung von Verkehrsflüssen.
Neben dem Rechnen gibt es zwei weitere große Anwendungsfelder. Quantensensoren sollen Messungen deutlich verbessern – etwa bei der Beobachtung von Veränderungen der Wasservorkommen auf der Erde oder bei neuen Bildgebungsverfahren für die medizinische Diagnostik. Die Quantenkommunikation soll Datenübertragung abhörsicher machen. Ganz alltagstauglich ist das alles noch nicht: Quantenrechner müssen bis nahe an den absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius gekühlt und gegen Erschütterungen abgeschirmt werden. Einen Quantenchip im Smartphone wird es deshalb vorerst nicht geben.
Unternehmen planen Neueinstellungen Für die Studie wurden unter anderem Daten von Unternehmen mit Bezug zu Quantentechnologien ausgewertet. Das Ergebnis: 61,5 Prozent dieser Firmen planen, zusätzliches Personal für Forschung und Entwicklung einzustellen. Bei anderen forschenden Unternehmen sind es 43 Prozent.
Die gute Nachricht dabei: Gesucht werden nicht nur hochspezialisierte Quantenfachleute. Gefragt sind auch Absolventinnen und Absolventen aus Physik, Informatik, Mathematik und den Ingenieurwissenschaften, die Kenntnisse über Quantentechnologien mitbringen. Hinzu kommt technisches Personal ohne Hochschulabschluss, das etwa Labore und Anlagen betreibt.
Trotz der geplanten Neueinstellungen rechnen die Unternehmen nicht mit einem überdurchschnittlichen Fachkräftemangel. Dabei hilft der Blick über die Grenzen: 21,4 Prozent des Forschungspersonals in diesen Unternehmen haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, mehr als doppelt so viel wie in anderen forschenden Firmen.
Gute Grundlagen, zu wenig Laborpraxis Für die Lehre werteten die Fachleute Vorlesungsverzeichnisse großer deutscher Universitäten aus. Gut die Hälfte der Lehrveranstaltungen mit Bezug zu Quantentechnologien gehört zur Physik und Astronomie, rund ein Viertel zu den Ingenieurwissenschaften.
„Die Hochschulen vermitteln bereits viele der fachlichen Grundlagen, die für Quantentechnologien benötigt werden“, sagt Andreas Land, Programmmanager beim Stifterverband und verantwortlich für die Studie. Was fehlt, ist die Praxis: 47 Prozent der Kurse sind Vorlesungen, aber nur knapp 8 Prozent sind Formate wie Praktika, Projekte oder Laborarbeit. In den Vergleichsfächern liegt dieser Anteil bei 13,4 Prozent. Unternehmen berichten entsprechend, dass Absolventinnen und Absolventen oft wenig praktische Erfahrung mitbringen.
Die Hochschulen selbst erwarten, dass Quantentechnologien in den kommenden fünf Jahren wichtiger werden. Geplant sind dort vor allem Schwerpunkte innerhalb bestehender Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Weiterbildungsangebote, weniger ganz neue Studiengänge.
Was jetzt passieren soll Die Studie empfiehlt vier Schritte: mehr praxisnahe und fächerübergreifende Lehre, bei der Physik, Informatik und Ingenieurwissenschaften enger zusammenarbeiten; gute Übergänge in den Arbeitsmarkt und Unterstützung vor allem kleinerer Unternehmen bei der internationalen Gewinnung von Fachkräften; eine stärkere MINT-Bildung von der Schule über die berufliche Bildung bis zur Weiterbildung; und eine langfristig abgesicherte, besser abgestimmte Forschungsförderung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Für junge Menschen, die gerade über ihre Studien- oder Berufswahl nachdenken, ist die Botschaft ermutigend: Wer Physik, Informatik, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften mag, muss kein Quantengenie sein, um in diesem Zukunftsfeld gebraucht zu werden.
Themen: Quantentechnologien, Quantencomputer, Fachkräfte, Hochschulen, Studium, MINT, Stifterverband, Zukunftsberufe
Quantentechnologien: Firmen wollen einstellen – warum das ein Berufsfeld mit Zukunft ist