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Münchner verschenkt 10-Millionen-Grundstück – für 27 dauerhaft bezahlbare Wohnungen
Ein 90-Jähriger schenkt in München ein Millionen-Grundstück – damit dort dauerhaft bezahlbare Wohnungen entstehen.
Von Madalina ·
Münchner verschenkt 10-Millionen-Grundstück – für 27 dauerhaft bezahlbare Wohnungen Ein Grundstück in München-Großhadern, rund 3.000 Quadratmeter groß und schätzungsweise zehn Millionen Euro wert: Otto Gugger hätte damit ein Vermögen machen können. Stattdessen schenkt der 90-Jährige das Areal einer gemeinnützigen Stiftung. Dort soll etwas entstehen, das in München mindestens ebenso kostbar geworden ist wie Bauland – bezahlbarer Wohnraum.
In München gibt es Grundstücke, bei denen Immobilienrechner vermutlich ein wenig nervös werden. Das Grundstück von Otto Gugger gehört dazu: rund 3.000 Quadratmeter in Großhadern, mit Haus, Garten und einem geschätzten Verkehrswert von etwa zehn Millionen Euro.
Gugger entschied sich jedoch gegen einen Verkauf. Der frühere Architekt übertrug das Grundstück an die gemeinnützige Stiftung „Daheim im Viertel“ . Sein Wunsch: Aus dem Familiengrundstück soll ein Ort werden, an dem künftig Menschen leben können, die auf dem Münchner Wohnungsmarkt nur schwer eine bezahlbare Wohnung finden.
Aus einem großen Garten sollen Wohnungen für rund 70 Menschen werden Die aktuellen Planungen sehen 27 Wohnungen für ungefähr 70 Bewohnerinnen und Bewohner vor. Frühere Vorstudien gingen noch von etwa 20 bis 30 möglichen Wohnungen aus – die Planung hat sich inzwischen konkretisiert.
Gugger selbst hat eine besondere Verbindung zu dem Grundstück. Er lebt dort gemeinsam mit seiner Schwester und ist in dem Haus aufgewachsen. Statt das Grundstück am Ende seines Lebens möglichst gewinnbringend zu verwerten, betrachtet er Eigentum offenbar eher als etwas, das weitergegeben werden kann.
Besonders am Herzen liegen ihm dabei Menschen, die trotz Arbeit Schwierigkeiten haben, in München eine Wohnung zu bezahlen. Gugger hat etwa Auszubildende aus dem nahe gelegenen Universitätsklinikum als mögliche künftige Bewohner genannt. Wer tatsächlich einziehen wird, steht allerdings noch nicht fest.
Warum die Schenkung für die späteren Mieten so wichtig ist Das Entscheidende an der Geschichte sind nicht nur die zehn Millionen Euro, auf die Gugger verzichtet. Entscheidend ist, was dadurch bei der Kalkulation der Wohnungen wegfällt: der Kaufpreis für den Boden .
Gerade in München ist das ein gewaltiger Faktor. Christian Stupka vom Vorstand der Stiftung rechnet vor, dass bei einem Grundstückskauf zum Marktpreis allein zur Finanzierung des Bodens Mieten von etwa 20 bis 25 Euro je Quadratmeter notwendig sein könnten – noch bevor die eigentlichen Baukosten berücksichtigt wären. Das ist eine Kalkulation der Stiftung, keine allgemein gültige Marktformel, zeigt aber die Dimension des Problems.
Dass Münchens Neubaumieten hoch sind, bestätigen auch die offiziellen Zahlen der Stadt. Für 2025 ermittelte das Münchner Wohnungsmarktbarometer bei unmöblierten Wohnungen im Erstbezug eine durchschnittliche Angebotsmiete von 25,93 Euro pro Quadratmeter . Bei kleinen Neubauwohnungen zwischen 20 und 40 Quadratmetern waren es sogar mehr als 31 Euro.
Zum Vergleich: Der Münchner Mietspiegel 2025 weist über die dort erfassten Bestands- und Neuvertragsmieten hinweg eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 15,38 Euro aus. Beide Werte messen Unterschiedliches – gemeinsam zeigen sie jedoch, wie groß die Preisspanne auf dem Münchner Wohnungsmarkt geworden ist.
Das Grundstück soll dauerhaft dem klassischen Immobilienmarkt entzogen bleiben Auch langfristig ist Guggers Entscheidung ungewöhnlich. Die Stiftung „Daheim im Viertel“ verfolgt das Prinzip, übertragene Immobilien dauerhaft im eigenen Bestand zu halten . Häuser sollen also nicht später doch wieder meistbietend verkauft werden.
Nach Angaben der Stiftung werden die Immobilien zu fairen Konditionen vermietet und gemeinsam mit Wohnungsgenossenschaften sowie sozial orientierten Wohnungsunternehmen bewirtschaftet. In ihren Informationen für Eigentümer hält die Stiftung ausdrücklich fest, dass ein Weiterverkauf übertragener Immobilien nicht vorgesehen ist.
Damit verwandelt sich eine einmalige Schenkung im besten Fall in einen Nutzen über Generationen: Das Grundstück wird nicht nur heute günstiger genutzt, sondern soll auch in Jahrzehnten noch dem bezahlbaren Wohnen dienen.
Noch ist das Projekt nicht fertig finanziert Ganz ohne Haken funktioniert allerdings auch eine Zehn-Millionen-Euro-Schenkung nicht. Das Grundstück ist zwar vorhanden – die Wohnungen müssen trotzdem geplant und gebaut werden.
Die Stiftung benötigt dafür weiteres Kapital und Spenden. Deshalb lässt sich derzeit auch noch keine verlässliche endgültige Quadratmetermiete nennen . Je günstiger die Finanzierung des Neubaus gelingt, desto mehr Spielraum bleibt später bei den Mieten.
Das ist wichtig, weil aus einer schönen Geschichte sonst schnell ein zu großes Versprechen würde: Die Schenkung löst Münchens Wohnungsproblem nicht. Sie beseitigt für dieses konkrete Projekt aber einen der teuersten Posten überhaupt.
Eine kleine Idee mit ziemlich großem Hebel Interessant ist deshalb vor allem das Modell hinter der Geschichte. Immobilienbesitzer müssen Eigentum nicht ausschließlich verkaufen oder klassisch vererben. Die Stiftung ermöglicht beispielsweise Schenkungen, Verkäufe unter bestimmten Bedingungen, Nießbrauchmodelle, lebenslange Wohnrechte oder testamentarische Übertragungen.
Aus einem privaten Vermögenswert kann dadurch dauerhaft gemeinschaftlich nutzbarer Wohnraum werden.
Für einen Wohnungsmarkt wie München sind 27 Wohnungen natürlich keine Revolution. Doch soziale Innovationen funktionieren selten mit einem einzigen großen Knall. Manchmal beginnen sie mit einem Grundstück, einer Entscheidung – und der Frage, was mit Eigentum eigentlich passieren soll, wenn man selbst es irgendwann nicht mehr braucht.
Warum das Hoffnung macht Otto Guggers Schenkung zeigt einen Weg, wie privates Eigentum dauerhaft für bezahlbares Wohnen gesichert werden kann. Besonders interessant: Das Modell ist grundsätzlich auf andere Immobilien übertragbar und verbindet privaten Gestaltungsspielraum mit langfristigem gesellschaftlichem Nutzen.
Münchner verschenkt 10-Millionen-Grundstück – für 27 dauerhaft bezahlbare Wohnungen