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Noch einmal ans Meer: Ehrenamtliche erfüllen seit 2014 letzte Wünsche
Die Füße noch einmal in den Sand, ein letztes Spiel im Stadion: Seit 2014 fahren Ehrenamtliche des ASB-Wünschewagens schwerstkranke Menschen kostenfrei an ihren Wunschort. Bis Mai 2024 waren es nach Angaben des Trägers über 2.800 Fahrten.
Von Madalina ·
Heute ist Allerheiligen. In Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist der Tag gesetzlicher Feiertag, morgen folgt Allerseelen, an dem katholische Christinnen und Christen aller Verstorbenen gedenken. Viele schmücken in diesen Tagen Gräber mit Tannenzweigen und stellen Lichter auf. Es sind Tage des Erinnerns. Und vielleicht auch ein guter Anlass, auf ein Projekt zu schauen, das sich nicht um das Danach kümmert, sondern um die letzten Tage davor.
Der ASB-Wünschewagen bringt Menschen in ihrer letzten Lebensphase noch einmal dorthin, wo sie hinwollen: ans Meer, ins Stadion, zu einem Konzert, zur Familie oder einfach nach Hause. Das Ziel bestimmen die Fahrgäste selbst. Für sie und ihre Begleitpersonen ist die Fahrt kostenfrei.
Ein Gedanke aus dem Ruhrgebiet Die Idee entstand 2014 beim Regionalverband Ruhr des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Vorbild war unter anderem die niederländische Stiftung Ambulance Wens, mit der der ASB bis heute im Austausch steht. Nach eigenen Angaben war der ASB die erste Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation in Deutschland, die ein solches Angebot auf die Straße brachte.
Zehn Jahre später, im Mai 2024, feierte das Projekt sein Jubiläum auf der Zeche Zollverein in Essen und zog Bilanz: über 2.800 Wunschfahrten, mehr als 500.000 gefahrene Kilometer, 23 Standorte und fast 2.000 ehrenamtliche Wunscherfüller:innen bundesweit. Diese Zahlen stammen vom Träger selbst; eine neuere bundesweite Gesamtzahl nennt der ASB auf seiner Website nicht. Beim jüngsten Netzwerktreffen im September 2026 am Nürburgring kamen 160 Haupt- und Ehrenamtliche aus 21 Standorten zusammen, laut ASB das bislang größte bundesweite Treffen dieser Art.
Füße im Sand, ein Stück Erdbeertorte Was sich Menschen am Ende wünschen, ist oft überraschend schlicht. Der ASB nennt als Beispiele Zeit mit den Füßen im Sand oder ein Stück Erdbeertorte. Wie vielfältig die Ziele sind, zeigt ein Bericht des ASB in Nordrhein-Westfalen: Allein dort erfüllten die Teams 2025 nach eigenen Angaben 396 Wünsche, legten 86.379 Kilometer zurück und wurden von 306 Ehrenamtlichen getragen. Unter den Zielen: Norderney und Sylt, die niederländische Küste von Zandvoort bis Domburg, der Kahle Asten im Sauerland und Basel.
Der Bericht beschreibt auch, wie unterschiedlich die Aufgaben sind. Ein schwer krebskranker Mann wollte noch einmal ein Spiel seines Lieblingsvereins sehen, der Wunsch wurde erfüllt. Eine Frau im Hospiz wollte sich in ihrer eigenen Wohnung verabschieden, die im zweiten Stock liegt. Das Team klärte vorab, wie der Transport über die Treppe würdevoll gelingen kann. Und für eine Fahrt zu einer Hochzeit mussten Ehrenamtliche gefunden werden, die genau an diesem Tag Zeit hatten.
Musik an Bord, Notfallausrüstung auch Die Fahrzeuge sind für diese Fahrten umgebaut: mit besonderen Stoßdämpfern, Musikanlage, einem eigenen Licht- und Farbkonzept und verspiegelten Rundumfenstern. Zugleich ist notfallmedizinische Ausrüstung an Bord.
Denn hinter der Leichtigkeit steckt viel Sorgfalt. Vor jeder Fahrt holen die Teams Informationen zur Erkrankung und Mobilität ein, eine Transporteinwilligung des behandelnden Arztes und eine Patientenverfügung für den Notfall. Die Wunscherfüller:innen kommen in NRW überwiegend aus Medizin, Pflege und Rettungsdienst und sind zwischen 20 und 70 Jahre alt. Sie schenken dem Projekt ihre Freizeit. War eine Fahrt besonders belastend, steht ihnen ein Nachgespräch offen.
Rechtzeitig fragen lohnt sich Nicht jede Fahrt kommt zustande. Manchmal verschlechtert sich der Zustand eines Menschen so schnell, dass er nicht mehr transportfähig ist, und eine fertig geplante Fahrt muss abgesagt werden. Birgit Bäumer-Borgmann, Standortleiterin des ASB-Wünschewagens Westfalen, gibt deshalb einen klaren Rat: „Meldet euch rechtzeitig bei uns.“
Finanziert wird der Wünschewagen ausschließlich aus Spenden, Eigenmitteln und ehrenamtlichem Engagement. Gabriele Mergener vom ASB-Bundesverband brachte es beim Netzwerktreffen auf den Punkt: Das Engagement der Ehrenamtlichen sei „das Fundament des ASB-Wünschewagens“.
An Allerheiligen und Allerseelen denken viele an die, die nicht mehr da sind. Der Wünschewagen erinnert daran, dass auch die letzte Strecke eines Lebens noch schöne Tage haben kann, und dass es Menschen gibt, die genau dafür ihre Zeit hergeben.
Themen: Wünschewagen, ASB, Letzte Wünsche, Ehrenamt, Wunscherfüllung, Schwerstkranke, Patientenwunsch
Noch einmal ans Meer: Ehrenamtliche erfüllen seit 2014 letzte Wünsche