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Organspende: 772 Spender bis September – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr
Die Zahl der Organspender in Deutschland steigt leicht. Doch rund 8.000 Menschen warten weiter auf ein neues Organ.
Von Denise ·
Es ist ein kleiner Schritt, aber einer in die richtige Richtung: Von Januar bis September 2026 haben in Deutschland 772 Menschen nach ihrem Tod Organe gespendet. Das sind 28 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, ein Plus von 3,8 Prozent. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist das der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre.
Die Zahlen hat die DSO am 29. Oktober zum Auftakt ihres 22. Jahreskongresses in Frankfurt am Main vorgestellt. Die Stiftung ist die gesetzlich beauftragte Koordinierungsstelle für die Organspende nach dem Tod in Deutschland.
Mehr Organe für Menschen auf der Warteliste Auch bei den Organen selbst geht es aufwärts. In den ersten neun Monaten wurden über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant 2.373 Organe aus Deutschland vermittelt und im In- oder Ausland transplantiert. Im Vorjahreszeitraum waren es 2.258.
„Der positive Trend aus dem vergangenen Jahr setzt sich erfreulicherweise fort“, sagte Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. Zugleich bremste er die Freude: Die Zahl der Spenden bleibe deutlich hinter dem zurück, was nötig wäre.
Rund 8.000 Menschen warten Denn die Warteliste ist lang. Rund 8.000 Menschen in Deutschland hoffen derzeit auf ein Spenderorgan. Zwar nähert sich Deutschland laut Rahmel inzwischen einem Wert von etwa zwölf Spendern pro Million Einwohner. Im internationalen Vergleich könne das Land damit aber noch nicht aufholen.
Einen wichtigen Grund sieht die DSO darin, dass viele Menschen ihre Haltung nie festgehalten haben. Nur etwa 40 Prozent haben eine Entscheidung zur Organspende getroffen und dokumentiert, bei Jüngeren ist es weniger als ein Drittel. Von denen, die sich festgelegt haben, sagen im Schnitt etwa drei von vier Ja. Fehlt eine Erklärung, müssen die Angehörigen entscheiden – und das in einer ohnehin schweren Situation. Das ist in etwa zwei Dritteln der Fälle so. Die Angehörigen lehnen dann mehrheitlich ab, in etwa jedem fünften Fall wissen sie nicht, was die verstorbene Person gewollt hätte.
Wie sehr eine klare Entscheidung entlasten kann, schilderte beim Kongress die Schauspielerin Helene Grass. Ihr Mann starb im November 2025 nach einem plötzlichen Herzstillstand. Er hatte seine Zustimmung zur Organspende dokumentiert. „Seine Entscheidung gab uns Sicherheit“, sagte sie.
Neue Technik schont Spendernieren Gute Nachrichten gibt es auch aus der Medizintechnik: Seit Anfang 2026 setzt die DSO bundesweit die sogenannte Maschinenperfusion für Spendernieren ein. Dabei werden die Organe auf dem Weg zur Transplantation fortlaufend mit einer gekühlten Konservierungslösung durchspült, statt nur auf Eis gelagert zu werden. Nach Angaben des Kaufmännischen DSO-Vorstands Thomas Biet kam das Verfahren bisher bei mehr als 500 Nieren zum Einsatz.
Politisch wird derweil erneut über eine Widerspruchsregelung diskutiert, nach der grundsätzlich jeder Mensch Spender wäre, der zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. Die DSO begrüßt die Debatte. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, mahnte beim Kongress, Kliniken müssten personell, organisatorisch und finanziell in der Lage sein, diese Aufgabe zu erfüllen.
So lässt sich die eigene Entscheidung festhalten Wer seine Haltung dokumentieren möchte, hat zwei einfache Wege. Den Organspendeausweis gibt es kostenlos beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, online zum Ausfüllen oder als Karte. Möglich ist dort ein Ja (auch mit Einschränkungen), ein Nein oder die Benennung einer Person, die entscheiden soll. Weil der Ausweis nirgends registriert wird, sollte man ihn bei sich tragen und die Angehörigen informieren.
Seit dem 18. März 2024 gibt es zudem das Organspende-Register. Dort kann jeder ab 16 Jahren seine Erklärung freiwillig und kostenlos online hinterlegen – über die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises oder die App der Krankenkasse. Die Erklärung lässt sich jederzeit ändern, gültig ist immer die neueste.
Die Zahlen aus diesem Herbst zeigen: Es bewegt sich etwas. Damit mehr Menschen auf der Warteliste ein Organ bekommen, braucht es aber vor allem eines – mehr dokumentierte Entscheidungen.
Themen: Organspende, Organspender, Organspendeausweis, Organspende Register, Organtransplantation, Widerspruchsregelung
Organspende: 772 Spender bis September – so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr