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Neue Datendisc speichert bis zu 2 Terabyte – und soll Daten 50 Jahre lang bewahren
Bis zu 2 TB, jahrzehntelange Haltbarkeit und kaum Strom im Ruhezustand: Eine neue Disc will Datenarchive neu denken.
Von Firas ·
2 Terabyte auf einer Disc: Neue Speichertechnik könnte Rechenzentren sparsamer machen Die gute alte Datenscheibe ist aus vielen Computern längst verschwunden. Doch ausgerechnet in riesigen Rechenzentren könnte eine entfernte Verwandte von CD und Blu-ray ein überraschendes Comeback erleben. Das US-Unternehmen Folio Photonics entwickelt eine optische Disc, die in ihrer ersten Generation ein bis zwei Terabyte Daten speichern und Informationen über viele Jahrzehnte bewahren soll.
Der Clou steckt dabei nicht einfach in einem stärkeren Laser, sondern im Aufbau des Speichermediums.
Viele Datenschichten statt einer einzigen Folio Photonics verwendet eine mehrlagige Kunststofffolie mit lichtempfindlichen, fluoreszierenden Materialien. Diese sogenannten nanophotonischen Materialien werden in extrem dünne Schichten eingebettet. Beim Schreiben und Lesen werden die einzelnen Ebenen optisch gezielt angesprochen.
Das Verfahren soll ein altes Problem optischer Datenträger lösen: Je mehr Datenschichten übereinanderliegen, desto schwieriger wird es normalerweise, die tieferen Ebenen sauber auszulesen. Folios fluoreszierender Ansatz reduziert solche Störungen. In technischen Demonstrationen wurden bereits mehrlagige Strukturen untersucht; eine IEEE-Roadmap berichtet zudem von erfolgreich getesteten Schreib- und Lesevorgängen über acht Ebenen. Das Unternehmen arbeitet an Medien mit 16 und perspektivisch noch mehr Schichten.
Ein Speicher für Daten, die selten gebraucht werden Gedacht ist die Disc nicht als Ersatz für die SSD im Laptop. Interessant wird sie dort, wo enorme Datenmengen jahrelang aufgehoben, aber nur selten abgerufen werden – etwa Forschungsdaten, digitale Archive, Unternehmensunterlagen oder große Datensätze für künstliche Intelligenz.
Die Discs sollen als WORM-Speicher funktionieren: einmal beschreiben, anschließend nur noch lesen. Was im Alltag unbequem klingt, ist für Archive sogar ein Vorteil. Einmal gespeicherte Informationen lassen sich nicht einfach überschreiben oder durch Ransomware verschlüsseln. Gleichzeitig benötigt eine ausgelagerte Disc keinen Strom, solange niemand darauf zugreift. Folio nennt derzeit Medienkosten von etwa drei US-Dollar pro Terabyte und langfristig weniger als einen Dollar.
Jahrzehnte im Regal statt ständig neuer Speicher Besonders interessant ist die geplante Lebensdauer. Branchenberichte nennen für die neue Disc 50 bis 100 Jahre , während Folio inzwischen sogar mit mehr als 100 Jahren Medienlebensdauer wirbt. Das könnte Archivbetreibern aufwendige Datenmigrationen ersparen und gleichzeitig den Energiebedarf dauerhaft gespeicherter Informationen reduzieren.
Allerdings sind diese Werte bislang vor allem Ergebnisse von Tests und Hochrechnungen. Eine Disc, die tatsächlich seit 50 oder 100 Jahren Daten bewahrt, kann es naturgemäß noch nicht geben.
Der entscheidende Test kommt jetzt Technisch ist das Projekt inzwischen deutlich weiter als ein reines Forschungsexperiment. Ein erstes Laufwerk entstand 2024, 2025 folgte eine Beta-Generation. 2026 erhielt Folio Photonics weitere acht Millionen US-Dollar Finanzierung, unter anderem für Produktentwicklung und Produktionsvorbereitung. Die kommerzielle Einführung wird nach aktuellen Brancheninformationen für 2027 angestrebt.
Ob die neue Disc Magnetbändern und Festplatten tatsächlich nennenswert Konkurrenz machen kann, entscheidet sich deshalb erst im praktischen Einsatz. Doch die Idee hat ihren Charme: Während unsere Datenberge immer größer werden, könnte ausgerechnet eine Technik, die viele schon abgeschrieben hatten, dabei helfen, einen Teil davon langlebiger und energiesparender aufzubewahren.
Neue Datendisc speichert bis zu 2 Terabyte – und soll Daten 50 Jahre lang bewahren