Hamburg · Hamburger Geschichte
Menschen & Orte: Altonaer Museum erzählt ab 12. November Hamburgs jüdische Geschichte
Vom Hafen bis zum Friedhof: Eine neue Ausstellung macht über 400 Jahre jüdisches Leben in Hamburg sichtbar.
Von Michael Beier ·
Mehr als vier Jahrhunderte jüdisches Leben sind in Hamburg mit konkreten Orten verbunden. Von ihnen geht die neue Ausstellung „Menschen & Orte. Hamburgs Jüdische Geschichte“ aus, die das Altonaer Museum vom 12. November an zeigt.
Vom Kontorhaus bis zur Synagoge Die Schau erzählt von jüdischen Friedhöfen und Synagogen, vom Hafen und vom Kontorhausviertel, von der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Aby Warburgs und vom Haus Salomon Heines, von großbürgerlichen Salons ebenso wie von Handwerksbetrieben. Denn die eine jüdische Geschichte Hamburgs gibt es nicht: Die Menschen, um die es geht, sind unterschiedlicher Herkunft, die einen leben säkular, die anderen religiös, manche im Bürgertum, andere in der Arbeiterschaft. Historische Objekte und künstlerische Arbeiten, dazu multimediale Stationen, sollen diese Vielfalt greifbar machen.
Die Schau bleibt dabei nicht in der Vergangenheit stehen. In einem Interviewprojekt kommen jüdische Hamburgerinnen und Hamburger verschiedener Generationen miteinander ins Gespräch.
Zugehörigkeit und Ausgrenzung Zur Geschichte gehört, wie Menschen ausgeschlossen wurden, und die Ausstellung fragt ausdrücklich nach Zugehörigkeit und Ausgrenzung und danach, wie Identitäten entstehen und zugeschrieben werden. Früh zeigt sich das an einem Ort, der heute zum jüdischen Erbe der Stadt zählt: Sefardische Juden gründeten 1611 im damals selbstständigen Altona einen Friedhof an der Königstraße, nachdem Hamburg ihnen Begräbnisstätten verweigert hatte. Der Projektraum „Wegmarken jüdischer Geschichte“, den das Altonaer Museum schon seit Februar zeigt, reicht von der Gleichstellung im 19. Jahrhundert bis zu Entrechtung und Verfolgung ab 1933 und zur Schoa.
Wie nah das an einzelne Leben heranreicht, zeigen in der neuen Schau die schwedischen Pässe von Peggy Parnass. Die 1927 in Hamburg geborene Journalistin kam 1939 mit ihrem kleinen Bruder nach Stockholm. Ihre Eltern wurden von den Nationalsozialisten deportiert und in Treblinka ermordet. Später kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück, wo sie 2025 starb.
Ein Schritt in einer langen Debatte Ein eigenständiges Jüdisches Museum hat Hamburg nicht. Über ein solches Haus wird seit rund 130 Jahren gesprochen, 2024 kam die Diskussion erneut in Gang. Eine Presseinformation des Museums am Rothenbaum (MARKK) nennt die Ausstellung einen weiteren Schritt in dieser Debatte. Sie steht zudem nicht allein: Wer eine Karte für das MARKK („Zuschreibung: Jüdisch“) oder das Bucerius Kunst Forum („Von Monet bis Picasso“) hat, bekommt ermäßigten Eintritt in Altona, und umgekehrt, solange die jeweilige Schau läuft.
Gut zu wissen „Menschen & Orte“ läuft bis zum 11. Juli 2027 im Altonaer Museum, Museumstraße 23. Gleich am ersten Tag, dem 12. November, steht dort um 19.30 Uhr ein Gespräch unter dem Titel „Schwarze Juden, weiße Juden? Über Hautfarben und Vorurteile“ auf dem Programm. Öffentliche Führungen gibt es ab dem 15. November sonntags um 15 Uhr (vier Euro zuzüglich Museumseintritt, empfohlen ab 14 Jahren), Führungen mit den Kuratorinnen und Kuratoren am 22. November um 12 Uhr und am 5. Dezember um 14 Uhr. Für Schulklassen stehen 80 kostenfreie Führungen bereit, vergeben in der Reihenfolge der Buchungen.
Themen: Hamburg, Altonaer Museum, Jüdische Geschichte, Jüdisches Leben, Erinnerungskultur, Peggy Parnass, Altona, Ausstellung
Menschen & Orte: Altonaer Museum erzählt ab 12. November Hamburgs jüdische Geschichte