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Merz in Singapur: Engere Partnerschaft und ein Plädoyer für Freihandel mit dem Pazifikraum
Deutschland und Singapur vereinbaren einen gemeinsamen Arbeitsplan – und der Kanzler wirbt für ein großes Handelsabkommen zwischen der EU und dem Pazifikraum.
Von Max ·
Wenn in Deutschland über Asien gesprochen wird, geht es oft zuerst um China. Die dritte Asienreise von Bundeskanzler Friedrich Merz führt dagegen zu anderen Partnern – und sie begann im kleinen, aber wirtschaftlich starken Stadtstaat Singapur. Dort haben Deutschland und Singapur am Dienstag ihre Zusammenarbeit ausgebaut, und Merz nutzte die Bühne, um für mehr Freihandel zwischen Europa und dem Pazifikraum zu werben.
Ein Arbeitsplan für vier Zukunftsfelder Mit Singapurs Premierminister Lawrence Wong vereinbarte Merz einen gemeinsamen Arbeitsplan für die kommenden Jahre. Er umfasst vier Bereiche: Sicherheit und Verteidigung, Handel und Investitionen, grüne Energie sowie Künstliche Intelligenz. Damit bekommt eine Beziehung mehr Struktur, für die beide Länder bereits im November 2024 eine Strategische Partnerschaft vereinbart hatten.
Die wirtschaftliche Verbindung ist schon heute eng. Nach Angaben der Bundesregierung sind rund 2.400 deutsche Unternehmen in Singapur aktiv, mit zusammen etwa 45.000 Beschäftigten. Das jährliche Handelsvolumen zwischen beiden Ländern liegt Agenturberichten zufolge bei 11,8 Milliarden Euro.
Großes Ziel: ein Abkommen mit dem Pazifikraum In seiner Grundsatzrede im Rahmen der Singapore Lecture ging Merz über Singapur hinaus. Er warb für ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Transpazifischen Partnerschaft CPTPP. Diesem 2018 gegründeten Handelsabkommen gehören zwölf Staaten an, darunter Kanada, Australien, Chile und Großbritannien – zusammen fast 600 Millionen Menschen. EU und CPTPP gemeinsam stünden für mehr als ein Drittel des Welthandels.
Wichtig für die Einordnung: Ein solches Abkommen kann Deutschland nicht allein schließen. Die Verhandlungsführung liegt bei der EU, die für alle 27 Mitgliedstaaten spricht – nicht bei der Bundesregierung. Merz kann also werben und Impulse geben, verhandelt wird auf europäischer Ebene.
Ganz bei null fängt dabei niemand an. Seit November 2025 gibt es einen eigenen Dialog zu Handel und Investitionen zwischen der EU und den CPTPP-Staaten. Singapurs Handelsministerium beschreibt ihn als Weg, die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Blöcken zu vertiefen, etwa bei widerstandsfähigen Lieferketten und digitalem Handel. Merz schlug zudem vor, die bestehenden EU-Abkommen mit einzelnen Staaten der Region miteinander zu verknüpfen, damit sie effizienter werden. Langfristig hat er ein Abkommen zwischen der EU und dem südostasiatischen Staatenbund ASEAN im Blick, dessen elf Mitglieder zusammen fast 700 Millionen Einwohner zählen. Singapur arbeitet ebenfalls auf ein solches Abkommen hin; Premier Wong räumte bei der gemeinsamen Pressekonferenz allerdings ein, dass es komplex und schwierig werde.
Singapur als Beispiel Wie solche Abkommen aussehen können, zeigt Singapur. Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Stadtstaat gilt seit dem 21. November 2019. Seit dem 1. Februar 2026 ist zusätzlich ein Abkommen über digitalen Handel in Kraft – laut EU-Kommission das erste eigenständige bilaterale Digitalhandelsabkommen der EU. Es sichert etwa die Gültigkeit elektronischer Signaturen und Rechnungen, fördert papierlosen Handel und enthält verbindliche Regeln zum Schutz von Verbrauchern und persönlichen Daten im Netz. Der Handel zwischen EU und Singapur mit Waren und Dienstleistungen summierte sich 2024 auf 131 Milliarden Euro.
Breiter aufstellen statt abkoppeln Hinter dem Werben für Freihandel steht auch ein strategisches Ziel: Deutschland will seine Handelsbeziehungen breiter aufstellen und so Risiken mindern. Eine Abkopplung von China lehnt Merz jedoch ab, sie wäre aus seiner Sicht „ein großer Fehler“. Stattdessen sollen neue und vertiefte Partnerschaften, möglichst mit gleichgesinnten Ländern, die Risiken streuen. Zugleich verwies er auf Chinas Verantwortung für Frieden und Stabilität im Indopazifik.
Eine Orchidee mit Kanzlernamen Zum Besuch gehörte auch eine freundliche Geste: Singapur benannte eine Orchideensorte nach dem Gast, die „Vanda Friedrich Merz“. Vor ihm wurden bereits Angela Merkel und Olaf Scholz auf diese Weise geehrt. Merz nannte die Auszeichnung „eine große Ehre“.
Wie es weitergeht Singapur ist die erste Station einer Reise, die den Kanzler bis zum 30. Oktober auch nach Japan und Südkorea führt. Begleitet wird er von einer Wirtschaftsdelegation. Ob aus dem Werben für Freihandel konkrete Verhandlungen werden, entscheidet sich auf EU-Ebene. Mit dem neuen Arbeitsplan haben Deutschland und Singapur für ihre eigene Zusammenarbeit aber schon jetzt einen konkreten Fahrplan.
Themen: Freihandel Asien, Deutschland Singapur, Friedrich Merz, Wirtschaftspolitik, Strategische Partnerschaft, Indopazifik, Grüne Energie
Merz in Singapur: Engere Partnerschaft und ein Plädoyer für Freihandel mit dem Pazifikraum