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PRIMA in Europa zugelassen: Netzhautchip ermöglicht neues Sehen
Ein nur zwei Millimeter kleiner Chip kann bei schwerer trockener AMD künstliches zentrales Sehen erzeugen. Nach der CE-Kennzeichnung rückt die Technologie nun in Europas Versorgung.
Von Andre ·
Winziger Netzhautchip kann Menschen mit schwerer AMD beim Lesen helfen Eine Zahl erkennen, ein Wort entziffern, eine Zeile lesen: Was selbstverständlich klingt, ist für Menschen mit fortgeschrittener altersbedingter Makuladegeneration oft nicht mehr möglich. Nun hat das Netzhautimplantat PRIMA die europäische CE-Kennzeichnung erhalten. Damit darf das System bei schwer sehbehinderten Erwachsenen mit geografischer Atrophie infolge trockener AMD eingesetzt werden.
Bei dieser Erkrankung sterben lichtempfindliche Zellen im Zentrum der Netzhaut ab. Das periphere Sehen kann erhalten bleiben, doch genaues Erkennen, Lesen und das Wahrnehmen von Gesichtern werden zunehmend schwieriger.
PRIMA soll einen Teil dieser verlorenen Funktion technisch ersetzen. Das Implantat misst nur 2 × 2 Millimeter, ist 30 Mikrometer dünn und enthält 378 lichtbetriebene Pixel. Es wird unter die geschädigte Netzhaut eingesetzt. Eine Spezialbrille nimmt Bilder auf und projiziert sie als Nahinfrarotlicht auf den Chip. Dieser wandelt das Licht in elektrische Impulse um und stimuliert verbliebene Netzhautzellen. Über Zoom und Kontrastverstärkung lässt sich beispielsweise Schrift vergrößern.
Die entscheidende Studie umfasste 38 Menschen an 17 Kliniken in fünf europäischen Ländern. Nach zwölf Monaten konnten 32 Personen ausgewertet werden. 26 von ihnen verbesserten ihre Sehschärfe um mindestens zehn Buchstaben auf einer standardisierten Sehtafel. Im Durchschnitt betrug der Zugewinn rund 25 Buchstaben – mehr als fünf Sehzeilen. 84 Prozent berichteten, PRIMA zu Hause zum Lesen von Buchstaben, Zahlen oder Wörtern genutzt zu haben.
Das bedeutet allerdings keine Rückkehr zu natürlichem Sehen. PRIMA erzeugt ein begrenztes künstliches Zentralbild, erfordert intensives Training und kommt nur für bestimmte Betroffene infrage. Zudem wurden bei 19 Teilnehmenden insgesamt 26 schwerwiegende, mit Operation oder System zusammenhängende Ereignisse dokumentiert. Die meisten traten kurz nach dem Eingriff auf und klangen wieder ab; vier Ereignisse wurden als schwer eingestuft.
Auch die CE-Kennzeichnung bedeutet nicht, dass die Behandlung sofort flächendeckend verfügbar oder von den Krankenkassen bezahlt wird. Kliniken müssen vorbereitet und Erstattungsfragen geklärt werden. Nach Angaben des Herstellers könnte die erste reguläre Implantation dennoch schon bald in Deutschland erfolgen.
PRIMA in Europa zugelassen: Netzhautchip ermöglicht neues Sehen