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Pilz statt Polyester: Forschende entwickeln selbstheilenden Stoff
Ein neuartiges Textil aus lebenden Pilzfäden kann seine Oberfläche erneuern, Schäden schließen und Schmutzwasser abperlen lassen. Noch ist es ein Prototyp – doch sein Potenzial reicht von Mode bis Verpackung.
Von Max ·
Dieses Textil lebt – und kann Schäden einfach nachwachsen lassen Ein Riss, der sich mithilfe lebender Pilzfäden wieder schließt. Eine Oberfläche, auf der Wassertropfen samt Schmutz abperlen. Und Farben, die nicht aus klassischen Textilfärbereien stammen: Was wie Zukunftsmode klingt, ist in Shenzhen bereits als Prototyp entstanden.
Ein Forschungsteam der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat aus dem Pilz Cordyceps militaris flexible, biologisch aktive Stoffbahnen entwickelt. In einer Nährlösung bildet der Pilz kleine Kugeln aus dicht verflochtenen Fäden – sogenannten Hyphen. Diese werden in Formen verteilt und schonend getrocknet. Glycerin macht das zunächst spröde Material biegsam, sodass es sich falten, schneiden und vernähen lässt. Zusätzliche Gerüste oder Klebstoffe sind nicht nötig.
Bemerkenswert ist, dass Teile des Pilzgeflechts dabei lebensfähig bleiben. Erhält die Oberfläche Feuchtigkeit und Nährstoffe, wachsen neue Hyphen. Größere Risse können geschlossen werden, indem frisches Pilzmaterial in die beschädigte Stelle eingesetzt wird. Die Selbstheilung geschieht also nicht völlig von allein – sie benötigt Wasser, Nährstoffe und eine Art biologischen Flicken.
Die nachwachsenden Pilzfäden bilden zudem eine stark wasserabweisende Oberfläche. Flüssigkeit erreicht darauf einen Kontaktwinkel von rund 145 Grad und perlt mitsamt Verschmutzungen leichter ab. Andere Mikroorganismen erweitern die Funktionen: gentechnisch angepasste Hefen erzeugten verschiedene Farben, während eine melaninhaltige Schicht aus Schwarzschimmel UV-Strahlung absorbierte.
Aus mehreren Varianten fertigte das Team ein Kleid als Anschauungsobjekt. Ein kleiner Behälter aus dem Material zersetzte sich im Erdreich innerhalb von 41 Tagen nahezu vollständig. Das macht die Entwicklung besonders für Verpackungen, Ausstellungen oder kurzzeitig genutzte Textilien interessant.
Alltagstaugliche Pilzkleidung steht dennoch nicht unmittelbar bevor. Waschbarkeit, Hautverträglichkeit, Abriebfestigkeit, dauerhafte Stabilität und industrielle Herstellung müssen erst geprüft werden. Auch eine belastbare Umweltbilanz im großen Maßstab fehlt bislang. Doch die Studie zeigt, wie Materialien künftig nicht nur produziert, sondern regelrecht kultiviert werden könnten.
Pilz statt Polyester: Forschende entwickeln selbstheilenden Stoff