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Neuer Mut im Südwesten: Mehr als jeder dritte Industriebetrieb rechnet mit mehr Exporten
36 Prozent der Industriebetriebe in Baden-Württemberg erwarten mehr Ausfuhren – vor allem beim China-Geschäft hakt es.
Von Max ·
Zollstreit, geopolitische Spannungen, hohe Kosten – an Gründen für Sorgenfalten mangelt es der Industrie im Südwesten nicht. Und trotzdem blicken Baden-Württembergs Betriebe so optimistisch auf ihr Exportgeschäft wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Das zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage der zwölf Industrie- und Handelskammern im Land, deren Ergebnisse der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) am Montag vorgestellt hat. 36 Prozent der Industriebetriebe rechnen damit, in den kommenden zwölf Monaten mehr ins Ausland zu verkaufen. Nur 17 Prozent erwarten einen Rückgang.
Die Optimisten ziehen davon Wie deutlich sich die Stimmung gedreht hat, zeigt der Vergleich mit der vorigen Umfrage im Frühsommer. Damals standen 30 Prozent Optimisten noch 25 Prozent Pessimisten gegenüber, der Vorsprung der Zuversichtlichen lag bei mageren 5 Prozentpunkten. Jetzt sind es 19. Befragt wurden zwischen dem 14. September und dem 2. Oktober 2026 insgesamt 1.098 Industrieunternehmen.
Europa trägt, die USA erholen sich Besonders gut sind die Aussichten im Euroraum: 32 Prozent der Betriebe erwarten dort mehr Geschäft, 17 Prozent weniger. So zuversichtlich war die Südwest-Industrie mit Blick auf die Eurozone seit Anfang 2022 nicht mehr. Dass Europa für die Exporteure das Rückgrat bildet, zeigen auch die tatsächlichen Handelszahlen: Nach Daten des Statistischen Landesamts stiegen die Ausfuhren in europäische Staaten im ersten Halbjahr 2026 auf 87,8 Milliarden Euro. Damit gingen 69,4 Prozent aller Exporte aus Baden-Württemberg nach Europa.
Auch beim Blick über den Atlantik hellt sich die Lage auf. Im Frühjahr 2025 hatten unter dem Eindruck der US-Zollpolitik noch 53 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Ausfuhren in die USA gerechnet. Heute erwarten 38 Prozent steigende und 21 Prozent sinkende Exporte dorthin. Für Nordamerika insgesamt sind die Erwartungen damit wieder auf dem Stand von vor dem Zollschock. „Die USA bleiben für unsere Industrie ein Schlüsselmarkt“, sagt Claus Paal, Vizepräsident des BWIHK und Präsident der IHK Region Stuttgart.
Wo es noch hakt Ganz ungetrübt ist das Bild nicht. Nach Asien schauen die Firmen deutlich verhaltener: 30 Prozent erwarten steigende Ausfuhren in die Region, die Zuversicht wächst dort nur langsam. Bei China kippt die Stimmung sogar ins Negative. 32 Prozent rechnen mit sinkenden, nur 20 Prozent mit steigenden Exporten. China ist damit der einzige untersuchte Absatzmarkt, auf dem die Pessimisten klar in der Überzahl sind.
Zur ehrlichen Einordnung gehört außerdem: Die Umfrage misst Erwartungen, keine Verkäufe. Ob aus der Zuversicht tatsächlich Aufträge werden, zeigt erst die Statistik der kommenden Monate. Die realen Zahlen fürs erste Halbjahr 2026 waren gemischt: Insgesamt legten die Exporte des Landes um 3,8 Prozent auf rund 126,5 Milliarden Euro zu, in die USA gingen sie dagegen um 4,7 Prozent zurück. Und auf dem Arbeitsmarkt ist der neue Schwung noch nicht angekommen. In der Region Stuttgart wollen laut der dortigen IHK-Herbstumfrage weiterhin deutlich mehr Industriebetriebe Stellen abbauen als zusätzliches Personal einstellen. Die IHK Region Stuttgart überschrieb ihre Auswertung entsprechend nüchtern mit „Mehr Zuversicht, aber noch kein Aufschwung“.
Rückenwind auch bundesweit Mit seiner Hoffnung steht der Südwesten allerdings nicht allein. Am selben Montag meldete das ifo Institut, dass sein Geschäftsklimaindex im Oktober auf 90,2 Punkte gestiegen ist, nach 89,9 im September. Getragen wurde das von zuversichtlicheren Erwartungen, die aktuelle Lage beurteilten die Unternehmen etwas schlechter. In der Industrie dagegen verbesserten sich Lage und Erwartungen spürbar, beide Werte liegen laut ifo erstmals seit mehr als drei Jahren wieder im Plus. Auch die Zahl der Neuaufträge ist gestiegen.
Ein Appell an den Unternehmergeist Claus Paal liest aus den Zahlen vor allem eines: Selbstvertrauen. „Unsere Unternehmen haben das Zutrauen in ihre eigene Stärke nicht verloren“, sagt er. Von der Politik verlangt er bessere Standortbedingungen, denn hohe Kosten, Bürokratie und Handelshemmnisse belasteten die Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich rät er den Betrieben, nicht abzuwarten, sondern Chancen zu nutzen und neue Märkte zu erschließen. Mit Blick auf die USA bringt er es auf eine knappe Formel: „Rückzug ist keine Wachstumsstrategie.“ Ein Aufschwung ist das noch nicht – aber eine Industrie, die wieder an sich glaubt, ist ein guter Anfang.
Themen: Baden-Württemberg, Export, Industrie, Konjunktur, BWIHK, IHK, ifo Geschäftsklima, Außenhandel
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