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Moira Cross: Die älteste Helferin der Commonwealth Games
Während mehr als 3.000 Athletinnen und Athleten in Glasgow um Medaillen kämpfen, sorgt Moira Cross hinter den Kulissen dafür, dass alles läuft. Die 96-Jährige ist die älteste Freiwillige der Commonwealth Games 2026 – und zeigt, dass Neugier, Gemeinschaft und neue Pläne kein Verfallsdatum haben.
Von Madalina ·
Wenn die Athletinnen und Athleten kurz vor der Eröffnungsfeier im Glasgower Hydro auf ihren großen Auftritt warten, beginnt für Moira Cross der wichtigste Teil ihres Einsatzes. Sie empfängt die Delegationen, hilft bei der Orientierung, achtet darauf, dass alle ausreichend versorgt sind, und begleitet die Sportlerinnen und Sportler schließlich in Richtung Arena.
Was nach einer verantwortungsvollen Aufgabe für erfahrene Veranstaltungsprofis klingt, übernimmt eine Frau, die selbst beinahe ein Jahrhundert erlebt hat: Moira Cross ist 96 Jahre alt und damit die älteste freiwillige Helferin der Commonwealth Games 2026. Statt das sportliche Großereignis ausschließlich von der Zuschauertribüne aus zu verfolgen, arbeitet sie mitten im Geschehen.
Eine Frau, die genauso alt ist wie die Spiele Die zeitliche Parallele ist bemerkenswert: Cross wurde 1930 geboren – in demselben Jahr, in dem im kanadischen Hamilton erstmals die heutigen Commonwealth Games ausgetragen wurden. Damals traten rund 400 Sportlerinnen und Sportler aus elf Ländern in sechs Sportarten an. Frauen durften ausschließlich an Schwimm- und Wassersprungwettbewerben teilnehmen.
96 Jahre später ist aus der vergleichsweise kleinen Veranstaltung ein internationales Sportfest geworden. Bei den Spielen in Glasgow kommen mehr als 3.000 Athletinnen und Athleten aus 74 Nationen und Territorien zusammen. In zehn Sportarten werden innerhalb von elf Tagen 215 Goldmedaillen vergeben. Sechs Para-Sportarten sind vollständig in das Programm integriert.
Moira Cross verbindet damit gewissermaßen den Anfang der Spiele mit ihrer Gegenwart. Sie hat den Wandel des Sports nicht nur miterlebt, sondern gestaltet einen kleinen, aber wichtigen Teil davon selbst mit.
Aus einem Besuch wurde eine lebenslange Begeisterung Ihre Geschichte als freiwillige Helferin begann nicht erst in diesem Sommer. Bereits die Commonwealth Games 1986 in Edinburgh weckten ihr Interesse an großen internationalen Sportveranstaltungen. Später engagierte sie sich bei den Spielen 2014 in Glasgow und 2022 in Birmingham.
Bei der Eröffnungsfeier von Glasgow 2014 war sie sogar in einer vorproduzierten Filmsequenz zu sehen, die während der Zeremonie im Celtic Park auf einer großen Leinwand gezeigt wurde. Für Cross ging es dabei offenbar nie ausschließlich um die spektakulären Momente. Ebenso wichtig waren ihr die Begegnungen: Über die Jahre entstanden Freundschaften, die weit über die Dauer der jeweiligen Sportveranstaltung hinaus Bestand hatten.
Diese sozialen Verbindungen erklären, weshalb ehrenamtliches Engagement für viele Menschen mehr als eine unbezahlte Tätigkeit ist. Es schafft Aufgaben, Kontakte und das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Vorhabens zu sein.
Bei Glasgow 2026 arbeitet sie direkt mit den Athleten In Glasgow gehört Cross zum Bereich der Athletenbetreuung während der Eröffnungsfeier. Sie hilft dabei, die ankommenden Sportlerinnen und Sportler ihren Delegationen zuzuordnen, sorgt mit dafür, dass sie vor dem Einzug ausreichend essen und trinken können, und begleitet sie anschließend zum Veranstaltungsbereich.
Damit übernimmt sie eine Aufgabe, die im Fernsehen vermutlich kaum zu erkennen sein wird – für einen reibungslosen Ablauf aber unverzichtbar ist. Internationale Sportveranstaltungen funktionieren nicht allein durch Spitzenleistungen auf Laufbahnen, in Schwimmbecken oder Sporthallen. Sie sind auf Tausende Menschen angewiesen, die Wege erklären, Zeitpläne im Blick behalten, Gäste empfangen und Probleme lösen.
Für Glasgow 2026 wurden mehr als 3.000 Freiwillige gesucht. Das Organisationsteam nennt sie die „Legends“ – eine in Glasgow gebräuchliche Bezeichnung für Menschen, die unkompliziert helfen und sich für andere einsetzen. Die Helferinnen und Helfer arbeiten unter anderem in der Veranstaltungsorganisation, beim Transport, in den Medienbereichen, in der Athletenbetreuung und bei den Zeremonien.
Ihr Tanzvorsprechen führte zu einer anderen Aufgabe Ursprünglich hatte Cross sogar für einen Platz als Tänzerin in der Eröffnungsfeier vorgesprochen. Für das Tanzensemble wurde sie zwar nicht ausgewählt, doch davon ließ sie sich nicht entmutigen. Statt sich zurückzuziehen, übernahm sie eine andere Rolle.
Gerade darin liegt eine der stärksten Botschaften ihrer Geschichte: Beteiligung muss nicht immer exakt so aussehen, wie man sie zunächst geplant hat. Manchmal entsteht eine sinnvolle Aufgabe erst dann, wenn der ursprüngliche Weg nicht funktioniert.
Für die erste Eröffnungsfeier in einer Arena in der Geschichte der Commonwealth Games waren ursprünglich rund 700 freiwillige Mitwirkende aus Bereichen wie Tanz, Musik, Theater, Athletenbetreuung und kulturellen Gemeinschaften gesucht worden. Vorerfahrungen waren ausdrücklich nicht für alle Rollen erforderlich.
Sportbegeisterung liegt in der Familie Auch familiär ist Moira Cross eng mit dem internationalen Sport verbunden. Ihr Sohn Martin Cross gewann bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gemeinsam mit Steve Redgrave, Andy Holmes, Richard Budgett und Steuermann Adrian Ellison Gold im Vierer mit Steuermann.
Mehr als vier Jahrzehnte später richtet Moira Cross ihren Blick erneut auf Los Angeles. Sie hofft, sich auch bei den Olympischen Spielen 2028 als freiwillige Helferin einbringen zu können. Eine Rückkehr hätte für sie deshalb eine besondere persönliche Bedeutung.
Das Vorhaben ist weder eine Garantie noch eine romantische Behauptung, Alter spiele überhaupt keine Rolle. Es ist vielmehr ein konkreter Plan einer Frau, die ihre Möglichkeiten nicht vorschnell anhand einer Zahl begrenzt.
Glasgow beweist, was gemeinsames Engagement möglich macht Dass die Commonwealth Games 2026 überhaupt stattfinden, war zeitweise keineswegs selbstverständlich. Der australische Bundesstaat Victoria zog sich 2023 aus finanziellen Gründen als Gastgeber zurück. Glasgow übernahm die Veranstaltung daraufhin kurzfristig und entwickelte ein kompakteres Konzept mit vier zentralen Austragungsorten.
Die Spiele vom 23. Juli bis zum 2. August werden damit nicht nur zu einem sportlichen Wettbewerb. Sie sind auch ein Beispiel dafür, wie vorhandene Infrastruktur, erfahrene Organisationsteams und freiwilliges Engagement eine beinahe abgesagte Großveranstaltung möglich machen können.
Moira Cross steht stellvertretend für diese Gemeinschaft. Sie wird keine Medaille gewinnen und vermutlich nur selten im Mittelpunkt der Kameras stehen. Dennoch trägt sie dazu bei, dass andere ihren großen Moment erleben können.
Warum Engagement gerade im Alter wertvoll sein kann Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten deuten darauf hin, dass freiwilliges Engagement mit sozialer Verbundenheit, Lebenszufriedenheit, Selbstwirksamkeit, Sinnempfinden und besser eingeschätzter Gesundheit zusammenhängen kann. Besonders häufig wurden solche Zusammenhänge bei älteren Erwachsenen beobachtet.
Dabei ist eine wichtige Einschränkung nötig: Die Studien beweisen nicht durchgehend, dass Ehrenamt unmittelbar ein längeres oder gesünderes Leben verursacht. Viele Untersuchungen sind beobachtend, und die Qualität der zusammengefassten Forschung wurde teilweise als gering bewertet. Gesündere oder sozial aktivere Menschen könnten auch eher dazu neigen, sich freiwillig zu engagieren.
Trotzdem beschreibt die Forschung nachvollziehbare Mechanismen: Ehrenamt bringt Menschen zusammen, schafft regelmäßige Aufgaben, fördert Bewegung und vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit zu den eigenen Kräften passt und die Organisation ihre Helferinnen und Helfer ausreichend unterstützt.
Moira Cross liefert dafür kein medizinisches Rezept. Aber sie zeigt, wie ein aktives Leben im hohen Alter aussehen kann: nicht als Wettlauf gegen das Älterwerden, sondern als Bereitschaft, neugierig zu bleiben, Menschen zu treffen und sich eine neue Aufgabe zuzutrauen.