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Positiv denken – aber richtig: Wie realistische Zuversicht Körper und Psyche stärkt
Positive Gedanken sind kein Zaubertrick. Realistische Zuversicht kann Stimmung, Verhalten und Gesundheit stärken.
Von Max ·
Positiv denken – aber richtig: Wie realistische Zuversicht Körper und Psyche stärkt Manchmal genügt ein einziger Gedanke, und aus einem überschaubaren Problem wird im Kopf eine kleine Katastrophe. „Das schaffe ich nie.“ „Bestimmt geht alles schief.“ „Warum passiert so etwas immer mir?“ Unser Gehirn kann ziemlich überzeugende Drehbücher schreiben – nur sind sie nicht zwangsläufig wahr.
Die gute Nachricht: Wie wir eine Situation gedanklich bewerten, lässt sich zumindest teilweise beeinflussen. Und genau darin liegt eine überraschend wirksame Möglichkeit, mit Stress, Sorgen und Rückschlägen besser umzugehen.
Positiv denken heißt nicht, Probleme schönzureden Psychologisch sinnvoll ist nicht das Motto „Alles ist super“. Viel hilfreicher ist eine nüchterne Frage: Ist das, was ich gerade denke, wirklich die einzig mögliche Erklärung?
Dieser Ansatz spielt auch in der kognitiven Verhaltenstherapie eine zentrale Rolle. Gedanken, Gefühle und Verhalten beeinflussen sich gegenseitig. Wer einen automatischen negativen Gedanken bemerkt, ihn überprüft und durch eine realistischere Einschätzung ersetzt, kann ungünstige Gedankenspiralen unterbrechen. Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt dafür beispielsweise das Prinzip „erkennen, überprüfen, verändern“.
Aus „Ich werde das garantiert vermasseln“ muss deshalb keineswegs „Ich werde sensationell erfolgreich sein“ werden. Oft reicht schon: „Ich weiß noch nicht, wie es ausgeht. Aber ich kann mich vorbereiten und mein Bestes tun.“
Das klingt weniger spektakulär – ist aber deutlich glaubwürdiger.
Optimismus scheint sogar mit Gesundheit zusammenzuhängen Interessant wird es, wenn Forschende den Blick über die Stimmung hinaus richten. Eine große Metaanalyse mit mehr als 229.000 Menschen fand einen Zusammenhang zwischen höherem Optimismus und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse sowie einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit. Wichtig: Solche Beobachtungsstudien beweisen nicht, dass optimistische Gedanken allein die Ursache sind.
Eine Untersuchung mit mehr als 159.000 Frauen kam ebenfalls zu bemerkenswerten Ergebnissen: Frauen mit besonders hohen Optimismuswerten hatten im Durchschnitt eine längere Lebensspanne als Teilnehmerinnen mit niedrigen Werten. Ein Teil des Zusammenhangs ließ sich durch Lebensstilfaktoren erklären.
Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt dieses Muster: Hoffnung und Optimismus waren mit gesundheitsförderlichem Verhalten verbunden. Menschen mit positiveren Zukunftserwartungen bewegten sich beispielsweise eher gesundheitsbewusst durchs Leben – wobei auch hier ein Zusammenhang noch keine eindeutige Ursache beweist.
Kann man Zuversicht tatsächlich trainieren? Zumindest in gewissen Grenzen offenbar ja.
Eine der besser untersuchten Übungen nennt sich „Best Possible Self“ . Dabei stellt man sich möglichst konkret vor, wie das eigene Leben aussehen könnte, wenn wichtige Dinge gut laufen und man seine Ziele erreicht. Eine Metaanalyse von 29 Studien mit rund 2.900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand kleine bis moderate Verbesserungen bei Optimismus, Wohlbefinden und positiven Gefühlen.
Auch neuere experimentelle Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass solche Übungen kurzfristig positive Zukunftserwartungen und Stimmung verbessern können.
Der vielleicht hilfreichste Gedanke ist nicht der positivste Es geht also nicht darum, schlechte Tage in Gedanken rosa anzumalen. Traurigkeit, Ärger, Angst oder Enttäuschung gehören zum Leben. Werden solche Gefühle systematisch heruntergespielt oder verdrängt, sprechen Forschende zunehmend von „toxischer Positivität“.
Die sinnvollere Alternative ist realistische Zuversicht : Schwierigkeiten ernst nehmen, ohne automatisch vom schlimmsten Ausgang auszugehen.
Beim nächsten inneren „Das geht garantiert schief“ könnte deshalb eine kleine Gegenfrage genügen:
„Weiß ich das wirklich – oder erzählt mein Kopf gerade nur eine besonders dramatische Geschichte?“
Manchmal beginnt positives Denken genau dort.
Positiv denken – aber richtig: Wie realistische Zuversicht Körper und Psyche stärkt