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Myonen statt Röntgen? Hamburger Deeptech-Start-up MuRay sichert sich 7,1 Millionen Euro
Ein Teilchenstrahl soll in dichte Bauteile blicken: MuRay erhält neues Geld, der erste Dienst ist für 2027 geplant.
Von Michael Beier ·
Was tief im Inneren eines Raketentriebwerks oder einer Gasturbine steckt, zeigt sich von außen nicht. Genau dort will das Hamburger Start-up MuRay hinschauen. Für seine Technik hat das junge Unternehmen nun 7,1 Millionen Euro beisammen.
Das Geld kommt aus zwei Töpfen: 3,5 Millionen Euro stammen von privaten Investoren, angeführt von First Momentum Ventures und Caelora, einer Tochter von Marvel Fusion. Etwas mehr als die Hälfte, nämlich 3,6 Millionen Euro, sind öffentliche Mittel, darunter ein Zuschuss aus dem EU-Programm Horizon Europe.
Was die winzigen Teilchen leisten sollen Myonen sind Elementarteilchen, die Elektronen ähneln, aber rund 200-mal schwerer sind. MuRay will sie gezielt als Strahl erzeugen und daraus 3D-Bilder vom Inneren eines Objekts gewinnen. Das Unternehmen setzt dabei auf eigene Detektoren und einen lasergetriebenen Beschleuniger. Passive Verfahren warten dagegen auf kosmische Strahlung und brauchen dafür laut MuRay Tage.
Die Firma zielt auf eine bekannte Grenze: Bei Stahl sei für Röntgenstrahlen nach wenigen Zentimetern Schluss, sagt Mitgründer Andi Hektor. Myonen sollen nach Unternehmensangaben mehr als einen Meter schaffen, außerdem Materialien unterscheiden, die auf Röntgenbildern gleich aussehen, und mit deutlich weniger Strahlung auskommen. Das sind bislang Versprechen. Unabhängige Vergleichsdaten lagen uns nicht vor.
Wurzeln in Bahrenfeld Gegründet haben MuRay Kristjan Põder und Andi Hektor, beide führen die Firma gemeinsam. Das Unternehmen sei aus dem Umfeld der Laser-Plasma-Forschung am Forschungszentrum DESY hervorgegangen, sagt Põder. Das Team bringt zudem Erfahrung vom CERN und vom Imperial College London mit. Hauptsitz ist Hamburg, die Arbeit läuft in den Start-up Labs Bahrenfeld, dazu kommt eine Niederlassung in Tallinn. Bis Ende 2027 soll das Team auf bis zu 25 Menschen wachsen.
Noch ist vieles Plan Am Markt ist MuRay noch nicht. 2027 soll ein erster Bildgebungsdienst für Industriekunden starten, der den vorhandenen Elektronenstrahl bei DESY nutzt. Im selben Jahr ist die erste Prüfung an einem echten Raketentriebwerk vorgesehen; vorab modelliert hat MuRay eine solche Prüfung gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das erste vollständige System mit eigenem Beschleuniger ist für 2029 angekündigt. Außerdem plant das Unternehmen ein mobiles Gerät in der Größe eines Schiffscontainers.
Ins Auge gefasst sind Raumfahrt, Luftfahrt, Energie und Verteidigung, ausgelotet werden auch Fracht- und Grenzkontrollen. Auch in der Region sieht Põder Chancen: Airbus und andere Luftfahrtfirmen nennt er als mögliche Kunden, den Hamburger Hafen als künftigen Anwendungsfall. Mögliche Kunden sind freilich noch keine Kunden. Die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) fördert laut Põder ein gemeinsames Projekt mit Siemens Energy.
Ob sich die Myonen in der Werkshalle bewähren, wird sich also erst zeigen. Für den Forschungsstandort ist es trotzdem eine schöne Nachricht: Hamburger Teilchenphysik macht sich auf den Weg in die Industrie.
Themen: MuRay, Deeptech, Myonen, DESY, Start-ups Hamburg, Bahrenfeld, Materialprüfung, Finanzierungsrunde
Myonen statt Röntgen? Hamburger Deeptech-Start-up MuRay sichert sich 7,1 Millionen Euro