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Premiere in Würzburg: Kleineres Kunstherz gibt Herzpatienten ein Stück Alltag zurück
Ein 60-Jähriger lebt mit einer neuen, leichteren Herzpumpe – und möchte bald wieder durch den heimischen Weinberg gehen.
Von Ulrike ·
Wenn das Herz nicht mehr genug Kraft hat, wird der Alltag schnell zur Hürde. Ein 60-jähriger Mann aus Bayern mit weit fortgeschrittener Herzschwäche hat nun neue Hoffnung: Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) bekam er im August als erster Patient des Hauses ein neuartiges Herzunterstützungssystem eingesetzt. Inzwischen hat er seine Reha abgeschlossen, und laut Klinik geht es ihm sehr gut. Sein nächstes Ziel klingt bescheiden und ist doch viel: „Ich möchte wieder durch den heimischen Weinberg gehen“, sagt er.
Eine Pumpe, die dem Herzen hilft – nicht es ersetzt Was umgangssprachlich „Kunstherz“ heißt, ist in diesem Fall ein sogenanntes linksventrikuläres Unterstützungssystem, kurz LVAD. Die kleine Pumpe wird in die linke Herzkammer eingesetzt und befördert Blut zusätzlich zum eigenen Herzschlag in den Kreislauf. Das schwache Herz arbeitet also weiter, wird aber entlastet. Wichtige Organe werden dadurch wieder besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Klinikdirektorin Prof. Dr. Gloria Färber von der Klinik für Herz-, Thorax- und Thorakale Gefäßchirurgie fasst es so zusammen: Die gesamte Herzleistung werde normalisiert und das eigene Herz zugleich entlastet.
Strom bekommt die Pumpe von außen: Ein Steuergerät und Akkus tragen die Patientinnen und Patienten in einer kleinen Tasche bei sich. Verbunden ist beides über ein Kabel, die sogenannte Driveline, die durch die Bauchdecke nach außen führt.
Kleiner, leichter, dünneres Kabel Das in Würzburg eingesetzte System heißt BrioVAD und stammt vom Hersteller BrioHealth. Seine Vorteile sieht das Klinikteam vor allem in der geringen Größe, dem niedrigen Gewicht und der einfachen Bedienung. „Es ist einfacher als ein Handy zu bedienen“, sagt Färber. Oberarzt Dr. Dejan Radakovic hebt außerdem die neue Driveline hervor, die deutlich dünner und flexibler ist als bisher. Das soll den Alltag leichter machen.
Das Kabel ist kein Nebendetail. Die Stelle, an der es aus dem Körper tritt, bleibt dauerhaft eine offene Wunde und damit eine Eintrittspforte für Keime. Patientenratgeber wie der des Herzzentrums Lahr widmen der Wundpflege deshalb viel Raum. Forschende am Universitätsklinikum Utrecht (UMC Utrecht), das im Juni 2026 als erstes Zentrum in Europa ein BrioVAD implantierte, halten es für möglich, dass das dünnere Kabel das Infektionsrisiko senkt. Belegt ist das noch nicht.
Würzburg unter den ersten in Europa Das UKW gehört als Studienzentrum zu den ersten zehn Kliniken in Europa, die das System einsetzen. In Deutschland ist es bislang an drei Kliniken verfügbar. Die europäische Studie, an der laut UMC Utrecht zehn Zentren beteiligt sind, soll Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung der Pumpe untersuchen – und auch, wie Patientinnen und Patienten im Alltag damit zurechtkommen. In den USA wurde das System laut UMC Utrecht bereits bei mehr als 100 Menschen eingesetzt.
Brücke, Dauerlösung oder Atempause Herzunterstützungssysteme kommen bei weit fortgeschrittener Herzschwäche zum Einsatz. Sie können die Wartezeit auf ein Spenderherz überbrücken, das Herz dauerhaft unterstützen oder ihm Zeit geben, sich zu erholen. Welches Ziel im Würzburger Fall verfolgt wird, nennt die Klinik nicht. Wer ein solches System bekommt, wird ausführlich geschult und anschließend regelmäßig in einer spezialisierten VAD-Ambulanz kontrolliert.
Wichtig zur Einordnung: Die Würzburger Premiere ist zunächst ein einzelner, erfolgreich verlaufener Eingriff. Ergebnisse der Studie zu Komplikationen und Langzeitverlauf stehen noch aus. Für den Patienten aus Bayern aber zählt schon jetzt etwas Handfestes: ein Leben, in dem der Weg in den Weinberg wieder in Reichweite liegt.
Themen: Kunstherz, Herzschwäche, LVAD, Herzunterstützungssystem, Uniklinikum Würzburg, Herzchirurgie, Medizintechnik, Bayern
Premiere in Würzburg: Kleineres Kunstherz gibt Herzpatienten ein Stück Alltag zurück